Arbeitgeberverband NHO mit klaren Ansagen für die Zukunft Norwegens

Erik Almlid, CEO des Arbeitgeberverbandes, stellte in der neuen Deichman-Bibliothek in Oslo eine Roadmap vor, die Norwegen in eine digitale, globale und grüne Zukunft führen soll.©NHO-screenshot

Oslo, 31. August 2020. Norwegens Arbeitgeberverband Næringslivets Hovedorganisasjon NHO hat am 31. August in der neuen Deichman-Bibliothek in Oslo seine Vorstellungen präsentiert, wie Norwegen aus der Krise kommt und den Übergang  in eine digitale, globale und grüne Zukunft gestalten kann. Vor Vertretern aller politischen Parteien erläuterte Ole Erik Almlid, CEO von NHO, die Roadmap “Neste trekk” (Nächster Schritt) des NHO, in der die Organisation unter anderem für mehr Beschäftigung, verstärkte Privatisierung und Kürzungen des norwegischen Steuerniveaus plädiert. Insgesamt nennt der Bericht zehn Bereiche, in denen sich Norwegen verändern muss. Dies wird mit klaren Zielen bis 2030 unterlegt. 

Wie NHO schreibt, müssten Visionen einer nachhaltigen Zukunft in konkrete Ambitionen umgesetzt werden. Nach Ansicht des Verbandes sind  zehn Ambitionen bis 2030 in die Realität umzusetzen:

  1. Höhere Wertschöpfung
    Ziel für 2030: Das Pro-Kopf-BIP steigt von 575.000 NOK auf 650.000 NOK pro Kopf

Unter der Annahme, dass das BIP des norwegischen Festlandes in diesem Jahr um fünf Prozent sinkt, müsse das BIP von 2020 bis 2030 jährlich um 2,3 Prozent wachsen, um das Ziel zu erreichen.

  1. Höhere berufliche Bildung
    Ziel für 2030:  Die Beschäftigungsquote für Personen zwischen 20 und 70 Jahren steigt von 73,1 auf 77,5 Prozent

Eine hohe Wertschöpfung erfordere, dass viele Menschen arbeiten. Hohe Beschäftigung unterstütze aber auch eine integrative Gesellschaft und eine gleichmäßige Einkommensverteilung und legitimiere Wohlfahrtssysteme. Für den Einzelnen sichere es das Einkommen und trage zum Selbstwertgefühl bei. Um das Ziel zu erreichen, müsse der Anteil der Arbeitsplätze in jeder Altersgruppe bis 2030 jährlich um 0,6 Prozentpunkte steigen.

  1. Ausbau des Privatsektor
    Ziel für 2030: Der Anteil der Arbeitsstunden im privaten Sektor steigt von 70 auf 72 Prozent

Eine gute Arbeitsteilung zwischen öffentlichem und privatem Sektor habe zu hohem Wohlstand beigetragen. Aber 30 Prozent der Arbeitsstunden würden in der öffentlichen Verwaltung geleistet. Kein Industrieland habe mehr. Der Anteil der Arbeitsstunden im privaten Sektor sollte höher sein.

  1. Außenwirtschaft im Gleichgewicht
    Ziel für 2030: Ausgeglichene Handelsbilanz abzüglich der staatlichen Öleinnahmen

Im Laufe der Zeit müsse ein Land ein Gleichgewicht in der Außenwirtschaft haben. Defizite erforderten Schulden, die zur Verwundbarkeit führen können. Notwendig seien höhere Exporteinnahmen aus Branchen jenseits von Öl und Gas sowie höhere Nettoeinnahmen aus dem Zins- und Leistungssaldo.

5. Reduzierte Treibhausgase
Ziel für 2030: Senkung der CO2-Emissionen im Nichtquotensektor (Verkehr, Bauwesen, Landwirtschaft und Abfall) gegenüber 1990 um 50 Prozent – in Zusammenarbeit mit der EU

Die Zusammenarbeit mit der EU biete eine gewisse Flexibilität, aber auf jeden Fall müsse ein großer Teil der Reduzierung der Treibhausgase in Norwegen durch das Auslaufen der Nutzung fossiler Energie, die Elektrifizierung und den Einsatz biobasierter Lösungen erfolgen. Weitere Emissionsreduzierungen müssten durch die Teilnahme am EU-Quotensystem umgesetzt werden.

6. Steigerung der Fähigkeit zu Innovation 
Ziel für 2030: Norwegen wird mit 20 Prozent über dem EU-Durchschnitt zu den Innovationsführern in Europa gehören

Innovationsfähigkeit sei anspruchsvoll zu messen. Die NHO will sich am EU-Innovationsanzeiger orientieren, der 27 Indikatoren enthält. Bei der letzten Umfrage wurde Norwegen als starker Innovator eingestuft und lag mit 17 Prozent über dem EU-Durchschnitt.

7. Schließen der Kompetenzlücke
Ziel für 2030: Halbierung des Anteil der NHO-Unternehmen mit einem nicht gedeckten Kompetenzbedarf 

Angesichts des demografischen Wandels, neuer Technologien und des Übergangs zu einer emissionsarmen Gesellschaft müsse sich Norwegen auf Kompetenz konzentrieren, um ein Arbeitsleben zu schaffen, in dem Menschen und Unternehmen erfolgreich sind. Vor der Corona-Krise hätte das Kompetenzbarometer von NHO gezeigt, dass sechs von zehn NHO-Unternehmen nicht über für ihr Geschäft notwendige Kompetenz verfügten. Die Kompetenzlücke müsse geschlossen werden.

8. Wettbewerbsfähige Steuerbelastung
Ziel für 2030: Das Steuerniveau für die Festlandwirtschaft darf 40 Prozent der Wertschöpfung nicht überschreiten

Norwegen habe im Vergleich zu anderen Ländern eine hohe Steuerbelastung. Die meisten Steuern und Gebühren führten zu einem Effizienzverlust. Dieser Verlust sei umso größer, je höher das Steuerniveau ist. Daher sollten die gesamten Steuereinnahmen (ohne Erdölsteuern) etwas gesenkt werden und 40 Prozent des BIP für das norwegische Festland nicht überschreiten. Um nachhaltige Staatsfinanzen zu gewährleisten, müssten die Haushaltsausgaben an die Einnahmen angepasst werden. 

9. Hohes Vertrauen
Ziel: Das Vertrauen in die Gesellschaft bleibt zumindest auf dem heutigen Niveau erhalten

In Norwegen vertraue man einander und den Behörden. Vertrauen habe wirtschaftlichen Wert. Um das Vertrauen auf dem gegenwärtigen Niveau aufrecht zu erhalten, müsse Norwegen weiterhin eine integrative und offene Gesellschaft aufbauen, unter anderem durch Gewährleistung der Medienvielfalt. Statistik Norwegens misst in Umfragen regelmäßig das Vertrauen mit der Frage: “Inwieweit sind die meisten Menschen vertrauenswürdig?”. Auf einer Skala von 0 bis 10 betrug die durchschnittliche Antwort  im Jahr 2017 7,2. Ziel von NHO ist es, dieses Niveau bis 2030 zu halten oder zu verbessern. 

10. Höherer Organisationsgrad 
Ziel für 2030: Erhöhung der  Zugehörigkeit von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zum organisierten Arbeitsleben von 60 auf 63 Prozent 

Die dreigliedrige Zusammenarbeit habe Norwegen gute Dienste geleistet. Die Lohnbildung habe zu hoher Beschäftigung, niedriger Arbeitslosigkeit, geringen Konflikten und guter Anpassungsfähigkeit beigetragen. Die Zusammenarbeit leite ihre Legitimität von einem hohen Anteil organisierter Personen ab. Heute sind 49 Prozent aller Mitarbeiter organisiert. Der Anteil der Beschäftigten in organisierten Unternehmen der Privatwirtschaft beträgt 71 Prozent. Der Durchschnitt dieser beiden Werte ergibt einen Organisationsgrad von 60 Prozent. Dieser sollte weiter erhöht werden.

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