Norwegens Regierung: Keine Entscheidung über Lizenzantrag für Stromkabel NorthConnect nach Schottland

Während der Bau des Stromkabels zwischen Norwegen und Schottland erst einmal auf Eis gelegt wurde, geht es mit der Stromtrasse NordLink nach Deutschland zügig voran. Im Bild: Detailansicht des NordLink-Gleichstromkabels.©NordLink

Oslo, 25. März 2020. Norwegens Regierung will nicht über den Lizenzantrag für den Bau des Stromkabels NorthConnect zwischen Norwegen und Schottland entscheiden. Das Ministerium für Erdöl und Energie hat dem Unternehmen jetzt mitgeteilt, dass keine ausreichende Grundlage für eine Entscheidung gegeben sei. Zunächst müssten Erfahrungen mit den Auswirkungen der beiden im Bau befindlichen Stromkabel nach Deutschland und nach England auf das norwegische Stromnetz gesammelt werden.

NorthConnect ist ein geplantes Stromkabel zwischen Norwegen und Schottland, das Strom aus Wasserkraft nach Schottland und Strom aus Windkraft nach Norwegen liefern soll. Seitens verschiedener Institutionen wurden Bedenken geäußert, dass das Kabel die Strompreise in Norwegen in die Höhe treiben könnte.

Als Begründung für die Entscheidung, dass gegenwärtig nicht über den Lizenzantrag entschieden wird, sagte Norwegens Öl- und Energieministerin Tina Bru: “Die norwegischen und nordischen Stromversorgungssysteme unterliegen derzeit großen Veränderungen, und die Veränderungen vollziehen sich rasch. In Zukunft werden die beiden neuen Kabel nach Deutschland und Großbritannien in Betrieb genommen. Das Ministerium für Erdöl und Energie ist zu dem Schluss gekommen, dass es nicht genügend Gründe gibt, über die Lizenzanträge von NorthConnect gemäß dem Energiegesetz zu entscheiden. Zunächst müssen wir Erfahrungen mit den Auswirkungen der beiden im Bau befindlichen Kabel auf das Stromnetz sammeln.”

Zusätzlich zu den beiden bereits im Bau befindlichen Stromkabeln werde derzeit in Norwegen, der nordischen Region und Europa viel unregulierte Windkraft entwickelt, während die regulierte fossile Stromerzeugung abgeschaltet wird. Gleichzeitig werde der Energieverbrauch elektrifiziert. Mit den Änderungen im Stromnetz werde der Systembetrieb in der kommenden Zeit auch schwieriger, erklärte Bru weiter. Der Stromaustausch mit den Ländern um Norwegen herum sei sowohl gut als auch notwendig. Er trage zur Wertschöpfung und zu Arbeitsplätzen in Norwegen bei. In dieser Hinsicht sei NorthConnect ein interessantes Projekt. “Aber mit den Veränderungen, die wir heute im Stromnetz sehen und die in den kommenden Jahren kommen werden, wissen wir jetzt nicht genug darüber, ob die Vorteile des Projekts die Nachteile für die betroffenen öffentlichen und privaten Interessen überwiegen. Mit anderen Worten, dies ist weder ein Ja noch ein Nein zum Lizenzantrag, da wir nicht genügend Informationen haben, um eine solche Entscheidung jetzt zu treffen.”

Die Eigentümer von NorthConnect, die öffentlichen Energieversorgungsunternehmen. Lyse, Hafslund E-Co, Agder Energi und Swedish Vattenfall, wollen nun prüfen, was die Botschaft des Ministeriums für das Projekt beinhaltet.

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