Norwegen reduziert Ölproduktion – Gasproduktion nicht betroffen

Erdölförderer auf dem norwegischen Festlandsockel müssen ab Juni ihre Ölproduktion reduzieren. Die Kürzungen sollen fair auf die Unternehmen verteilt werden.©NPD

Oslo, 30. April 2020. Norwegen wird seine Ölproduktion im Juni um 250.000 Barrel pro Tag und in der zweiten Jahreshälfte um 134.000 Barrel pro Tag senken. Das legte die norwegische Regierung als Folge der weltweiten Überproduktion von Erdöl fest. Darüber hinaus wird sich der Produktionsstart in mehreren Feldern bis 2021 verzögern. Die gesamte norwegische Produktion wird im Dezember 2020 um 300.000 Barrel pro Tag niedriger sein als von den Unternehmen geplant, teilt die Regierung mit. 

“Wir sind derzeit mit einer beispiellosen Situation auf dem Ölmarkt konfrontiert. Wir haben bereits erklärt, dass wir eine Kürzung der norwegischen Produktion in Betracht ziehen werden, wenn mehrere große Produktionsländer erhebliche Kürzungen vornehmen. Die Entscheidung der norwegischen Regierung, die norwegische Ölproduktion zu reduzieren, wurde auf unabhängiger Basis und im Interesse Norwegens getroffen”, erklärte Tina Bru, Ministerin für Ptroleum und Energie.

Die Kürzung basiert auf einer Referenzproduktion von 1.859.000 Barrel Öl pro Tag. Eine Kürzung von 250.000 Barrel pro Tag im Juni 2020 stellt somit eine Obergrenze für die Ölförderung aus dem norwegischen Schelf von 1.609.000 Barrel pro Tag im Juni dar. Eine Kürzung von 134.000 Barrel pro Tag in der zweiten Hälfte führt zu einer Obergrenze für die durchschnittliche Ölproduktion aus dem norwegischen Festlandsockel von 1.725.000 Barrel pro Tag.

Die zu reduzierende Menge soll auf einzelne Felder verteilt und durch Erteilung überarbeiteter Produktionsgenehmigungen umgesetzt werden. Die Ölgesellschaften sollen konsultiert werden, bevor überarbeitete Produktionsgenehmigungen erteilt werden.

“Die Kürzung umfasst Ölfelder auf dem norwegischen Festlandsockel und wird fair auf Felder und damit auf Unternehmen verteilt. Dies führt zu einer Produktionsbeschränkung für die Ölunternehmen, die an den Ölfeldern interessiert sind. Gasfelder sind ausgenommen, so dass die Kürzung keine Auswirkungen auf die norwegische Gasproduktion oder die norwegischen Gasexporte hat”, sagt Bru.

Bis zum Ende des zweiten Halbjahres 2020 wird mit der Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit ein allmählicher Anstieg der weltweiten Ölnachfrage erwartet. Niedrige Ölpreise werden sich jedoch in Zukunft auf die weltweite Ölproduktion auswirken.

Nach jüngste Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) von Mitte April geht die Ölnachfrage im zweiten Quartal 2020 um rund 23 Prozent (23 Millionen Barrel / Tag) zurück. Infolge der Marktsituation sind die Ölpreise seit Anfang 2020 um rund 70 Prozent gefallen.

Die instabile Situation auf dem Ölmarkt mit niedrigen und fallenden Ölpreisen habe zu einem Rückgang der Einnahmen der Zentralregierung geführt, erklärte die Regierung. Die Situation bedeute auch, dass die Ölunternehmen ihre geplanten Investitionstätigkeiten in Exploration, Entwicklung und Betrieb reduzieren müssen. Dies werde Konsequenzen für die Zulieferindustrie und die Aktivitäten in der norwegischen Wirtschaft sowie für die Möglichkeiten haben, die Kompetenz in der Branche zu erhalten und weiterzuentwickeln. Das Bemühen um eine schnellere Normalisierung des Ölmarktes und der Wahrung der staatlichen Einnahmen sei eindeutig als “wichtiges soziales Anliegen” zu betrachten, das eine Regulierung der Produktion rechtfertigen kann, teilt das Energieministerium mit.

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