Datenschutzbehörde in Norwegen stoppt Corona-App “Smittestopp”

Die norwegische Corona-App war seit 16. April in Betrieb. Am 15. Juni wurde sie gestoppt.©Helsenorge

Oslo, 15. Juni 2020. Norwegens Dateninspektion Datatilsynet hat dem Norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit Folkehelseinstittut FHI untersagt, die am 16. April eingeführte Corona-App “Smittestopp” (Infektionsstopp) weiter zu betreiben. Alle Daten aus der Infektions-Stopp-App werden jetzt gelöscht, die weitere Datenerfassung wird eingestellt. Die Dateninspektion ist der Ansicht, dass die App keinen angemessenen Schutz der Privatsphäre gewährt beziehungsweise dass die Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen der App und Preisgabe persönlicher Daten nicht gewahrt ist.

“Wir stimmen der Einschätzung der norwegischen Datenschutzbehörde nicht zu, aber jetzt müssen wir alle Daten löschen und die Arbeit aufgrund der Benachrichtigung unterbrechen. Damit schwächen wir unsere Bereitschaft, die verstärkte Ausbreitung von Infektionen zu verhindern, da wir Zeit bei der Entwicklung und dem Testen der App verlieren. Gleichzeitig sind wir weniger in der Lage, die Ausbreitung der laufenden Infektion zu bekämpfen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Wir haben keine Immunität in der Bevölkerung, keinen Impfstoff und keine wirksame Behandlung. Ohne die Smittestopp-App sind wir weniger gerüstet, um neue Ausbrüche auf lokaler oder nationaler Ebene zu verhindern”, erklärte die FHI-Direktorin Camilla Stoltenberg weiter.

Die App wurde in drei Kommunen getestet, aber die geringe Anzahl infizierter Personen habe es schwierig gemacht zu testen, ob Smittestopp genau diejenigen benachrichtigt, die möglicherweise tatsächlich einer Infektion ausgesetzt waren, teilt die Gesundheitsbehörde mit. Die ersten Analysen basierend auf Daten aus der der App wurden vergangene Woche veröffentlicht. Sie zeigen, dass sich der Abstand zwischen den Menschen verringert hat und dass es um den 10. Mai zu einer Verschiebung gekommen ist. Dies seien wichtige Informationen, die etwas darüber aussagen, wie Maßnahmen zur Infektionskontrolle funktionieren, teilt FHI mit.

“Die App wurde in Rekordgeschwindigkeit entwickelt, aber die Arbeit, um die App zum Laufen zu bringen, hätte länger dauern sollen als geplant, auch weil jetzt nur noch wenige infiziert sind”, sagt Stoltenberg.

Norwegen hat als eines der ersten Länder das digitale Infektions-Tracking eingeführt. Die App wurde 1,6 Millionen Mal heruntergeladen und hat laut Zahlen vom 3. Juni fast 600.000 aktive Benutzer, die Daten mit FHI teilen.

Ab Dienstag, dem 16. Juni, werden keine Daten mehr über die App erfasst. In der zentralen Datenbank gespeicherte personenbezogene Daten werden so schnell wie möglich gelöscht.

FHI rät denjenigen, die die App auf dem Telefon behalten möchten, die App zu deaktivieren. Am 23. Juni will sich FHI öffentlich zum Vorgehen der Datenschutzbehörde äußern.

Finden Sie hier die Begründung zum Stopp der App in norwegischer Sprache.

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