Equinor präsentiert Pläne zur Dekarbonisierung seiner Versorgungsschiffe

Der norwegische Energiekonzern Equinor richtet die Flotte seiner Versorgungsschiffe konsequent auf emissionsarme oder emissionsfreie Treibstoffe aus. Im Bild: SAL Trina entlädt Unterwasserausrüstung auf der Polarbase für das Johan-Castberg-Projekt.©Øyvind Gravås /Even Kleppa, Equinor

Oslo, 7. Juni 2020. Am heutigen UN World Ocean Day hat der norwegische Energiekonzern Equinor seine Ambitionen bezüglich der Reduzierung der Treibhausgase in der Schifffahrt vorgestellt. Die Pläne sind Bestandteil der am 6. Februar 2020 verabschiedeten Klima-Roadmap des Unternehmens. Bis 2030 soll die Produktion und Verwendung kohlenstoffarmer Kraftstoffe vorangetrieben werden, bis 2050 soll die Produktion und Verwendung emissionsfreier Kraftstoffe Priorität haben. Mit seinen Partnern Vår Energi, LOTOS und KUFPEC hat Equinor in dieser Woche auch entschieden, das Sleipner-Feld in der Nordsee vor der Küste Norwegens teilweise zu elektrifizieren.

„Als Hersteller und Nutzer von Schiffstreibstoff hat Equinor gute Möglichkeiten, die Schifffahrt zu dekarbonisieren. Ausgehend von unserer Position auf dem norwegischen Festlandsockel (NCS) werden wir gemeinsam mit der maritimen Industrie in Norwegen und international neue Lösungen entwickeln, die zu erheblichen Emissionsminderungen beitragen“, sagte Irene Rummelhoff, Executive Vice President für Marketing, Midstream und Verarbeitung (MMP) bei Equinor, bei der Vorstellung der Umweltziele des Konzerns im Schifffahrtsbereich. Die Ambitionen für maritime Aktivitäten stünden im Einklang mit den Zielen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) für die globale Schifffahrt und den von den norwegischen Behörden festgelegten Zielen. Global sollen die Emissionen bis 2050 gegenüber 2008 halbiert werden, Norwegen will bereits bis 2030 die Halbierung der maritimen Treibhausgase gegenüber 2005 erreichen. 

Equinor war ein Pionier bei der Verwendung von Flüssigerdgas (LNG) als Brennstoff. 2021 soll Flüssiggas (LPG) als Treibstoff in den Schiffen in großem Maßstab eingeführt werden.

Für sieben Versorgungsschiffe auf der Norwegischen Kontinentalschelf wurde ein neues Hybridbatteriesystem installiert, die nächste Generation von Hybridschiffen soll kontinuierlich in die Flotte eingeführt werden. Darüber hinaus hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der maritimen Industrie mit der Entwicklung des weltweit ersten Versorgungsschiffs begonnen, das mit emissionsfreiem Ammoniak betrieben wird.

Wie das Unternehmen mitteilt, soll weiterhin die Entwicklung kohlenstoffarmer Kraftstoffe für die Industrie unterstützt werden. In einer Zwischenphase sollen Batterie-, Hybrid- sowie LNG-Lösungen zum Einsatz kommen. Langfristiges Ziel sei es, Wertschöpfungsketten für emissionsfreie Kraftstoffe im maritimen Sektor zu entwickeln, die kohlenstoffarme Kraftstoffe schrittweise ersetzen, teilt Equinor mit.

„Equinor wird eine wichtige Rolle bei der Entwicklung neuer emissionsfreier Kraftstoffe für Schiffe wie Wasserstoff und Ammoniak in Kombination mit der Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff spielen. Als wichtiger maritimer Akteur und Hersteller maritimer Kraftstoffe können wir dazu beitragen, neue Wertschöpfungsketten in diesem Sektor zu etablieren, beispielsweise durch Pilotprojekte zusammen mit anderen Akteuren. Wir sehen dies als eine aufregende Geschäftsmöglichkeit, die der Strategie und den technologischen Vorteilen sowie der Rolle Norwegens als Labor für neue maritime Technologien entspricht“, sagt Rummelhoff.

Bei der Entwicklung emissionsfreier Kraftstoffe für den maritimen Sektor spielt die Erhöhung des Anteils von Biokraftstoffen an Schiffskraftstoffen und die Entwicklung von Ammoniak und Wasserstoff aus Erdgas in Kombination mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung oder durch Elektrolyse von Wasser aus erneuerbaren Energien für das Unternehmen eine entscheidende Rolle.

Equinor hat seit 2015 schrittweise seine Tankerflotte erneuert. Mit mehreren norwegischen und internationalen Reedern wurden langfristige Verträge für rund 30 hochmoderne energieeffiziente Schiffe unterzeichnet. Darüber hinaus wurden Vereinbarungen über die langfristige Nutzung von weiteren zehn Schiffen geschlossen, die im Zeitraum 2020 bis 2022 in Betrieb gehen werden.

Vier der Schiffe sind Shuttle-Tanker der neuesten Generation, die mit LNG betrieben werden. Die Schiffe können auch mit flüssigen flüchtigen organischen Verbindungen (LVOC) in Kombination mit LNG fahren. Dies sei eine innovative Technologie, die von diesen Schiffen weltweit zum ersten Mal eingesetzt wird.

Sieben der Schiffe sollen für den LPG-Transport (sehr große Gasträger, VLGC und mittlere Gasträger, MGC) und Treibstoff ausgerüstet sein. Die LPG-Schiffe sollen zwischen 2021 und 2022 in Betrieb gehen und zu den ersten der Welt auf diesem Gebiet gehören.

Durch die Einführung von mit Gas betriebenen Schiffen (LNG, LPG und LVOC) will Equinor den Weg für die spätere Verwendung anderer kohlenstoffarmer Kraftstoffe wie Ammoniak und Biogas ebnen.

Seit 2011 hat Equinor die CO2-Emissionen im Bereich Logistik auf dem norwegischen Kontinentalschelf um 600.000 Tonnen reduziert. 175 Schiffe arbeiten permanent für Equinor.

Zur Elektrifizierung des Sleipner-Feldes haben Equinor und seine Partner in dieser Woche den Behörden einen überarbeiteten Plan für Entwicklung und Betrieb vorgelegt. So soll ein neues Stromkabel von Sleipner zur Gina Krog-Plattform verlegt werden, das bis Ende 2022 vom Ufer aus auf dem Utsira High mit Strom versorgt wird. In der Zeit, in der der Strombedarf höher ist als die Kapazität in der Gebietslösung, wird Sleipner Gasturbinen einsetzen, um den Bedarf zu decken.

In Norwegen verursacht der maritime Sektor sechs Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen, global werden zwei bis drei Prozent der Emissionen in der Schifffahrt ausgestoßen.  

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Corona-Krise löst in Norwegen Digitalisierungsboom im Gesundheitswesen aus