Klimaziele 2050: Kooperation mit Norwegen macht den Unterschied

Interview mit Dr. Torsten Porwol, Geschäftsführer der CO2 Management AS, Paradis

Um deutsche Industrieunternehmen zu animieren, ihr im Produktionsprozess anfallendes CO2 nach Norwegen zu transportieren und dort unterirdisch zu lagern, will das norwegische Unternehmen CO2 Management AS in Deutschland einen zentralen Umschlagplatz für den Gastransport einrichten. Das Projekt soll der deutschen Industrie ab 2024 die Anlieferung des verflüssigten CO2 ermöglichen. BusinessPortal Norwegen sprach mit Geschäftsführer Torsten Porwol über die Pläne seines Unternehmens und die Notwendigkeit der radikalen Umstellung von Industrieprozessen zur Erreichung der Pariser Klimaziele.

Herr Porwol, die unterirdische Lagerung von Kohlendioxid ist in Deutschland nicht gerade populär. Während CO2 in Norwegen seit vielen Jahren unter dem Meer verpresst werden, wurden Versuche dieser Art vor einigen Jahren in Deutschland gestoppt. Ihr Unternehmen will deutsche Industriefirmen nun überzeugen, ihr CO2 nach Norwegen zu verschiffen. Was macht Sie so optimistisch, dass die Industrie mitspielt?

In der Tat ist die deutsche Industrie extrem verhalten bezüglich der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid. Allerdings muss man berücksichtigen, dass wir heute sehr viel mehr auf das Klima achten als noch vor zehn Jahren – achten müssen. Die Europäische Union hat Klimaziele verabschiedet, die den Unternehmen weh tun. Die geplanten CO2-Quoten des Emissionshandelssystems der EU erfordern von der Industrie eine radikale Umstellung beim Umgang mit CO2-Emissionen, denn langfristig wird die Abscheidung, der Transport und die Lagerung von CO2 für Industrieunternehmen billiger sein als der Handel mit CO2-Quoten. Das macht mich optimistisch.

Aber erst einmal müssen die Anlagen installiert werden – und das ist teuer.

Natürlich sind Investitionen notwendig. Aber die EU und auch verschiedene Regierungen fördern den Umbau der Industrie mit erheblichen Summen. In Deutschland allerdings gibt es in diesem Bereich relativ wenig Unterstützung, verglichen zum Beispiel mit Norwegen. HeidelbergCement kommt mit seinem Tochterunternehmen in Norwegen voll in den Genuss staatlicher Förderung bei der Installation der notwendigen Anlagen zur Abspaltung von CO2.

Welche Industrien eignen sich besonders für den CCUS-Prozess?

Die geeignetste Branche ist die Zementindustrie. Außerdem ist der Effekt in der Zementindustrie auch sehr groß und die Abscheidung des CO2 technisch einfach. Weltweit verursacht die Industrie ca. 35 Gigatonnen CO2 pro Jahr. Norwegen verfügt über einen Speicherplatz von 70 Gigatonnen. Hier lassen sich also zwei CO2-Jahresproduktion der gesamten Welt lagern. Dies entspricht 233 Jahresproduktionen der Emission von Spanien. 

Neben der Zementindustrie sind noch die Stahlindustrie und die Abfallverarbeitung gute Kandidaten.

Welche Erfahrungen gibt es weltweit mit der Verpressung von CO2?

Die Öl- und Gasindustrie nutzt CO2 neben Wasser seit vielen Jahren als Druckmittel, um auch das letzte Öl aus den porösen Gesteinsschichten der Reservoirs herauszupressen. Wenn das Öl dann an die Oberfläche kommt, verbleibt das CO2 in den Lagerstätten. Insbesondere in Texas ist diese Methode der Maximierung der Rendite populär. Insofern steht auch die größte Anlage zur Abscheidung von CO2 in den USA. 

Aber CCUS wird uns nicht vor dem Klimawandel bewahren.

Nicht allein, nein. Aber allen Berechnungen zufolge macht die Zusammenarbeit mit Norwegen in diesem Bereich den Unterschied, ob die EU ihr Klimaziel 2050 erreicht oder nicht. 

Ihr Unternehmen will jetzt in Deutschland einen Umschlagplatz für CO2 mit der dazugehörigen Infrastruktur errichten. Was genau soll hier passieren?

Wir bauen nicht nur einen Umschlagplatz. Zuallererst beraten wir die Firmen, wie sie an einem solchen Prozess teilnehmen können und was er ihnen bringt. Unsere Firma ist seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig und unterstützt Unternehmen und Länder beim Aufbau einer Infrastruktur, die für die Abscheidung, den Transport und die Lagerung von CO2 notwendig ist. Deutschland ist jetzt unser wichtigstes Ziel, weil es hier vergleichsweise viel Industrie gibt und die Nähe zu Norwegen das Geschäft auch profitabel machen kann. Das heißt, wir sprechen gegenwärtig die Kunden direkt an und arbeiten mit ihnen eine Strategie aus.

Wie wird das CO2 transportiert und wo soll sich der Umschlagplatz befinden?

Das CO2 wird verflüssigt und mit der Bahn in Spezialwaggons zum Umschlagplatz in einen Hafen transportiert. Von dort geht es dann per Schiff weiter zu einer Sammelstelle nach Norwegen. 

Werden Umweltorganisationen hinnehmen, dass CO2 einfach so auf der Schiene transportiert und über die Meere geschippert wird?

Ich hoffe doch, dass in Deutschland noch immer der Glaube an die Naturwissenschaften die Oberhand hat. CO2 brennt nicht, stinkt nicht, ist schwerer als Luft und nur giftig, wenn man es direkt einatmet. Oft wird vergessen, dass wir permanent von CO2 umgeben sind. So liefert Norwegen schon seit vielen Jahren flüssiges CO2 per Schiff an Bierbrauereien in England. 

Wie hoch werden die Investitionen für das Projekt sein?

Das kommt auf den Grundstückspreis an und auf die Zahl der Schiffe, die wir für die Überfahrt nach Norwegen brauchen. Momentan gibt es in Europa nur drei Schiffe, die dafür ausgerüstet sind, flüssiges Kohlendioxid zu transportieren. Bei der Auswahl des Grundstücks werden wir darauf achten, dass wir nach dem Start noch kräftig ausbauen können. Insgesamt rechnen wir mit einem zweistelligen Millionenbetrag, den wir investieren müssen. 

Und wie werden Sie in Deutschland mit Ihrem Vorhaben empfangen?

Sowohl die Kommunen als auch die Häfen, die wir bisher kontaktiert haben, reagierten sehr positiv. Unsere Anträge werden sehr schnell bearbeitet, so dass wir wie geplant 2024 starten können. Letztlich bemühen sich momentan alle um ein grünes Image.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jutta Falkner.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Löschdecke für Elektroautos: Feuerwehren in Schleswig-Holstein nutzen norwegische Lösung