Norwegen mit Rekord-Handelsdefizit im Juni 2020

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Oslo, 15. Juli 2020. Niedrige Exporte und hohe Importe im Juni führten in Norwegen zu einem Handelsdefizit von 10,2 Milliarden NOK, dem höchsten Wert seit 2015. Seit November 2019 sind die Exporte norwegischer Waren kontinuierlich zurückgegangen. Sowohl die  Festlandexporte, das heißt alle Exporte außer Rohöl, Erdgas, Schiffe und Ölplattforme, als auch die Erdgasexporte sind gesunken – den siebten Monat in Folge. Die Rohölexporte sind ebenfalls auf niedrigem Niveau, obwohl wertmäßig mehr ins Ausland geliefert wurde als im Juni 2019.

Wie das norwegische Statistikamt SBB mitteilt, beliefen sich die Exporte im Juni auf 55,8 Milliarden NOK, 15,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Warenimporte stiegen dagegen im Juni um zehn Prozent auf 66 Milliarden NOK. Der Anstieg des Importwerts ist auf besonders hohe Importe von Maschinen und Transportmitteln zurückzuführen, die sich auf 27,0 Milliarden NOK beliefen. Dies ist eine Steigerung von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Wert der Erdgasexporte ging gegenüber Juni letzten Jahres um mehr als 60 Prozent zurück und betrug bei 5,2 Milliarden NOK. Hauptgrund für den Rückgang ist ein deutlich niedrigerer Gaspreis. Es wurden 8,2 Milliarden Standardkubikmeter Gas in gasförmiger Form exportiert, 5,7 Prozent weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres.

Der Wert der Rohölexporte lag im Juni bei 15,5 Milliarden NOK, eine Steigerung von 10,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr aufgrund der Tatsache, dass die Exporte im Juni 2019 wegen Wartungsarbeiten gering waren. Der Preis pro Barrel Rohöl lag im Juni dieses Jahres mit 396 NOK deutlich unter dem Vorjahrespreis von 555 NOK. Seit April stieg der Preis aber wieder um 33,0 Prozent.

Exporte von Rohöl, Gas und Gaskondensat

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Der Erzeugerpreisindex erklärt den jüngsten Anstieg der Ölpreise damit, dass Russland und Saudi-Arabien die Zusammenarbeit zur Stabilisierung des Ölmarktes wieder aufgenommen haben und die Nachfrage aus China gestiegen ist.

39 Millionen Barrel Rohöl wurden exportiert, das sind 54,8 Prozent mehr als im Juni 2019. Der starke Anstieg ist größtenteils auf die Produktionssteigerung nach Inbetriebnahme des Johan-Sverdrup-Feldes im Herbst 2019 zurückzuführen. Die Produktion im Juni ist dagegen die niedrigste Monatsproduktion bisher im Jahr 2020. Dies steht im Zusammenhang mit der im April vereinbarten Kürzung der Ölförderung ab Juni 2020.

Die Exporte auf dem Festland gingen  gegenüber Juni letzten Jahres um 5,3 Prozent auf 35,0 Milliarden NOK zurück. Der größte Rückgang hatte der Export von raffinierten Mineralölprodukten zu verzeichnen. Er schrumpfte um fast 50 Prozent auf 2,3 Milliarden NOK. Die Exporte von Maschinen und Transportmitteln  lagen bei 7,1 Milliarden NOK, ein Rückgang von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Fischexporte blieben mit einem Wert von acht Milliarden NOK in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.   

Entwicklung der Festlandexporte

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Die Importe von Autos sind im Vergleich zu 2019 immer noch niedrig, haben sich aber im Vergleich zu dem niedrigen Niveau für April und Mai 2020 positiv entwickelt. Im Juni wurden rund 10.000 Autos eingeführt, so viel wie in den beiden vorangegangenen Monaten zusammen.

Die Möbelimporte stiegen um 275 Millionen NOK und betrugen im Juni bei 1,6 Milliarden NOK. Viele Norwegen haben in der Corona-Zeit ihr Wohnung oder ihr Haus neu eingerichtet. 

Für das erste Halbjahr 2020 weist die Außenhandelsstatistik bei den Importen einen Rückgang um 11,37 Milliarden NOK gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus, bei den Exporten um 70,25 Milliarden NOK. Die Importe aus Deutschland sanken von 41,32 Milliarden NOK im ersten Halbjahr 2019 auf 40,04 Milliarden NOK im ersten Halbjahr 2020. Die Export nach Deutschland gingen von 75,79 auf 47,89 Milliarden NOK zurück.

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