Neuer Menon-Bericht: Schwimmender Offshore-Wind erwirtschaftet 2050 fast 85 Milliarden NOK

Finden Sie hier den Bericht der Consulting-Firman Menon Economics.

Oslo, 20. Oktober 2020. Eine in Norwegen ansässige Offshore-Windindustrie kann im Jahr 2050 einen Umsatz von fast 85 Milliarden NOK erzielen. Das prognostiziert die Unternehmensberatung Menon Economics in einem am Dienstag vorgelegten neuen Bericht über „Maßnahmen zur Realisierung von schwimmendem Offshore-Wind auf dem norwegischen Schelf“. Die Entwicklung von schwimmenden Offshore-Projekten im Bereich Windenergie nehme an Dynamik zu. Dies trage dazu bei, dass die Kosten schneller sinken, da schwimmender Offshore-Wind erhebliche Skaleneffekte in der Produktion auslösen kann. Das Basisszenario der Prognosen in dem Bericht geht daher von einer beschleunigten Entwicklungsrate nach 2030 aus.

Die Marktanalyse wurde vom norwegischen Offshore-Windcluster in Zusammenarbeit mit der norwegischen Industrie, dem norwegischen Reederverband, Export Credit Norway und der Gemeinde Stavanger in Auftrag gegeben. Der Bericht beschreibt die Veränderungen, die im letzten Jahr auf dem Markt stattgefunden haben, und entwickelt drei Szenarien für die künftige Bedeutung von schwimmenden Offshore-Windparks für Norwegen. 

In dem Bericht werden auch die Erwartung der Industrie an die Regierung zur Förderung der Branche dargelegt. Speziell geht es darum, welche Instrumente am besten geeignet sind, um private Investitionen in schwimmenden Offshore-Großwind im norwegischen Schelf auszulösen, um die Technologieentwicklung und Lerneffekte in der norwegischen Lieferkette zu erleichtern. 

Erwartete Entwicklung des schwimmenden Offshore-Windes weltweit langfristig im Niedrig-, Basis- und Hochszenario in GW.

©Menon

Wie die Analyse zeigt, steigen die Erwartungen des Marktes für schwimmenden Offshore-Wind. Dies erhöhe auch den Wert der Entwicklung einer wettbewerbsfähigen norwegischen Industrie durch Maßnahmen auf dem Inlandsmarkt. 

Gegenwärtig gibt es weltweit wenige schwimmende Windanlagen. Der norwegische Energiekonzern Equinor hat 2017 den ersten schwimmenden Windpark der Welt vor der schottischen Küste in Betrieb genommen.

Schwimmende Windparks haben den Vorteil, dass sie in tieferen Gewässern montiert werden können. Der Nachteil: Schwimmende Offshore-Windtechnologie ist bis heute rund 60 Prozent teurer als Technologien, bei denen die Turbinen am Meeresboden befestigt werden.

Wie die Analysten schreiben, sei schwimmender Offshore-Wind eine relativ unausgereifte Technologie im Vergleich zu landgestützten Wind- und Bodenanlagen. Um die Produktionskapazität zu erhöhen, Skaleneffekte zu erzielen und Kosten zu senken, seien die Unternehmen daher am Anfang abhängig von der nationalen Energie- und Industriepolitik. Norwegens nationale Energiepolitik könne für die Entwicklung von schwimmendem Offshore-Wind von zentraler Bedeutung sein, bis die Technologie vollständig kommerzialisiert ist. Im vergangenen Jahr habe sich die norwegische Industrie- und Energiepolitik im Zusammenhang mit schwimmendem Offshore-Wind erheblich weiterentwickelt. Am 12. Juni 2020 beschloss die Regierung, die Gebiete Utsira Nord- und Südnordsee II für die Offshore-Windentwicklung zu öffnen. Dies bedeutet, dass ab Januar 2021 Lizenzen für den Ausbau der Offshore-Windenergie im norwegischen Schelf beantragt werden können. In diesem Jahr hat das Ministerium für Erdöl und Energie auch die Entwicklung von Hywind Tampen genehmigt, das nach seiner Fertigstellung die weltweit größte schwimmende Windkraftanlage mit 88 MW sein wird. 

Ähnlich wie in Norwegen hätten sich die Behörden in Europa erheblich weiterentwickelt, heißt es im Bericht. Frankreich habe einen speziellen Fahrplan erstellt, der im nationalen Energie- und Klimaplan des Landes Eingang gefunden hat. 2019 haben die französischen Behörden angekündigt, drei Auktionen für Entwicklungsgebiete mit einer Gesamtentwicklungskapazität von 700 MW durchzuführen.

In Irland habe sich die neu gewählte Koalition hohe Ziele für erneuerbare Energien gesetzt und sehe ein Potenzial von bis zu 30 GW schwimmendem Offshore-Wind bis 2050. Im Gegensatz zu anderen Ländern wird das Interesse an Italien hauptsächlich von privaten Entwicklern und Investoren getrieben. Gemäß der Industriestrategie der portugiesischen Behörden für erneuerbare Energiequellen wird das Gesamtpotenzial für Offshore-Wind entlang der portugiesischen Küste auf 40 GW geschätzt (Carbon Trust, 2020). Aufgrund der Meerestiefe außerhalb Portugals dürfte ein großer Teil dieser Kapazität aus schwimmenden Offshore-Windparks stammen. Spanien hat keine spezifischen Ziele festgelegt, aber ein politischer Prozess im Zusammenhang mit Offshore-Wind eingeleitet.

Das Vereinigte Königreich will mehr schwimmenden Offshore-Wind entwickeln will. Premierminister Boris Johnson hat das Ziel für Offshore-Wind von 30 GW auf 40 GW bis 2030 angehoben, von denen ein GW aus schwimmenden Anlagen stammen soll.

China sei ein Markt, über den relativ wenig bekannt ist, schreiben die Autoren des Berichtes. Mehrere Analysten würden China als Teil des Marktes ausschließen. DNV GL allerdings sehe China als wichtigen Markt für die Energiewende bis 2050. China werde eine Schlüsselrolle bei der globalen Entstehung von schwimmendem Offshore-Wind in Asien spielen. Nach Angaben des Carbon Trust (2020) werde China in den nächsten Jahren jedoch aufgrund der großen verfügbaren Seegebiete mit seichtem Wasser weitgehend nur bodenfeste Offshore-Windparks entwickeln. Einige Analysten würden jedoch darauf hinweisen, dass Tiefseegebiete in der Nähe von Verbrauchszentren auf lange Sicht wichtig sein werden.

Japan war 2003 eine der ersten Nationen, die Offshore-Windprojekte bauten, aber in den letzten Jahren sei wenig passiert. Dies scheine sich jetzt geändert zu haben. Japan habe als erstes Land eine Auktion für ein vorkommerzielles schwimmendes Offshore-Windprojekt in der Nähe von Goto City in der Nähe von Nagasaki eröffnet. Der norwegische Energiekonzern Equinor hat sich gemeinsam mit einem japanischen Partner daran beteiligt.

Südkorea ist ein Markt mit großem Potenzial, in dem bereits mehrere norwegische Akteure an Projekten beteiligt sind, heißt es in dem Report. Die Behörden des Landes haben eine Anforderung für 20 Prozent erneuerbaren Strom im Energiemix bis 2030 festgelegt, der 12 GW Offshore-Wind umfasst (Carbon Trust, 2020). In Südkorea sind große schwimmende Offshore-Windprojekte geplant. Ein Beispiel dafür sind Equinors Pläne für einen schwimmenden Offshore-Windpark mit 800 MW. Total hat seinerseits die Absicht unterzeichnet, 2,3 GW über mehrere Projekte zu entwickeln.

Im Vergleich zu Europa und Asien seien die USA relativ spät in den Markt für Offshore-Windkraftanlagen eingetreten. Aber die Entwicklungen nehmen zu. Die wichtigsten Gebiete für schwimmenden Offshore-Wind in den Vereinigten Staaten im nächsten Jahrzehnt sind die Westküste und Hawaii. Außerhalb Kaliforniens sollen die Auktionen bereits 2021 beginnen.

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