China jetzt größter Lieferant für Norwegen

China setzte sich 2020 an die Spitze der norwegischen Lieferländer – noch vor Deutschland. Im Bild: Im Dezember kamen im Hafen Drammen eintausend Pkw und Transporter der chinesischen Marke Maxus an, die Hälfte davon Elektroautos.©Maxus

Oslo, 21. Januar 2021. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Handelsüberschuss Norwegens, der normalerweise große Höhen erreicht, auf 10,4 Milliarden NOK, den niedrigsten Stand seit Ende der achtziger Jahre. Im Jahr 2020 wurden Waren für 773,2 Milliarden NOK exportiert und für 762,8 Milliarden NOK importiert. China stieg 2020 zum größten Lieferland auf. Deutschland lag auf Platz zwei. Größter Exportmarkt war Großbritannien vor Deutschland.

Entwicklung der norwegischen Handelsbilanz

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Die Außenhandelsstatistik für das Jahr 2020 zeigt einen Rückgang der Warenexporte gegenüber 2019 um 15,5 Prozent. Dies war vor allem auf den Rückgang der Öl- und Gaspreise zurückzuführen. Die Exporte auf dem Festland gingen ebenfalls zurück, um 6,5 Prozent gegenüber 2019. 

Der Wert der Warenimporte lag dagegen höher als im Jahr 2019. Sie wuchsen um knapp 0,6 Prozent auf 762,8 Milliarden NOK. “Die Pandemie hat den norwegischen Außenhandel im vergangenen Jahr stark beeinträchtigt. Aufgrund der niedrigen Öl- und Gaspreise sind die norwegischen Exporteinnahmen stark gesunken”, sagt Abteilungsleiter für Außenhandelsstatistik Espen Kristiansen. Die Abschwächung der Krone habe die Exporteinnahmen bis zu einem gewissen Grad in offensichtlich turbulenten Zeiten auf vielen internationalen Märkten geschützt. 

Preisverfall und hohes Exportvolumen von Rohöl

Im Jahr 2020 wurden 546 Millionen Barrel Rohöl exportiert. Dies entspricht einer Steigerung von 22,2 Prozent gegenüber 2019. Das Volumen ist das höchste seit 2010 und ist hauptsächlich auf Exporte aus dem Johan Sverdrup-Feld zurückzuführen, das Ende 2019 seine Produktion aufnahm. Der Preis betrug 383 NOK pro Barrel Rohöl für das Gesamtjahr, ein Rückgang von 32,0 Prozent gegenüber 2019.

Entwicklung der Öl- und Gasexporte

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Ähnlich niedrige Ölpreise wie im April 2020 gab es letztmalig 2003. Der Wert der Rohölexporte betrug damit im vergangenen Jahr 209,1 Milliarden NOK, ein Rückgang von 17,0 Prozent gegenüber 2019. Die Exporte von Rohöl nach China stiegen von 11,2 Milliarden NOK im Jahr 2019 auf 35,9 Milliarden NOK im Jahr 2020. 95,2 Millionen Barrel Rohöl wurden nach China exportiert, eine Steigerung von mehr als 400 Prozent.

Niedrige Einnahmen aus Erdgasexporten

Die Erdgasexporte erwirtschafteten im Jahr 2020 auf 113,5 Milliarden NOK – der niedrigsten Stand seit 2005. Der Rückgang ist hauptsächlich auf einen schwächeren Preis zurückzuführen. Seit 2004 war der Preis nicht mehr so ​​niedrig wie im Jahr 2020. 107,7 Milliarden Standardkubikmeter Erdgas wurden in gasförmiger Form exportiert, ungefähr so ​​viel wie im Jahr 2019.

Exporte auf dem Festland um 6,5 Prozent gesunken

Die Festlandexporte, das heißt die Exporte außerhalb der Öl- und Gasindustrie sowie des Schiffbaus, waren 2020 um 6,5 Prozent niedriger als 2019 und betrugen bei 442,3 Milliarden NOK. Die negative Differenz gegenüber dem Vorjahr war im zweiten Quartal am größten, mit einer allmählichen Erholung im Jahresverlauf.

Exporte ausgewählter Branchen

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Der Rückgang der Exporte von raffinierte Mineralölprodukten belasteten die Exporte auf dem Festland mit einem Rückgang von bis zu 35,6 Prozent gegenüber 2019 am stärksten. Der Rückgang erklärt sich aus ebenfalls sehr niedrigen Preisen, aber auch geringeren Exportmengen. Der Preis für Erdölprodukte fiel im Einklang mit dem Ölpreis, und auch für flüssiges Propan und Butan sank der Exportwert gegenüber 2019. Rechnet man diese preisbedingten Rückgänge der rohstoffabhängigen Branchen heraus, bleibt bei den Festlandexporten trotzdem ein Minus von 2,3 Prozent  gegenüber 2019.

Die Exporte von Industriemaschinen und -geräten sanken im Jahr 2020 ebenfalls, und zwar um 8,8 Prozent auf 37,1 Milliarden NOK. Davon waren vor allem die Zulieferer der weltweiten Öl- und Gasunternehmen betroffen, denen Aufträge im Maschinenbau und beim Bau von Schiffen und Ölplattformen wegbrachen.  

Auch der Exportwert von Aluminium ging deutlich um 4,1 Prozent zurück, während das Exportvolumen auf dem Niveau des Vorjahres lag. Der Export von Palladium dagegen legte dank eines Preissprungs auf den internationalen Märkten um 75,3 Prozent auf auf 4,6 Milliarden NOK zu. 

Die Exporte von Fisch und Meeresfrüchten beliefen sich im Jahr 2020 auf 102,0 Milliarden  NOK. Das erste Quartal des Jahres begann gut, aber die Corona-Pandemie und das Verschwinden des Restaurant- und Hotelsegments wirkten sich auf die Fischexporte aus. Dennoch endete das Gesamtjahr mit dem zweithöchsten Exportwert aller Zeiten, der gegenüber dem Rekordjahr 2019 um 2,0 Prozent zurückging. Niedrigere Lachspreise verringerten den Exportwert, obwohl das Volumen zunahm. Insgesamt wurde Lachs im Wert von 70,1 Milliarden NOK ins Ausland geliefert, ein Rückgang von 3,3 Prozent gegenüber 2019. Der größte Rückgang war auf dem asiatischen Markt zu verzeichnen.

Der Exportwert von elektrischem Strom ging gegenüber 2019 um 37,5 Prozent zurück und betrug  2,9 Milliarden NOK. Der Rückgang ist auf historisch niedrige Preise in weiten Teilen des Jahres 2020 zurückzuführen. Viel Niederschlag und Schneeschmelzen führten zu einer Rekordfüllung der Stauseen. Die hohe Stromerzeugung trug zu erheblichen Stromexporten für das Jahr bei, insgesamt war der Export der Kilowattstunden nie höher.

Größter Exportmarkt insgesamt war im vergangenen Jahr Großbritannien vor Deutschland und den Niederlanden. Die Lieferungen nach Deutschland gingen von 132,3 Milliarden NOK im Jahr 2019 auf 90,1 Milliarden NOK im vergangenen Jahr zurück.

Die meisten Importe aus China

Die norwegischen Importe sind im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent gewachsen. China hat sich 2020 an die Spitze der Lieferländer gesetzt und ist damit Norwegens größtes Importland vor Deutschland. Waren im Wert von 92,0 Milliarden NOK kamen aus China, fast 20 Prozent mehr als 2019. Während Norwegen in erster Linie Rohöl, Kraftstoffe und chemische Produkte nach China exportierte, lieferten chinesische Unternehmen an erster Stelle Maschinen und Transportmittel. So kamen Mitte Dezember eintausend Pkw und Lieferwagen der Marke Maxus aus China im norwegischen Hafenstadt Drammen an. Es handelt sich um die größte Maxus-Sendung aller Zeiten: 500 neue Pkw Maxus Euniq MPV und 500 elektrische Lieferwagens Maxus e-Deliver 3.

Deutschland lieferte Waren im Wert von 87,5 Milliarden NOK, allen voran Kraftfahrzeuge und Maschinen. 

Stark gewachsen sind die Einfuhren von medizinischen und pharmazeutischen Produkten, Schiffen und andere flüssige Stoffe sowie Nickelerz zurückzuführen.

Die Einfuhr von Industriemaschinen ist um 4,7 Prozent auf 89,5 Milliarden NOK gesunken. Maschinen waren trotz des Rückgangs die wichtigsten Importgüter. Auf Platz zwei lagen Fahrzeuge, die im Wert von  86,0 Milliarden NOK importiert wurde, ein Rückgang von drei Prozent gegenüber 2019. Bei Personenkraftwagen stiegen die Importe um 3,0 Prozent auf 53,3 Milliarden NOK. Trotz eines Anstiegs des Importwerts wurden im Jahr 2020 weniger Personenkraftwagen importiert als im Vorjahr.

Importe ausgewählter Branchen

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Die Einfuhr von Metallen und Metallgegenstände sank um 3,7 Prozent auf 63,1 Milliarden NOK.  Diese Produktkategorie umfasst auch Stahlkonstruktionen, die in der Erdölindustrie auf dem norwegischen Festlandsockel verwendet werden.

Reisebeschränkungen und das Fehlen eines zollfreien Handels haben die  Einfuhr von Alkohol und Tabakerzeugnissen in die Höhe schnelle lassen. Es wurden alkoholische Getränke und Tabak für 6,4  beziehungsweise fünf Milliarden NOK im Jahr 2020 eingeführt, was einer Steigerung von 21,2 Prozent bzw. 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Quelle: Statistisches Amt SSB

Finden Sie hier weitere Tabellen zum norwegischen Außenhandel.

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