Norwegens Ölfonds GPFG korrigiert Anlagestrategie: Etwas mehr Nordamerika und weniger Europa

Anteile des GPFG an Aktiengesellschaft weltweit nach Regionen©GPFG

Oslo, 21. September 2020. Norwegens Staatsfonds Government Pension Fund Global (GPFG) soll künftig etwas mehr in Nordamerika und etwas weniger in Europa investieren. Wie das Finanzministerium in einem Bericht zur staatlichen Pensionskasse 2020 vorschlägt, soll sich die geografische Zusammensetzung des Referenzindex für Aktien des GPFG ändern. Der Anteil an den Industrieländern in Europa soll etwas nach unten und der Anteil in den USA und Kanada entsprechend nach oben korrigiert werden. Dies stehe im Einklang mit dem Rat der norwegischen Zentralbank Norges Bank und soll zu einer stärkeren Wertsteigerung des Fonds führen.

Der Fonds hat lange Zeit einen großen Anteil seines Portfolios in europäische Aktien investiert. Norges Bank hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, dass der Ölfonds mehr in den USA besitzen und seinen Anteil in Europa reduzieren sollte. Jetzt folgt die Regierung diesem Rat.

2019 hatte der Ölfonds Anteile an etwas mehr als 2,6 Prozent aller börsennotierten europäischen Aktien und Anteile an 1,1 Prozent aller Aktien in Nordamerika, Afrika und im Nahen Osten. Mit der jetzt vorgeschlagenen Änderung soll die Beteiligung des Fonds in den USA und Kanada von 41,6 Prozent auf 48 Prozent wachsen. Gleichzeitig soll der Anteil der Fondsinvestitionen in Europa von 33 Prozent auf 26,5 Prozent reduziert werden.

“Die Änderung, die wir jetzt vorschlagen, wird zu den Investitionen in die GPFG beitragen, die die Verteilung der Wertschöpfung in börsennotierten Unternehmen weltweit besser widerspiegeln”, sagt der Finanzminister.

Von den 20 Firmen, an denen der norwegische Ölfonds die größten Anteile hält, kommen zehn aus den USA, sechs aus Europa und vier aus Asien.

Anlagen in aufstrebenden Aktienmärkten können dazu beitragen, das Risiko zu verteilen und höhere erwartete Renditen zu erzielen. Gleichzeitig seien die Schwellenländer in größerem Maße durch schwächere Institute, weniger Offenheit und einen schwächeren Schutz der Interessen von Minderheitsaktionären gekennzeichnet. Dies mache es schwieriger, die Rolle eines verantwortungsbewussten Anlegers zu übernehmen, teilt das Finanzministerium mit.

Das Finanzministerium werde daher bis zum Fondsbericht im Frühjahr 2021 weiter an der Zusammensetzung des Teilindex für Schwellenländer arbeiten. Der Bericht des Ausschusses, der die ethischen Richtlinien für die GPFG bewertet hat, sowie Analysen und Bewertungen der Norges Bank werden Teil der Entscheidungsgrundlage sein. Neue Märkte sollen erst dann in den Referenzindex des Fonds für Aktien aufgenommen werden, wenn eine Entscheidung über dessen Zusammensetzung getroffen wurde.

“Der GPFG trägt dazu bei, dass wir in Norwegen einen erheblichen Spielraum für die Finanzpolitik haben. Infolge der Corona-Pandemie hat der Einsatz von Ölgeld im Jahr 2020 stark zugenommen. Wenn sich die Wirtschaftslage normalisiert, wird der Einsatz von Ölgeld wieder sinken. Es ist wichtig, ein langfristiges und gutes Management der Ersparnisse sicherzustellen, damit der Ölreichtum auch zukünftigen Generationen zugute kommt”, sagt Finanzminister Jan Tore Sanner.

Der diesjährige Bericht beschreibt auch die Arbeit der Norges Bank zum Klimarisiko. Als großer, langfristiger Investor mit Beteiligungen an mehreren tausend Unternehmen weltweit würden die Rendite und das Risiko des Fonds durch den Klimawandel, die Klimapolitik und neue Technologien beeinflusst. Gleichzeitig sei dies ein komplexer Risikofaktor, und es bestehe Bedarf an mehr Wissen darüber, wie Anleger am besten mit Klimarisiken umgehen können. 

“Das Klimarisiko ist ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements, der Anlageentscheidungen und der Ausübung des Eigentums an der Norges Bank. Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass das Klimarisiko in Zukunft von großer Bedeutung sein wird. Ich glaube daher, dass die Bank ihre Arbeit in diesem Bereich weiter stärken muss”, sagt Finanzminister Jan Tore Sanner.

Wie das Finanzministerium einschätzt, war 2019 ein Jahr starker Entwicklung an den Aktienmärkten, sowohl in Norwegen als auch international. Dies trug zu einer hohen Rendite unserer in die staatliche Pensionskasse investierten Mittel bei. Die GPFG erhielt 2019 eine Rendite von 19,9 Prozent, während der nationale Pensionsfonds GPFN eine Rendite von 12,4 Prozent erzielte. Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Wert der beiden Fonds 10.084 Milliarden NOK bzw. 269 Milliarden NOK. Dies entspricht einer Steigerung von 1.832 Milliarden NOK bzw. 30 Milliarden NOK. Die Rendite des GPFG lag damit 2019 um 0,23 Prozentpunkte über der Rendite des Referenzindex.

Die Corona-Pandemie und die strengen Maßnahmen zur Infektionskontrolle in vielen Ländern führten zu Beginn des Jahres 2020 zu starken Bewegungen an den Aktienmärkten mit Auswirkung auf die Rendite der Fonds. In der ersten Jahreshälfte betrug die Rendite des GPFG -3,4 Prozent. In dieser Zeit wurden auch erhebliche Mittel aus dem Fonds in den Staatshaushalt überwiesen. Trotzdem stieg der Fondswert aufgrund eines schwächeren Kronenwechselkurses auf 10.398 Milliarden NOK. Für den GPFN betrug die Rendite im ersten Halbjahr -4,4 Prozent, und der Marktwert fiel auf 257 Milliarden NOK.

Der Fonds besitzt im Durchschnitt fast 1,5 Prozent aller Aktien der börsennotierten Unternehmen weltweit und ist über sie an rund 9.000 Unternehmen beteiligt.

Finden Sie hier den Bericht zur staatlichen Pensionskasse 2020 GPFG und GPFN.

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