Norwegisches Seefahrtsamt empfiehlt Verschiebung der Umweltauflagen für Kreuzfahrtschiffe mit Zugang zu Fjorden des Weltkulturerbes auf 2030

Die norwegische Seefahrtsdirektion geht davon aus, dass die Technologie zur Umrüstung von Kreuzfahrtschiffen auf emissionsfreies Fahren bis 2026 nicht zur Verfügung steht und schlägt deshalb vor, das Inkrafttreten der Umweltanforderungen an das Befahren von Fjorden des Weltkulturerbes von 2026 auf 2030 zu verschieben.©Norwegische Seedirektion

Oslo, 14 Mai 2020. Im April 2018 beschloss das norwegische Parlament Storting einstimmig, dass ab 2026 nur noch Kreuzfahrtschiffe die Fjorde des UNESCO-Kulturerbes befahren dürfen, die keine Emissionen ausstoßen. Jetzt empfahl die norwegische Seeverkehrsdirektion Sjøfartsdirektoratet dem Ministerium für Klima und Umwelt, den Termin auf 2030 zu verschieben, da die entsprechenden Technologien für die Umrüstung der Kreuzfahrtschiffe noch nicht zur Verfügung stünden. Dem widersprach der CEO des  Batterielieferanten Corvus Energy in Bergen, Geir Bjørkeli.

Grundlage der Empfehlung ist ein Bericht zur Zufahrt von Schiffen in die Fjorde des Weltkulturerbes, den das Klassifizierungs- und Zertifizierungsunternehmen DNV-GL  im Auftrag der Direktion erarbeitet hat. Der Bericht zeige, dass es derzeit Null-Entladungslösungen für kleinere Schiffe gibt, dass es jedoch keine praktischen Lösungen gibt, die dazu führen werden, dass die großen Kreuzfahrtschiffe bis 2026 die Null-Entladungs-Technologie einsetzen, teilt die Seeverkehrsdirektion mit.  

“Die bloße Einführung von Null-Emissionsanforderungen für kleinere Schiffe hätte zu unverhältnismäßig großen Unterschieden zwischen den Schiffstypen beigetragen”, sagt Bjørn E. Pedersen, stellvertretender Generaldirektor der Seeverkehrsdirektion. Es seien bereits strenge Anforderungen eingeführt worden, einschließlich des Schwefelgehalts im Kraftstoff, der NOx-Emissionen, der Abwasser- und Grauwasseremissionen in den Fjorden des Weltkulturerbes, und diese werden bis 2025 weiter verschärft.  

Die norwegische Seeverkehrsdirektion war vom Umweltministerium auch beauftragt worden, eine Ausweitung der bestehenden Emissionsanforderungen in den Weltkulturerbefjorden auf andere norwegische Gewässer zu erwägen. Eine Erweiterung soll verhindern, dass Kreuzfahrtschiffe von den Fjorden des Weltkulturerbes zu anderen Fjorden ausweichen, wodurch die gesamten Umweltemissionen unverändert bleiben. Die Direktion hält es daher für erforderlich, alle Maßnahmen im Kontext zu sehen.  

“Wir sind sehr daran interessiert, den Schiffsverkehr in unseren Fjorden zu begrünen, und unsere Vorschriften für Fjorde des Weltkulturerbes sind bereits die strengsten, die im internationalen Kontext eingeführt wurden. Damit die emissionsfreien Anforderungen ordnungsgemäß funktionieren, muss die Technologie verfügbar und anwendbar sein. Wir sind daher der Ansicht, dass der Zeithorizont spätestens bis 2030 verlängert werden sollte, damit die Branche die erforderliche Technologie einsetzen kann”, so Pedersen.  

Geir Bjørkeli, CEO von Corvus Energy, sieht das anders. Die Branche habe auf die Entscheidung reagiert und wichtige Investitionsentscheidungen getroffen, damit Kreuzfahrtschiffe die neuen Emissionsanforderungen erfüllen können, sagte er gegenüber NCE Maritime CleanTech.

Der Batterielieferant Corvus gehört zu den Unternehmen, die große Investitionen in Forschung und Entwicklung getätigt haben, um Lösungen anzubieten, mit denen Kreuzfahrtschiffe im Jahr 2026 die Umweltanforderungen erfüllen können.

“Ich habe über 100 Millionen NOK in die Entwicklung von Lösungen investiert, die es der Kreuzfahrtindustrie ermöglichen, frei in und aus den Fjorden des Weltkulturerbes zu fahren, und bin in endgültigen Verhandlungen mit mehreren großen Kreuzfahrtunternehmen. Dies ist ein direktes Ergebnis der Null-Emissionsentscheidung. Es ist sehr bedauerlich, dass die norwegische Seeverkehrsdirektion jetzt Unsicherheit schafft und daher alle diese Projekte zurückgestellt werden könnten”, sagt Bjørkeli. “Die Seefahrtsdirektion schaut in den Rückspiegel und stützt ihre Empfehlungen auf den heutigen Stand der Technik. Ich denke, sie haben nicht gut genug mit der Industrie darüber gesprochen, was kommen wird. Null-Emissionen werden 2026 vollständig möglich sein”, sagt Corvus.

Auch aus politischer Sicht gibt es starke Reaktionen. In Teknisk Ukeblad erklärt die Parlamentsvertreterin Liv Kari Eskeland, dass sie von der norwegischen Seedirektion enttäuscht sei. Jetzt fordert sie von der Regierung eine klare Antwort, dass die parlamentarische Entscheidung über die Emissionsfreiheit in den Fjorden des Weltkulturerbes ab  2026 nicht in Frage gestellt wird.   

Das Umweltministerium muss sich nun zu dem Vorschlag der Seefahrtsdirektion äußern.

Lesen Sie hier mehr zum Null-Emissionsausstoß von Schiffen in den Fjorden des Weltkulturerbes.

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