Energi Norge: Elektrifizierung in Norwegen geht zu langsam

Oslo, 26. Mai 2020. Norwegens Nutzung erneuerbarer Energien im gesamten Energiemix hat seit 2010 nur um vier Prozent zugenommen. Das Tempo der Umstellung sei zu langsam, um die Klimaziele zu erreichen und verlorene Arbeitsplätze zu ersetzen, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Bericht von Energi Norge. Insbesondere im Verkehrssektor bestehe die Notwendigkeit zur schnelleren Elektrifizierung.

In dem Bericht  Erneuerungsbarometer 2020  (Fornybarometeret 2020), der zum ersten Mal den Gesamtstatus der Nutzung erneuerbare Energien zeigt, wird festgestellt, dass in Norwegen nur 51 Prozent des Energieverbrauchs durch erneuerbare Energiequellen gedeckt wird.

“Trotz Norwegens umfangreicher erneuerbarer Energiequellen nutzen wir immer noch viel fossile Energie aus Öl und Gas in Verkehr und Industrie. Angesichts des Abschwungs in der norwegischen Wirtschaft besteht die Gefahr, dass sich die Elektrifizierung verlangsamt. Daher müssen wir uns stärker auf emissionsfreie Lösungen konzentrieren, die zu Emissionssenkungen und mehr Dynamik in der Wirtschaft führen”, sagt Knut Kroepelien, CEO von Energi Norge.

Norwegen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mindestens 50 Prozent der Treibhausgasemissionen zu senken. Die Elektrifizierung ist die wichtigste Maßnahme, um dieses Ziel zu erreichen, was sich im Klimaschutzbericht der Regierung widerspiegelt. Das Erneuerungsbarometer 2020 zählt auch Fernwärme und Biokraftstoffe als erneuerbare Energie.

Transportindustrie nutzt nur 14 Prozent erneuerbare Energien

In der Transportindustrie in Norwegen werden nur 14 Prozent an erneuerbaren Energien genutzt. Mit anderen Worten: Hier werden 86 Prozent der fossilen Energie eingesetzt, insbesondere im Seeverkehr, im Schwerlasttransport und in der heimischen Luftfahrt.

“Norwegen hat mit der Elektrifizierung des Bus- und Güterverkehrs in den Städten einen langen Weg zurückgelegt. Die Ladeangebote für Elektrofahrzeuge müssen jedoch im ganzen Land erweitert werden. Darüber hinaus müssen wir uns auf umweltfreundlichen Wasserstoff für schwere Transporte auf längeren Strecken konzentrieren”, so Kroepelien.

Norwegen hat einen besonders guten Ausgangspunkt für die Elektrifizierung des Seeverkehrs, da das Land über 130 Fährverbindungen, eine eigene Schifffahrtsbranche und Erfahrung im Aufbau von Ladeinfrastrukturen auf der Straße verfügt. Ziel ist es, dass alle norwegischen Fähren bis 2030 emissionsfrei sind. Hier müsse der Druck durch eine schnellere Entwicklung der Lade- und Landstromversorgung in den Häfen aufrechterhalten werden. Dazu brauche es sowohl Unterstützung des Förderinstituts Enova als auch der Behörden, die den Einsatz emissionsfreier Lösungen fordern. Dies sei ein Sektor, in dem Norwegen die exportorientierte Industrie stärken und neue Arbeitsplätze schaffen könne, heißt es in dem Bericht.

Großes Potenzial für die Rechenzentren und Batteriefabriken

Norwegische Industrieunternehmen setzen erneuerbare Energien zu 63 Prozent ein. Vorreiter sind Ölraffinerien, die chemische und pharmazeutische Industrie sowie die die Metallindustrie. “Die Versorgung mit erneuerbaren Energien ist seit dem Bau der ersten Wasserkraftwerke vor über 100 Jahren ein Wettbewerbsvorteil für die norwegische Industrie. Hier sehen wir großes Potenzial für neue stromintensive Unternehmen wie Rechenzentren und Batteriefabriken, aber auch Wachstum in der Prozessindustrie”, sagt Kroepelien.

Nach Angaben des Forschungsinstituts SINTEF können durch Investitionen in die Batterieproduktion in Norwegen zehn Milliarden NOK an Wertschöpfung und rund 7.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Ein gutes Beispiel sei das Unternehmen Feyr, das in Mo i Rana eine riesige Fabrik plant, in der jährlich Lithiumbatterien für 600.000 Elektroautos produziert werden können.

60 Prozent des Energieverbrauchs in Haushalten aus erneuerbarer Energie

An der Spitze der Verwendung erneuerbarer Energien stehen in Norwegen die Haushalte mit 72 Prozent des Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Hierzu zählt auch die Nutzung erneuerbarer Energie für das Aufladen von Elektroautos. “60 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der Haushalte entfallen auf Strom. Damit sind wir die elektrisiertesten Menschen in Europa”, betont Kroepelien.

Der Bereich Erneuerbare Energien ist nach Angaben von Kroepelien die produktivste Industrie auf dem norwegischen Festland.

Derzeit sind 15.100 Beschäftigte direkt in der Branche tätig, weitere 5.000 sind an der Entwicklung von Kraftwerken im Bauwesen beteiligt.

Von den 15.100, die direkt im Bereich Erneuerbare Energien arbeiten, sind 5.200 direkt in der Wasserkrafterzeugung beschäftigt, während 200 in anderen Bereichen der Stromerzeugung tätig. 1.500 arbeiten im Bereich Energieübertragung, 6.200 im Vertrieb und 1.900 Mitarbeiter kaufen und verkaufen Strom.

Insgesamt tragen diese 20.000 Mitarbeiter zu einer geschätzten Wertschöpfung von 84 Milliarden NOK pro Jahr bei. Dies bedeutet, dass 5,2 Prozent des Einkommens auf dem norwegischen Festland aus dieser Branche stammen, obwohl sie nur 0,58 Prozent der norwegischen Beschäftigten ausmacht.

Lesen Sie hier das Erneuerungsbarometer 2020 (in norwegischer Sprache).

Sehen Sie hier die Präsentation des Erneuerungsbarometers 2020.

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