Erster Fischzug als Direktverbindung von Narvik nach Malmö gestartet

Hier verlässt der „Fischerzug“ am 8. Mai 2020 das Narvik-Terminal. Wenn der Testlauf nach Plan verläuft, wird der Betreiber CargoNet ab 2021 eine feste Frachtstrecke Narvik-Malmö beantragen.©Thor Brrekkan

Oslo, 15. Mai 2020. Am 8. Mai startete erstmals ein Fischzug von Narvik nach Malmö als Direktverbindung. Die Initiative für diese zusätzliche Transportmöglichkeit von Fisch und Meeresfrüchten stammt von Norwegens größtem Bahn-Transportunternehmen CargoNet und den Exporteuren von Meeresfrüchten wie Cermaq, Lerøy, Norlaks, Ocean Quality und Norwegian Royal Salmon. Damit geht ein lange geäußerter Wunsch der norwegischen Fischindustrie in Erfüllung, frischen Fisch schneller und auf direktem Weg von Nord nach Süd zu bringen.

Der meiste Fisch Norwegens wird nach Kontinentaleuropa exportiert und in Oslo auf Lkw umgeschlagen. Mit der Einsparung des Umweges über Oslo verkürzt sich die Transportzeit um neun Stunden. Ein zweiter Testzug wird am 22. Mai auf die Schiene geschickt. Im Herbst soll der reguläre Betrieb zu Beginn mit einer wöchentlichen Abfahrt und ab 2021 mit täglichen Abfahrten aufgenommen werden. Jeder Zug hat eine Kapazität von 600 Tonnen Meeresfrüchten. Ziel ist es, jährlich bis zu 150.000 Tonnen zwischen Narvik und Malmö zu transportieren.

Von Malmö an der Öresundbrücke nach Dänemark und weiter können die Auflieger mit Kühlaggregaten auf andere Güterzüge und Lkw umgeschlagen werden und erreichen so zügig die Fischmärkte. Zudem besteht vom nahen Ystad eine Fährverbindung für Schiene und Lkw ins polnische Świnoujście. 

Da für die direkte Strecke von Malmö nach Narvik zu wenig Retourfracht besteht, verkehrt der Zug nach der Entladung über Halden zunächst nach Oslo, um dort mit Gütern nach Narvik beladen zu werden. 

Bisher wurden Fisch und Meeresfrüchte per Bahn über Oslo transportiert. So bedient der „Arctic Rail Express“, zu Beginn „Flyvende Fisktog“ (Fliegender Fischzug) genannt, seit 1992 die Strecke von Narvik nach Oslo. Für die 2.000 Kilometer braucht der von norwegischen CargoNet betriebene Güterzug 27 Stunden. In der Gegenrichtung werden Gemüse und Früchte sowie Waren des täglichen Bedarfs nach Norden transportiert. Der lange schwedische Abschnitt wird als Korridorzug im Transit befahren. Später kam als zweiter Fischzug der „North Rail Express“ der Deutschen Bahn hinzu. Deren Betreiber ist die schwedische Green Cargo. Die Fischzüge besitzen unterwegs die Priorität von Reisezügen. 

Die norwegischen Exporte von Meeresfrüchten haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Im Jahr 2019 lag der Exportwert erstmals über 100 Milliarden NOK.

Jürg Streuli, Fachjournalist,
juerg.streuli@swissonline.ch  

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