Künftiger und jetziger Chef des norwegischen Staatsfonds wegen undurchsichtiger Einladungspraxis in der Kritik

Oslo, 21. April 2020. Am 26. März dieses Jahres wurde Nicolai Tangen zum neuen CEO von Norges Bank Investment Management, dem Verwalter des norwegischen Staatsfonds Government Pension Fund Global, ernannt. Im September sollte er seinen neuen Job antreten. Heute, keine vier Wochen später, droht ein Spesenskandal die Nachfolgeregelung zu gefährden. Und mehr noch: Der Hedgefonds-Manager Tangen bringt auch den jetzigen Chef des größten Staatsfonds der Welt, Yngve Slyngstad, sowie den Staatsanwalt Fredrik Sejersted und Torbjørn Røe Isaksen, Sozial- und Arbeitsminister, in Bedrängnis. 

Im vergangenen November hatte Tangen in seiner Funktion als CEO des Hedgefonds Ako Capital zu einem Fachseminar “Back To University” an der Wharton School of Business im US-Bundesstaat Pennsylvania eingeladen. Dieser Einladung waren unter anderem Slyngstad als Redner, Staatsanwalt Fredrik Sejersted und Torbjørn Røe Isaksen, im November 2019 Wirtschaftsminister, heute  Arbeits- und Sozialminister Norwegens, gefolgt. Wie die norwegische Zeitung VG veröffentlichte, bezog sich die Einladung auch auf ein privates Konzert mit den Weltstars Sting und Gregory Porter sowie auf den Rückflug von New York nach Oslo mit einem von Tangen gecharteten Flugzeug. Ein Ausschnitt vom Sting-Konzert ist bei VG gelandet. Nun gehen die norwegischen Medien der Frage nach, ob enge Beziehungen zwischen Tangen und Slyngstad den Multimillionär auf den Chefsessel des weltweit größten Staatsfonds verholfen haben. 

Am 20. April hat Norges Bank eine ausführliche Stellungnahme über den Rekrutierungsprozess von Nicloai Tangen und über die Beziehung zu Yngve Slyngstad veröffentlicht. Außerdem informiert sie ausführlich über die Bedingungen der Teilnahme an dem Seminar. Yngve Slyngstad habe am 14. November 2019 an einem internen akademischen Seminar bei der Norges Bank Investment Management in New York teilgenommen. Anschließend sei er mit dem Zug nach Pennsylvania gefahren, um an “Back to University” teilzunehmen. Die Norges Bank habe die Kosten für den Flug von Yngve Slyngstad nach New York sowie das Bahnticket nach Pennsylvania übernommen.

Aufenthalte im Konferenzhotel und Abendessen seien vom Veranstalter bezahlt worden. Yngve Slyngstad habe sich entschieden, mit anderen Konferenzteilnehmern mit dem Charterflug von Pennsylvania nach Oslo zu reisen. Es sei das erste Mal gewesen, dass Yngve Slyngstad nicht mit einem von der Norges Bank abgedeckten Linienflugzeug gereist ist. Slyngstad selbst bezeichnete diese Entscheidung als “unglücklich”. Später habe Norges Bank beschlossen, Yngve Slyngstads Aufenthalt, Essen und Flug beim Seminar «Zurück zur Universität» zu bezahlen.

Norges Bank veröffentlichte außerdem den gesamten E–Mail-Verkehr zwischen Tangen und dem Chef des Staatsfonds in den vergangenen drei Jahren. Darin ging es unter anderem um ein Kunstprojekt in Kristiansand, das Kunstsilo,  in dem Teile der Kunstsammlung von Nicolai Tangen untergebracht werden sollen, sowie um Einladungen zu Konferenzen. Die Tangen-Sammlung aus dem 20. Jahrhundert ist die größte und umfassendste Privatsammlung nordischer moderner Kunst. Sie umfasst über 3.000 Werke der Keramik, Fotografie, Gemälde, Installationen und konzeptuelle Arbeiten.

Der Aufsichtsrat der Norwegischen Zentralbank Norges Bank hat nach einer außerordentlichen Sitzung zu dem umstrittenen Seminar am 22. April einen Fragenkatalog an Norges Bank Investment Management geschickt, um die Angelegenheit beurteilen zu können.

Finden Sie hier den Fragekatalog.

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