USA nach neuer Berechnungsmethode größter Investor in Norwegen

Eingehende Direktinvestitionen nach Ursprungsland und Eigentümer©SSB

Oslo, 27. Mai 2020. US-Unternehmen sind die größten Investoren in Norwegen. Bisher galten Schweden, Luxemburg und die Niederlanden als die größten Kapitalgeber. Nach einer neuen Berechnungsmethode des Statistikbüro SSB, die nicht die Herkunftsländer der Direktinvestitionen, sondern die Länder erfasst, in denen sich die Mutterfirmen der Investoren befinden, entfielen 2018 fast 20 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Norwegen auf US-Firmen. 

Bisher wurden in der Statistik über Direktinvestitionen, Bestand und Rendite ausländischer Direktinvestitionen in Norwegen (eingehende Direktinvestitionen) die Länder erfasst, aus denen die Investition getätigt wurden. Wenn beispielsweise ein amerikanisches Unternehmen über eine Holdinggesellschaft in den Niederlanden in Norwegen investiert, wird dies als Investition aus den Niederlanden und nicht aus den USA registriert.

Die Statistik der Direktinvestitionen wird jetzt um eine Tabelle erweitert, in der die eingehenden Direktinvestitionen nach dem Land erfasst werden, in dem der Eigentümer des investierenden Unternehmens ihren Sitz haben. Dies gibt ein genaueres Bild davon, wer das Risiko tatsächlich trägt, und die Rendite der eingehenden Direktinvestitionen in Norwegen erzielt. 

Nach der neuen Berechnungsmethode haben US-Unternehmen 2018 244 Milliarden NOK nach Norwegen transferiert und damit 19,37 Prozent der Gesamtinvestitionen getätigt. Auf Platz zwei folgt Schweden mit einem Anteil von 13,64 Prozent vor norwegischen Firmen mit 11,96 Prozent, die über Tochtergesellschaften im Ausland in Norwegen investierten. Deutsche Unternehmen haben 49 Milliarden NOK (Platz vier) direkt aus Deutschland investiert, aber 83 Milliarden NOK sind von deutschen Unternehmen über andere Länder nach Norwegen geflossen. Während die USA, Deutschland, Frankreich und Finnland mehr Kapital auf Umwegen nach Norwegen transferierzen als direkt, überwiegen bei Schweden, Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden und Luxemburg die direkten Investitionen. 

Aus den Steueroasen Bermuda und den Cayman Islands flossen 32 beziehungsweise zehn Milliarden NOK nach Norwegen. 

Norwegen ist auch bei der Verteilung der eingehenden Direktinvestitionen nach dem letztendlichen Eigentümerland gut vertreten. Dies sind Investitionen, die Norweger in Norwegen tätigen, aber über Unternehmen im Ausland. Das Phänomen wird als “Round-Tripping” bezeichnet. Hierbei wird Geld an ausländische Unternehmen überwiesen und dann durch Direktinvestitionen in die Wirtschaft reinvestiert. 

Bei mehreren Ländern sind die Bestände nach Direktinvestition erheblich größer als in Ländern mit letztendlichen Eigentümern. Dies sind Investitionen, die nur den letzten Schritt in einer Investitionskette darstellen, die mit dem endgültigen Eigentümer in einem anderen Land beginnt. Diese Länder werden  in der Statistik als Flow-Länder bezeichnet.

Eingehende Direktinvestitionen 2017 und 2018©SBB

Länder wie die Niederlande, Luxemburg und Steueroasen sind aus finanziellen Gründen typische Durchflussländer, in denen Unternehmen nur gegründet werden, um weiter in die endgültigen Investitionsobjekte zu investieren. Firmen aus Schweden und Dänemark, die sich in unmittelbarer geografischer Umgebung befinden, sind typischere direkte Investoren.

Eine eingehendere Analyse der Daten zu den Direktinvestitionen könne dazu beitragen, die Ursachen für die verschiedenen Investitionsmuster zu ermitteln. Weitere Informationen zu Investitionsmustern und dem immer komplexer werdenden Netzwerk multinationaler Unternehmen seien wichtig, um die wirtschaftliche Globalisierung zu beleuchten, schreibt SSB in ihrem Bericht.

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Corona-Krise löst in Norwegen Digitalisierungsboom im Gesundheitswesen aus