Europäische Wasserstoff-Strategie: Gute Chancen für Nel ASA und andere norwegische Akteure

Die am 8. Juli von der EU-Kommission verabschiedete europäische Wasserstoff-Strategie bietet auch norwegischen Unternehmen gute Chancen.©EU-Kommission

Brüssel, 8. Juli 2020. Nach Norwegen und Deutschland hat nun auch die EU- Kommission eine Wasserstoffstrategie. Aber anders als Norwegen, das auch Wasserstoff ein großes Potenzial zuschreibt, der aus Erdgas hergestellt wird, in dem jedoch der größte Teil des in der Produktion freigesetzten CO₂ aufgefangen und gespeichert wird, wollen Deutschland und die EU vor allem „grünen Wasserstoff“ voranbringen, der aus erneuerbaren Energien produziert wird. Mit der heute verabschiedeten „EU-Strategien für die Integration von Energiesystemen und Wasserstoff“ präsentiert die EU-Kommission eine neue Investitionsagenda für saubere Energie.

„Wir sind wirklich überwältigt davon, wie aggressiv die EU eine Führungsposition im Bereich Wasserstoff befürwortet“, sagt Jon André Løkke, CEO des norwegischen Hydrogen-Spezialisten Nel ASA, gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur NTB. Der Nel-Chef sieht jetzt große Chancen für Nel ASA. Jetzt werde sich das norwegische Unternehmen positionieren, um neue Kunden in Europa zu gewinnen. Der Nel-Chef geht davon aus, dass die Produktionskosten für erneuerbaren Wasserstoff in den kommenden Jahren rapide sinken werden.

Nel ASA ist der größte Elektrolyseur-Produzent der Welt und hat mehr als 3.500 Systeme in über 80 verschiedene Länder geliefert. Das Unternehmen gehört zu den meistgehandelten Unternehmen an der Osloer Börse. Wie norwegische Medien berichten, soll Løkke selbst in das Leitungsgremium der europäischen Wasserstoffallianz aufgenommen werden, die im Zusammenhang mit der neuen Wasserstoffstrategie ins Leben gerufen wurde.

Norwegen wird in der Wasserstoff-Strategie in einer Fußnote als Partner eines Flagship-Projektes erwähnt, bei dem zwei kommerzielle Wasserstoff-Brennstoffzellenschiffe in Frankreich und Norwegen entwickelt werden sollen, wobei Wasserstoff vor Ort mit 1-MW-Elektrolyseuren erzeugt wird, die mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Nach Informationen von tu.no haben der norwegische Energiekonzern Equinor und 32 andere Gasproduzenten Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission, ein Schreiben übermittelt, in dem sie die EU aufforderten, blauen und grünen Wasserstoff gleichzusetzen.

Die von der EU verfolgte Integration von Energiesystemen bedeutet, dass das System als Ganzes geplant und betrieben werden soll. Verschiedene Energieträger, Infrastrukturen und Verbrauchssektoren sollen miteinander verbunden werden. Diese Strategie besteht aus drei Hauptpfeilern: Erstens ein eher „kreisförmiges“ Energiesystem, dessen Kern die Energieeffizienz ist und zweitens eine stärkere direkte Elektrifizierung der Endverbrauchssektoren. Drittens soll Wasserstoff in einem integrierten Energiesystem die Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr, Stromerzeugung und Gebäuden in ganz Europa unterstützen. Die EU-Wasserstoffstrategie befasst sich mit der Umsetzung dieses Potenzials in die Realität durch Investitionen, Regulierung, Marktschaffung sowie Forschung und Innovation.

Wasserstoff soll Sektoren antreiben, die nicht für die Elektrifizierung geeignet sind, und Speicher bereitstellen, um variable erneuerbare Energieflüsse auszugleichen. Dies könne jedoch nur durch koordinierte Maßnahmen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor auf EU-Ebene erreicht werden. Vorrangig sei die Entwicklung von erneuerbarem Wasserstoff, der hauptsächlich mit Wind- und Sonnenenergie erzeugt wird. Kurz- und mittelfristig seien jedoch andere Formen von kohlenstoffarmem Wasserstoff erforderlich, um die Emissionen rasch zu reduzieren und die Entwicklung eines lebensfähigen Marktes zu unterstützen.

Von 2020 bis 2024 will die EU-Kommission die Installation von mindestens sechs Gigawatt erneuerbaren Wasserstoffelektrolyseuren in der EU und die Produktion von bis zu einer Million Tonnen erneuerbaren Wasserstoffs unterstützen. Von 2030 bis 2050 sollten erneuerbare Wasserstofftechnologien ausgereift sein und in großem Umfang in allen schwer zu dekarbonisierenden Sektoren eingesetzt werden.

Um diese Strategie umzusetzen, hat die Kommission die Europäische Allianz für sauberen Wasserstoff mit Branchenführern, der Zivilgesellschaft, nationalen und regionalen Ministern und der Europäischen Investitionsbank ins Leben gerufen. Das Bündnis soll eine Investitionspipeline für eine vergrößerte Produktion aufbauen und die Nachfrage nach sauberem Wasserstoff in der EU unterstützen.

Deutschland ist mit 84 Wasserstofftankstellen absoluter Spitzenreiter bei der Verwendung von Wasserstoff in Europa. Norwegen folgt nach Angaben von H2.live hinter Deutschland mit sechs Wasserstofftankstellen vor Dänemark und Frankreich. Außerdem haben nur die USA und Japan mehr Patente zu Brennstoffzellen angemeldet als Deutschland (17.238), so Block-Builders.de.

Finden Sie hier mehr Informationen zur Europäischen Allianz für sauberen Wasserstoff.

Lesen Sie hier die European Clean Hydrogen Alliance Decleration.

Finden Sie hier die Website der European Clean Hydrogen Alliance.

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