Norwegen kann als IPCEI-Mitglied jetzt bei Wasserstoffprojekten durchstarten

Norwegen kann mit dem Beitritt zur Europäischen Initiative für Innovation und industrielle Zusammenarbeit für Wasserstoff jetzt H2-Projekte großzügige fördern, ohne gegen EU-Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Norwegen hat große Ambitionen zum Einsatz von Wasserstoff vor allem im Schiffsverkehr.©Gaute Larsen, Statens vegvesen

Oslo, 9. November 2020. Norwegen kann Wasserstoffprojekte jetzt direkt subventionieren. Mit dem Beitritt zur Europäischen Initiative für Innovation und industrielle Zusammenarbeit (IPCEI) für Wasserstoff verstößt der norwegische Staat nicht gegen das europäische Wettbewerbsrecht, wenn einzelne Vorhaben in Norwegen bis zu einhundert Prozent als staatliche Beihilfe unterstützt werden. Das Management für die Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative wurde dem norwegischen Förderinstitut Enova übertragen. Dies bedeutet unter anderem, dass Enova für Ankündigungen und die Auswahl norwegischer Projekte verantwortlich sein wird. 

“Wasserstoff wird wichtig sein, um unsere Klimaziele zu erreichen. Norwegen hat gute Bedingungen für die Entwicklung und Nutzung der Technologie, aber wir müssen nicht alles alleine machen. Durch die Anbindung an die Wasserstoffinvestitionen in Europa können wir sowohl die Entwicklung beschleunigen als auch norwegischen Unternehmen eine gute Gelegenheit bieten, die Qualität ihrer Projekte zu verbessern”, sagt Sveinung Rotevatn, Minister für Klima und Umwelt.

Bei einem IPCEI (Important Project of Common European Interest) handelt es sich um ein transnationales Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse, das mittels staatlicher Förderung einen wichtigen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Wirtschaft leistet. „Es ist das wichtigste Werkzeug zur Förderung von europäischen Zukunftsvorhaben“, erklärt Thorsten Herbert, Director Market Development and Public Affairs, Nel ASA, gegenüber Business Portal Norwegen. „Wenn ein Projekt einem gemeinsamen europäischen Interesse entspricht, genügend Länder beteiligt sind und einen positive Spill-over-Effekte in der gesamten EU bewirkt, außerdem noch sehr ehrgeizige Ziele in Bezug auf Forschung und Innovation verfolgt und deutlich über den internationalen Stand der Technik in dem betreffenden Sektor hinausgeht, dürfen Mitgliedsstaaten ein solches Projekt außerhalb der Beihilferegeln finanzieren, wobei die Förderung bis zu einhundert Prozent betragen kann. Das macht den Prozess für die Industrie so attraktiv.“

Das Programm unterstützt  innovative Projekte in ausgewählten Bereichen, die koordinierte grenzüberschreitende Anstrengungen erfordern. Projekte werden mit nationalen Mitteln unterstützt, sind jedoch von den üblichen Regeln für staatliche Beihilfen ausgenommen und werden der Europäischen Finanzaufsichtsbehörde ESA separat gemeldet. Wasserstoff ist nach der Mikroelektronik und der Batterieherstellung der dritte Bereich, in dem IPCEI-Projekte realisiert werden können.

Das Deutschland-Büro von Innovation Norway hat dieses Jahr eng mit mehreren strategisch wichtigen Industriepartnern kooperiert, deren Ambition es ist, Wasserstoffprojekte in Norwegen zu etablieren oder norwegische Partner für Projekte in Deutschland zu suchen. Die Forderung der deutschen Partner, Norwegen solle dem IPCEI-Abkommen für Hydrogen beitreten, wurde von der Norwegischen Botschaft in Berlin und von Innovation Norway in Deutschland nach Norwegen vermittelt und trug maßgeblich dazu bei, Norwegens Teilnahme am IPCEI-Abkommen für Hydrogen zu sichern.

„Wasserstoff wird eine wichtige Rolle spielen, um unsere Klimaziele zu erreichen. Norwegen hat gute Voraussetzungen für die Entwicklung und Nutzung der Technologie und ist ein kompetenter, innovativer Partner für die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit Deutschland. Die Anwendung des IPCEI-Mechanismus durch Norwegen ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der Kooperationen. Dabei ist das Timing jetzt genau richtig, gerade wenn es um die anstehenden Prozesse zur Implementierung der Zusammenarbeiten mit Deutschland geht”, erklärt Manuel Kliese, Director Germany/Switzerland/Austria von Innovation Norway.

Norwegens Regierung hat im Juni dieses Jahres eine Wasserstoff-Strategie vorgelegt. Sie besagt unter anderem, dass Wasserstoff ein energiearmer oder emissionsfreier Energieträger sein muss, der ohne oder mit sehr geringen Emissionen erzeugt wird, beispielsweise durch Elektrolyse von Wasser mit reinem Strom oder aus Erdgas mit CO2-Management.

“Die norwegische Teilnahme am IPCEI für Wasserstoff wird ein wichtiger Bestandteil des Fahrplans der Regierung für Wasserstoff sein. Die Verbindung zu den Wasserstoffinvestitionen der EU kann auch für Langskip wichtig sein, das eine großtechnische Wasserstoffproduktion aus norwegischem Erdgas mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung ermöglicht”, sagt Energieministerin Tina Bru.

Die Auswahl der Projekte beginnt auf nationaler Ebene. Wenn die Projekte aus den einzelnen Ländern eingereicht wurden, werden sie mit Projekten aus anderen teilnehmenden Ländern verknüpft. In diesem sogenannten Matchmaking-Prozess wird entschieden, welche Projekte für IPCEI qualifiziert sind.

“Wir ermutigen Interessenten mit fertigen Projekten, schnell zu sein, da Norwegens Frist für die Aufzeichnung von Projekten bereits im Januar / Februar liegt. Vor Weihnachten werden wir daher eine sogenannte Interessensumfrage eröffnen, bei der ein Überblick über Akteure mit relevanten Projekten erstellt werden soll, die als Norwegens Beitrag zu weiteren Konsortialformationen auf europäischer Ebene aufgenommen werden können. Das Interesse an dieser Phase ist unverbindlich, aber es ist wichtig, dass den Akteuren belegen, worin die Innovation der Projekte besteht und wie sie den Wert gemeinsamer europäischer Investitionen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette stärken können”, sagt Arve Solheim, Marketingmanager von Enova in der Region.

Norwegen unterstützt über den Forschungsrat bereits drei Wasserstoffprojekte.

Finden Sie hier den H2-Blog des Forschungsinstituts SINTEF.

Finden Sie hier Informationen zum norwegischen Hydrogen-Forum.

Finden Sie hier Informationen zu Hydrogen Europe, dem europäischen Hydrogen-Verband.

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