EU fördert norwegisches HySHIP-Projekt mit acht Millionen Euro

Ab 2024 soll das erste Schiff, das mit grünem Wasserstoff betrieben wird, an der Westküste Norwegens unterwegs sein. Das Projekt HySHIP wird von der Europäischen Union über das Programm Horizon 2020 gefördert.©Wilhelmsen Holding ASA

Lysaker/, 27. Oktober 2020. Die EU fördert die Entwicklung und den Bau des wasserstoffbetriebenen HySHiP-Projektes aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 mit acht Millionen Euro. An dem Vorhaben sind 14 europäische Partner beteiligt. Es beinhaltet den Entwurf und Bau eines neuen RoRo-Demonstrationsschiffs mit flüssigem grünem Wasserstoff (LH2 – Liquid Green Hydrogen) sowie den Aufbau einer funktionsfähigen LH2-Lieferkette und einer Bunkerplattform. Das Schiff wird von der norwegischen maritimen Industriegruppe Wilh. Wilhelmsen Holding ASA betrieben und LH2 an Wasserstoff-Hubs entlang der norwegischen Küste liefern. Es soll ab 2024 betriebsbereit sein.

Unter dem Konzeptnamen „Topeka“ wird das Schiff als erstes seiner Art in den kommerziellen Dienst gestellt. Es wird nach einem festen Zeitplan fahren, der sowohl Kundenfracht in Küstenrichtung als auch Wasserstoff in Containern zu den Bunkerknotenpunkten befördert. An der norwegischen Westküste gibt es zahlreiche Stützpunkte für die Offshore-Industrie, wobei der Transport von Basis zu Basis bisher per Schwerlasttransporter erfolgt und sich somit gut für eine Umstellung auf LH2 eignet. 

„Wasserstoff als Kraftstoff bietet Möglichkeiten für eine emissionsarme oder emissionsfreie Schifffahrt. Topeka wird unser erster Schritt in Richtung skalierbarer LH2-betriebener maritimer Operationen sein. Wir werden eine vollständige LH2-Infrastruktur und ein kommerzielles Ökosystem schaffen und gleichzeitig jährlich rund 25.000 Lkw von den Straßen entfernen“, sagt Per Brinchmann, Kooperdinator des HySHIP-Projektes und Vizepräsident für Sonderprojekte bei Wilhelmsen.

Für den Energiekonzern Equinor sei ein wasserstoffbetriebener Küstenverkehr mit regelmäßiger Frequenz eine vielversprechende Transportalternative, erklärt Frida Eklöf Monstad, Vizepräsidentin für Logistik und Notfallmaßnahmen bei Equinor. Bart Biebuyck, Executive Director bei FCH2 JU, fügt hinzu: “HySHIP wird aufgrund der Verwendung von flüssigem Wasserstoff, der Größe der Brennstoffzelle und des Konzepts für die LH2-Verteilung ein weltweit führendes Innovationsprojekt sein.“

Das Topeka-Schiff wird emissionsfrei durch eine Kombination aus 1.000 kWh Batteriekapazität und einer Drei-Megawatt-PEM-Wasserstoffbrennstoffzelle gebaut. Wasserstoff wird aus der neuen LH2-Produktionsanlage in Mongstad bei Bergen von BKK, Equinor und Air Liquide bezogen.

HySHIP wird außerdem drei Replikatorstudien durchführen, darunter eine Studie für ein kleineres 1-MW-Tankschiff für den Einsatz auf Binnenwasserstraßen, für eine 3-MW-Schnellfähre und eine Scale-up-Studie für ein größeres 20-MW-Energiesystem für Tiefseeschiffe, bei dem ein Capesize-Massengutfrachter als Replikator verwendet wird.

Zu den Partnern des HySHIP-Konsortiums gehören neben Projektleiter Wilhelmsen Kongsberg Maritime (Norwegen), LMG Marin (Norwegen und Frankreich), Equinor (Norwegen), Norled (Norwegen), PersEE (Frankreich), Diana Shipping (Griechenland) und Stolt-Nielsen Inland Tanker Service BV (Niederlande), Air Liquide (Frankreich), NCE Maritime CleanTech (Norwegen), DNV GL (Norwegen), ETH Zürich (Schweiz), Strathclyde University (UK) und Demokritos (Griechenland).

Norwegens Energieministerin Tina Bru räumte in einer Ansprache während der Ankündigung des HyShip-Wasserstoffprojekts in Dusavika am 22. Oktober 2020 ein: “Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir auch mit Lösungen arbeiten, bei denen Elektrizität nicht die Antwort ist. In diesem Zusammenhang bin ich fest davon überzeugt, dass Wasserstoff eine gute Alternative sein kann. Der Wasserstoffträger hat in vielen Bereichen ein großes Potenzial zur Emissionsreduzierung.” 

Im Staatshaushalt für 2021 hat die norwegische Regierung erstmals eine völlig separate Investition von 100 Millionen NOK für Wasserstoff vorgeschlagen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Unterstützung des Aufbaus und des Aufbaus von Infrastruktur mit Schwerpunkt auf Hubs und Lieferketten, die die kommerzielle Nutzung von Wasserstoff erleichtern. Auch das im Sommer 2020 verabschiedete Umweltpaket der Agentur Enova im Umfang von zwei Milliarden NOK  unterstützt Wasserstoffprojekte.

Premierministerin Erna Solberg hat zum nationalen Treffen der Konservativen die Erarbeitung eines Fahrplan für Wasserstoff gefordert. Wichtig sei es, dass private und andere Akteure bereit sind, Kapital, Fachwissen und Zeit in neue Wasserstoffprojekte zu investieren.

Während Wasserstoff-Fähren in Norwegen noch Neuland sind, sind Medienberichten zufolge bereits 57 Elektrofähren im Einsatz. Bis 2030 sollen in Norwegen alle Fähren ohne Emissionen fahren.

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