Norwegens Staatsfonds trennt sich von weiteren zwölf Unternehmen

Der norwegische Staatsfonds hat seine Anteile an fünf weiteren Kohleunternehmen verkauft, darunter an dem deutschen Energieunternehmen RWE AG. Im Bild: Das RWE-Steinkohlekraftwerk Westfalen im Stadtbezirk Hamm-Uentrop.©RWE

Oslo, 13. Mai 2020. Der norwegische Staatsfonds Government Pension Fund Global schließt zwölf weitere Unternehmen aus seinem Anlange-Portfolio aus und stellt drei unter Beobachtung. Bei fünf Unternehmen handelt es sich um Kohleproduzenten. Entsprechend einer Entscheidung des Vorstandes der Norges Bank zieht sich der Fonds aus den Unternehmen Sasol Ltd., RWE AG, Glencore PLC, AGL Energy Ltd. und Anglo American PLC zurück. Die Unternehmen  BHP Group Ltd / BHP Group Plc, Vistra Energy Corp., Enel SpA und Uniper SE werden anhand des produktbasierten Kohlekriteriums unter Beobachtung gestellt.

Die Ausschlüsse basieren auf den neuen absoluten Schwellenwerten für Kohleunternehmen, die im vergangenen Jahr in den Leitlinien eingeführt wurden. Mit diesen Leitlinien  wurden die Regeln für Investitionen des Ölfonds in Kohleunternehmen verschärft. Die Vorschriften erlauben es der Norges Bank, Bergbauunternehmen und Energieunternehmen auszuschließen, bei denen mehr als 30 Prozent des Geschäfts auf Kohle basieren. Unternehmen können auch ausgeschlossen werden, wenn sie mehr als 20 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern oder mehr als 10.000 Megawatt Strom aus Kohle produzieren. Wie Norges Bank mitteilte, wurden diese Schwellenwerte im Kohlekriterium entsprechend der Richtlinie für die Beobachtung und den Ausschluss aus der staatlichen Pensionskasse Global erstmals für den Ausschluss der zwölf Unternehmen angewendet.

RWE-Finanzvorstand Markus Krebber  zeigte sich über die Entscheidung des Staatsfonds enttäuscht. Bei der Vorlage des Zwischenberichts für das erste Quartal sagte er: „Man sollte ein Unternehmen nicht danach bewerten, wo es herkommt, sondern wo es hin will.“ RWE sei in der Transformation, betonte Krebber. Man habe dem Staatsfonds dies in mehreren Gesprächen dargestellt und könne deshalb die Entscheidung nicht nachvollziehen. Der Fonds hatte seinen Anteil an RWE seit 2012 kontinuierlich reduziert und hielt Ende vergangenen Jahres noch 0,6 Prozent, was einem Wert von 114 Millionen US-Dollar entsprach. An der Uniper AG, die wegen ihrer Kohle-Aktivitäten ebenfalls aus dem Portfolio gestrichen wurde, hielt der norwegische Staatsfonds Ende 2019 noch 1,05 Prozent der Anteile – ein Wert von 126,8 Millionen US-Dollar.

Im vergangenen Jahr hatte der Fonds seine Anteile an 16 Unternehmen verkauft, bei denen Kohle ein wichtiger Bestandteil der Stromerzeugung ist. Gleichzeitig veräußerte der Fonds Anteile an zwölf Unternehmen, bei denen die Kohleförderung einen “relevanten Teil der Geschäftstätigkeit des Unternehmens” darstellt.

Der Verwaltungsrat der Norges Bank hat außerdem beschlossen, die Unternehmen Canadian Natural Resources Limited, Cenovus Energy Inc., Suncor Energy Inc. und Imperial Oil Limited wegen zu hoher Treibhausgasemissionen aus der Gewinnung von Öl zu Ölsand auszuschließen. Auch dieses Kriterium wurde erstmals als Grundlage der Aktienverkäufe angewendet.

Die Unternehmen ElSewedy Electric Co und Vale SA wurden nach einer Bewertung des Risikos eines Beitrags zu schwerwiegenden Umweltschäden ausgeschlossen. Von Centrais Eletricas Brasileiras SA (Eletrobras) in Brasilien trennt sich der Ölfonds wegen grober oder systematischer Menschenrechtsverletzungen.

Dagegen werden die Unternehmen  AECOM und Texwinca Holdings Ltd. wieder in das Portfolio des GPFG aufgenommen. AECOM Ltd wurde 2018 aufgrund der Produktion von Atomwaffen ausgeschlossen. Diese Tätigkeit wurde nun eingestellt. Aus Texwinca Holdings Ltd  zog sich der Fonds  2019 wegen systematischer Verletzungen der Arbeitnehmerrechte in Fabriken einer Tochtergesellschaft zurück. Inzwischen sind die Tochtergesellschaft liquidiert.

Die Entscheidung über Ausschluss und Beobachtung wurde vom Vorstand auf der Grundlage von Empfehlungen des Norges Bank Investment Management getroffen, die den Empfehlungen des Ethikrates folgte. Die Verkäufe der Aktien habe bei einigen Unternehmen aufgrund der aktuellen Marktsituation länger gedauert als ursprünglich geplant. 

Finden Sie hier die Liste aller Unternehmen, aus denen sich der Government Pension Fund Global aufgrund der Empfehlungen des Ethikrates in den vergangenen Jahren als Investor zurückgezogen hat. 

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