Norwegens Regierung ändert Corona-Impfstrategie – jetzt auch regionale Verteilung

Norwegens Gesundheitsminister Bent Høie und Camilla Stoltenberg, Direktorin des norwegischen Gesundheitsinstituts FHI, erläuterten am 2. März auf einer Pressekonferenz die neue Impfstrategie der norwegischen Regierung. Bis Ende Mai sollen alle über 45-Jährigen die erste Dosis erhalten haben. ©Screenshot/regjeringen.no

Oslo, 2. März 2021. Norwegens Regierung ändert seine Impfstrategie. Nicht mehr das Alter, sondern der Infektionsdruck soll künftig bestimmen, in welcher Reihenfolge geimpft wird. Nachdem bisher bestimmte Altersgruppen geimpft wurden, sollen nun Gebiete in Ostnorwegen mit hohen Infektionsraten, unter anderem die Hauptstadt Oslo, mehr Impfstoff erhalten. Das gab Gesundheitsminister Bent Høie auf einer Pressekonferenz bekannt. Die Regierung folge damit den Empfehlungen des Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit (FHI) vom 24. Februar. Sie erteilte dem FHI das Mandat, den Verteilungsschlüssel zu ändern, damit die Impfstoffe nach Bevölkerung und nicht nach Alter verteilt werden können..

“Die Verteilung und Verwendung der Impfstoffe wird dazu beitragen, Leben und Gesundheit zu schützen und uns in den Alltag zurückzubringen. Basierend auf neuen professionellen Einschätzungen wird die Strategie daher angepasst, wenn wir jetzt einen Schritt weiter in der Impfung gegangen sind”, sagt Høie. “Bisher wurden die Impfstoffe nach dem Anteil der Einwohner der ältesten Altersgruppe auf die Gemeinden verteilt. Die Impfstoffe können nun nach Bevölkerungsgruppen verteilt werden. Dies wird auch bedeuten, dass eine Reihe größerer Gemeinden im ganzen Land, die mehrere Ausbrüche hatten, einen größeren Anteil der Impfstoffe erhalten werden.”

Das NIPH soll nun untersuchen, wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann. Høie geht davon aus, dass diese Änderung frühestens ab Mitte März umgesetzt werden kann und einige Wochen dauern werde. Impfstoffe, die jetzt geliefert werden, würden für die zweite Dosis benötigt. Die Impfung neuer Personengruppen könne daher erst Mitte März mit der Dosis Nummer eins starten.

Høie kündigt für den März die Ankunft von rund 650.000 Impfstoffdosen an sowie weitere große Menge Impfstoffe zu Ostern.

Die Impfungen in Pflegeheimen und in den ältesten Altersgruppen sowie in Risikogruppen und bei Angehörigen der Gesundheitsberufe seien in Norwegen bald abgeschlossen. Änderungen beim Zugang zu Impfstoffen seien nach Ansicht des Gesundheitsministers der wichtigste Faktor. Wenn mehr Dosen vorhanden sind, könne auch schneller geimpft werden.

Das Gesundheitsinstitut geht davon aus, dass Norwegen wahrscheinlich den größten Nutzen aus der schnellen Realisierung einer geografischen Verteilung ziehen wird, da die meisten Menschen über 65 ihre erste Dosis bis Mitte April erhalten haben. Diese Gruppe habe ein hohes Risiko für Krankenhausaufenthalte und ein erhöhtes Risiko für den Tod durch Infektion.

In der Region Oslo ist die Infektionsrate derzeit weitaus höher als auf nationaler Ebene. In Oslo wurden im Laufe der Zeit strenge Maßnahmen und in den betroffenen Bezirken von Oslo gezielte Maßnahmen eingeführt. Diese haben Wirkung gezeigt, aber weniger als gewünscht, heißt es in den Empfehlungen des Gesundheitsamtes. Ein hoher Infektionsdruck in Oslo wirkt sich auch auf die Epidemie im Rest des Landes aus.

“Unsere mathematischen Modelle weisen darauf hin, dass eine geografisch ungleiche Verteilung der Impfstoffe nach Oslo dazu führen wird, dass auf nationaler Ebene mehr Menschenleben gerettet werden. Das heißt, dass die Anzahl der in Oslo geretteten Leben (aufgrund zusätzlicher Impfstoffdosen) höher sein wird als die Anzahl der in den Gemeinden außerhalb von Oslo verlorenen Leben (aufgrund des Verlusts von Impfstoffdosen)”, heißt es im Bericht des FHI.

Heute erhält die Gemeinde Oslo beispielsweise 9,2 Prozent aller Impfstoffe. Wenn der Verteilungsschlüssel für die Bevölkerung geändert wird, kann Oslo rund 13 Prozent der Impfstoffdosen erhalten.

Laut Plan sollten Ende Mai alle über 45-Jährigen die erste Dosis erhalten haben. Dann könnten auch die Grenzen öffnen und der normale Touristenverkehr wieder aufgenommen werden.

“Es kann Ende Mai passieren, ohne dass ich mir dessen ganz sicher sein kann, sagt der Geir Bukholm, Direktor für Infektionskontrolle des FHI gegenüber norwegischen Medien. “So können wir drei Monate von Reisen, Konzerten und Partys in der Stadt entfernt sein.”

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