Norwegische EU-Botschaft in Brüssel lädt junge Leute zur Diskussion über EU-Arktis-Politik

Die EU soll in der Arktis helfen, Interessen zwischen Tradition und Moderne auszugleichen. Noch in diesem Jahr will die EU eine Arktis-Strategie vorlegen. Norwegens Botschaft bei der EU lud junge Leute zu einer Diskussion ein, um ihre Erwartungen an EU-Vertreter zu richten.©Nejla Sparrock Jonasson, SaamiCouncil

Brüssel, 26. Januar 2021. Zehn Prozent der norwegischen Bevölkerung und 700.000 EU-Bürgen leben in der Arktis. Bei der Überarbeitung ihrer Arktis-Politik will die EU die Interessen der Menschen im hohen Norden angemessen berücksichtigen und regionale, lokale und indigene Stimmen in die Ausarbeitung des White Papers, das noch in diesem Jahr erscheinen soll, berücksichtigen. Insbesondere die Jugend, die in der Arktis lebt, soll gehört werden. Die Botschaft Norwegens bei der EU hatte daher am 26. Januar  zu einem virtuellen Gedankenaustausch von vier Jugendvertreter aus dem Norden mit Michael Mann, EU Special Envoy for Arctic Matters, zum Thema “What future for the Arctic? The views of European Arctic youth”eingeladen.

Hauptsorgen Norwegens sei der Klimawandel, der in der Arktis mehr als in anderen Regionen der Welt zu spüren sei. Die Arktis stehe auch im Zentrum sicherheitspolitischer Interessen, denn Russland sei unmittelbarer Nachbar Norwegens in der Arktis, erklärte Marte Ziolkowski, Political Advisor des norwegischen Außenministeriums, zu Anfang der Diskussion Im November vergangenen Jahres hat das norwegische Außenministerium dem Storting einen Bericht “Menschen, Chancen und norwegische Interessen  im Norden” vorgelegt. Angehängt sind die Empfehlungen des Jugendgremiums “Politik des hohen Nordens für junge Menschen”. Die Beratung mit den Jugendlichen zur Erarbeitung des Berichtes habe zu konkreten Vorschlägen im Weißbuch geführt, erklärte Ziolkowski. Ziel sei es, die Arktis zu einer starken, prosperierenden und stabilen Region zu entwickeln. Dafür müssten junge Leute noch mehr in den politischen Prozess zur Entwicklung des hohen Nordens involviert werden.  

Michael Mann nannte es “inspirierend”, von Norwegen zu lernen, wie die Jugend in die Ausarbeitung einer Arktis-Strategie einbezogen wurde. Aus EU-Sicht liege der Fokus der Arktis-Politik auf den Klimazielen und der internationalen Zusammenarbeit. Insbesondere das Klima sei auch das Thema, das die Jugend in dieser Region am meisten betreffe. 

Im November 2020 erschienen die Empfehlung des Jugendgremiums zur Politik im hohen Norwegen.

Petter Lundström, Student an der Umeå University, erklärte ein aus seiner Sicht großes Problem der Region: Die Bevölkerung sei gespalten – in Leute, die bleiben wollen, und Leute, die weggehen. “Die einen neigen zu Nationalismus, die anderen denken und handeln global”, sagte Sundström. Die EU sollte hier als Brücke fungieren, um die Interessen beider auszugleichen. Wichtig sei es, bei jeglichen Entscheidungen, die die Arktis betreffen, die Forderungen beider Gruppen zu berücksichtigen. 

Inga Marja Lango, Rentierzüchterin und Studentin, die am norwegischen White Paper zur Arktis mitgearbeitet hat, sieht ihr Volk, die Sami, unter anderem auch von der Klimapolitik Norwegens bedroht. Die Arktis habe große Ressourcen, aber deren Nutzung dürften nicht das traditionelle Leben der Einheimischen zerstören. 90 Prozent der Menschen in ihrem Dorf lebten von der Rentierzucht. Wenn jetzt immer mehr Fläche für die Produktion erneuerbarer Energien genutzt werde, bleibe für Bevölkerung wenig Raum zur Ausübung ihrer traditionellen Jobs.

Teilnehmer der Diskussion “What future for the Arctic? The views of European Arctic youth”©Streenshot/EurActiv

Die Studentin mahnte auch neue Formen der Zusammenarbeit zwischen ihrem Volk und der EU an. Der EU-Sami-Council bestehe nun schon seit langer Zeit. Es sei notwendig, neue Kooperationsformen zu schaffen. 

Auch die 24-jährige Enni Similä aus Finnland hob die Bedeutung der Landnutzung in der Arktis hervor. “Ohne Land gibt es uns nicht”, sagte die Sami. Eine Industrialisierung im Namen des Klimawandels sei der falsche Weg. Die Sami würden die Konsequenzen zuerst spüren. Windräder, Infrastruktur, Bergbau und traditionelles Leben – das könne nicht nebeneinander existieren. “Die Industriefirmen sind die Gäste in unserem Land”, erklärte Enni Similä.

Petter Hov Jacobsen, Student an der Arctic University of Norway, der sich ebenfalls am Jugendpanel zur Ausarbeitung des White Papers zur Arktis beteiligte, fordert von der EU mehr Engagement, um bessere Bedingungen in der Arktis zu schaffen, die junge Leute zum Bleiben in der Region ermutigen.

Michael Mann räumte ein, dass Projekte, die von der EU zur Arktis beschlossen werden, von Brüssel aus oft gut aussehen, von den Menschen, die in der Region leben, aber ganz anders betrachtet werden. Einen wichtigen Bereich zur Unterstützung der Menschen in der Arktis sieht Mann in der Bereitstellung eines breiten Angebot an Bildung und in der Anwendung neuen Technologien in der Region.

Rolf Einar Fife, Norwegiens Botschafter bei der EU, erklärte den Input junger Leute für die Ausarbeitung von Strategien für die Arktis als essentiell. Politische Akteure müssten mehr hören und hinsehen, wie die Menschen in der Arktis leben und welche Bedürfnisse sie haben. Tradition und Innovation müssten nebeneinander existieren können. Für die Zukunft der Region sei er enthusiastisch, da die Jugend eloquent und wissend ihre Geschicke in die eigenen Hände nehmen. 

Finden Sie hier weitere Informationen zur Arktis-Politik der norwegischen Regierung.

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