Weniger Patentanmeldungen in Norwegen – mehr norwegische Anmeldungen in Europa

Anmeldungen beim norwegischen Patentamt pro Monat, gruppiert nach Patenten, Marken und Designs, ohne in Norwegen validierte zusätzliche Schutzzertifikate (SPC) und europäische Patente©Patentstyret

Oslo, 28 Juli 2020. Insgesamt 1.551 Patentanmeldungen fanden 2019 ihren Weg zum norwegischen Patentamt Patentstyret, acht Prozent weniger als im Vorjahr, teilt das norwegische Statistikamt SSB mit. Aus Norwegen kamen 13 Prozent weniger Patentanmeldungen. Anmeldungen aus der Geschäftswelt nahmen um neun Prozent ab. Von allen Patentanmeldungen norwegischer Anmelder stammten 85 Prozent von Unternehmen. 

Eine Analyse des Fünfjahreszeitraums 2015 bis 2019 zeigt, dass Architekten und andere technische Berufe besonders erfinderfreudig sind. Sie hatten einen Anteil aller von norwegischen Unternehmen eingereichten Patentanmeldungen von 28 Prozent. Im Vergleich dazu machten Unternehmen der Computer- und Elektronikindustrie nur 2,3 Prozent aus. 

Anzahl der Patentanmeldungen und Unternehmen für nach Branchen 2015-2019

IndustriePatentanmeldungen 2015–2019davon Unternehmen 2015–2019
Computer- und Elektronikindustrie9251
Metallindustrie11779
Transportindustrie13538
IT-Dienstleistungen177110
Bergbau25174
Wissenschaft 254197
Agentur- und Großhandel266193
Forschungs- und Entwicklungsarbeit279190
Maschinenbau299138
Architekten und technische Berufe1.023569
©SSB

Auch die Aktivitäten im Markenschutz gingen zurück. 2019 wurden von norwegischen Anmeldern insgesamt 4.168 Gesuche eingereicht, 12,6 Prozent weniger als 2018. Ausländische Unternehmen oder Privatpersonen reichten 13.120 Anmeldungen ein – 4,9 Prozent mehr als 2018. Damit gehen 72 Prozent der gesamten Anmeldung für Marken auf das Konto von Ausländern. Neben der Anmeldung beim norwegischen Patentamt haben sie Markenschutz in mehreren Ländern über das Madrider Protokoll beantragt, das auch für Norwegen gilt. Im Jahr 2019 betrug der Anteil der über dieses Protokoll gesendeten Markenanmeldungen 59 Prozent.

Auch mehrere ausländische Designanwendungen bemühten sich um Registrierung in Norwegen. Norwegische Unternehmen stellten 2019 fünf Prozent weniger Anträge auf Designschutz als im Vorjahr.

Das norwegische Patentamt erhielt 2019 1.212 Anträge auf Geschmacksmusterschutz, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Dies ist hauptsächlich auf die Anzahl der Anträge ausländischer Akteure im Bereich Design zurückzuführen. Ausländische Antragsteller entscheiden sich in größerem Umfang für die Verwendung der Geschmacksmusterregistrierung in Norwegen über das internationalem Hague System. Im Jahr 2019 kamen zehn Prozent mehr Geschmacksmusteranmeldungen über dieses System nach Norwegen und machten 66 Prozent aller beim norwegischen Patentamt eingegangenen Geschmacksmusteranmeldungen aus.

Gegen den Trend im eigenen Land melden immer mehr Norweger ein europäisches Patent an. Die Zahl der Anmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA) ist nach Angaben des norwegischen Patentamtes seit 2018 um 3,6 Prozent gestiegen. Die Zahl der Anmeldungen im Transport- und Verkehrsbereich hat sich mehr als verdoppelt, während Anmeldungen auf dem Gebiet der Technologie im Bereich Öl- und Gasproduktion um ein Fünftel zurückgingen.

Die meisten norwegischen Patentanmeldungen auf europäischer Ebene kommen aus dem Bereich der Bautechnik, zu dem auch Bohrungen zur Öl- und Gaserkundung zählen.

Die Anwendungen im Verkehrsbereich nahmen um 112 Prozent zu. Dieses Feld umfasst Fahrzeuge, Eisenbahnen, Schiffe und Flugzeuge und belegte unter Norwegens wichtigsten technischen Bereichen den zweiten Platz. Die meisten Erfindungen kamen hier aus der Schifffahrtsbranche.

Das drittwichtigste Feld, andere Spezialmaschinen, ist breit gefächert. Unter den für Norwegen relevanten Elementen befinden sich Käfige für die Fischzucht, Maschinen zur Verarbeitung von Fleisch, Geflügel und Fisch sowie Geräte für die Herstellung von Zement. Dieses Technologiefeld wuchs um 45,7 Prozent.

Oslo und Akershus führten im vergangenen Jahr Norwegens regionales Ranking mit einem Anteil von 38,1 Prozent an allen europäischen Patentanmeldungen norwegischen Anmeldern. Es folgen Agder und Rogaland mit einem Anteil von 16,9 Prozent. Der Düngemittelkonzern Yara hat 2019 die meisten Patente beim Europäischen Patentamt aus Norwegen eingereicht.

“Aus norwegischer Sicht zeigen diese Zahlen des Europäischen Patentamts, dass sich ein positiver Trend der letzten Jahre fortsetzt”, sagt Bernt Boldvik, Direktor des norwegischen Patentamts. Er weist darauf hin, dass die Zahl der Patentanmeldungen aus der norwegischen Wirtschaft und Industrie auch außerhalb der europäischen Märkte zunimmt.

Finden Sie hier den Jahresbericht des norwegischen Patentamtes.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Corona-Krise löst in Norwegen Digitalisierungsboom im Gesundheitswesen aus