Teurere Tickets nach Bahn-Privatisierung in Norwegen

Die britische Gesellschaft Go-Ahead steht als erster privater Bahnbetreiber in Norwegen unter aufmerksamer Beobachtung: Die ersten Ticketpreise wurden gleich nach dem Start der Gesellschaft im Dezember 2019 erhöht. Darüber vermögen die neuen Uniformen des Personals von Go-Ahead die Passagiere wohl kaum hinwegzutrösten.©Go-Ahead

Oslo, 8. Januar 2020. In Norwegen befährt die englische Bahngesellschaft Go-Ahead seit 15. Dezember 2019 die Sørlandsbahn Oslo – Stavanger und die Arendalsbahn Nelaug – Arendal sowie mit der Jærbahn den Vorortsverkehr von Stavanger. Es verkehren die gleichen Züge wie bisher mit dem gleichen Personal, allerdings in neuen Uniformen. Die Züge wurden als “Sørtoget” beklebt. Erst zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Fahrzeuge ein neues Erscheinungsbild erhalten. Jetzt überrascht der neue Betreiber die Fahrgäste mit Preiserhöhungen für Fahrten, an denen mehrere Bahnen beteiligt sind. Dann gelangen auch mehrere Tarife zur Anwendung, wodurch das Ticket verteuert wird.

Hatte das günstigste und nicht annullierbare Ticket (Minipris) von Geilo an der Bergenbahn nach Kristiansand an der Sørlandsbahn bei Vy (ehemals NSB) 339 Kronen gekostet, beträgt der Preis jetzt 578 Kronen. Der volle Tarif von 1.010 Kronen bleibt unverändert. 

Die Verteuerung der Billette wird sich noch verschärfen, wenn ab 20. Juni 2020 die schwedische SJ das größte Verkehrspaket in Norwegen übernimmt. Dann können etwa bei einer Fahrt von Skien über Nordagutu und Oslo nach Lillehammer sogar drei Gesellschaften (Vy, Go-Ahead, SJ) beteiligt sein. Wohl kann eine direkte Fahrkarte gekauft werden, doch setzt sich der Preis aus den Tarifen dreier Bahnen zusammen. Die grüne Partei Norwegens befürchtet als Folge des Preisanstieges einen Rückgang der Fahrgastzahlen. Doch ermöglicht die zweimalige Amtszeit der Mitte-Rechts-Regierung das umstrittene Reformprogramm durchzuziehen. Hinzu kommt die lange Vertragsdauer mit den Bahnunternehmen.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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