Zehn Innovationen zur Zukunftswerkstatt ERDGAS präsentiert – Equinor als einziger ausländischer Teilnehmer

Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS, und Thilo Wieland, Vorstandsmitglied bei Wintershall Dea, begrüßten die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt ERDGAS im Schwimmbad des Hotels Oderberger im Prenzlauer Berg in Berlin. Um den Neorennaissance-Pool für Veranstaltungen zu nutzen, wird der Boden des Beckens nach oben gefahren.©BPN

Berlin, 11. Dezember 2019. Die Erdgasbranche wehrt sich und geht in die Offensive. Zum zweiten Mal versammelten sich am 11. Dezember in Berlin Vertreter der Branche zu “Zukunftswerkstatt Erdgas”, um zu demonstrieren, dass Erdgas bei der “Energiewende” in Deutschland, der “Grünen Transformation” in Norwegen oder beim “Green Deal” der Europäischen Union eine wichtige Rolle spielen kann. Unternehmen und Kommunen stellten Projekte vor, die unter Einbeziehung von Erdgas wesentliche Einsparungen von CO2 erzielen können oder an denen Unternehmen der Erdgasbranche beteiligt sind.

Erdgas steht als fossiler Brennstoff in der öffentlichen Kritik. Nicht nur forderte Greta Thunberg jüngst Norwegen auf, seine Öl- und Gasförderung zu beenden. In der Diskussion um die Produktion von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft wird Erdgas als Basis der Herstellung von Wasserstoff gegenüber den Erneuerbaren als die schlechtere Alternative gesehen. Die Branche fordert eine technologieoffene Diskussion und faire Wettbewerbsbedingungen auf dem Weg zur Elektrifizierung der Gesellschaft. 

Insgesamt seien die politischen Rahmenbedingungen nicht so, dass große Investitionen getätigt würden, erklärte Tobias Gehlhaar, Geschäftsführer des Bereichs Energiewirtschaft der Accenture Deutschland, im Impulsgespräch zum Thema “Klimaschutz: Gewissensfrage oder Investment Case?” Es gebe viele kleine Lösungen, aber man brauche die großen Investitionen. Nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, dann ändere sich auch die Gesellschaft. 

Mit der “Zukunftswerkstatt Erdgas” wollen die Veranstalter, die Brancheninitiative Zukunft ERDGAS und das Unternehmen Wintershall Dea, Vertretern von Kommunen und Unternehmen Lösungen vorstellen, die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können. „Es ist beeindruckend zu sehen, in wie vielen Bereichen die Branche forscht und investiert, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Ob auf der Straße, im Heizkeller oder bei der Stromproduktion, gasförmige Energieträger sind der Schlüssel für schnellen Klimaschutz in allen Sektoren”, erklärt Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS.

„Unser Marktplatz der Innovationen zeigt deutlich: Erdgas kann Zukunft“, erklärt Thilo Wieland, Vorstandsmitglied bei Wintershall Dea. „Erdgas leistet bereits heute einen aktiven Beitrag für den Klimaschutz. Und der klimaschonendste konventionelle Energieträger kann noch viel mehr.” Zum einen könne Erdgas dekarbonisiert werden. Zum anderen werde aber auch die Produktion immer sauberer und effizienter.” Man habe keine Angst vor dem Wettbewerb auf den Weg zur Elektrifizierung, aber dieser Wettbewerb müsse fair sein, so Wieland. Für Gas müssten die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten wie für die Erneuerbaren Energien.

Bjarne Lauritz Bull-Berg, Leiter der Equinor-Repräsentanz in Deutschland (l.), und Alexander Behnke von Open Grid Europe stellten das Projekt „H2morrow“ vor.

Als einziges ausländisches Unternehmen beteiligte sich der norwegische Energiekonzern Equinor gemeinsam mit dem Betreiber des größten Fernleitungsnetzes in Deutschland, Open Grid Europe GmbH (OGE), an der “Zukunftswerkstatt Erdgas”. Mit dem Projekt “H2morrow” wollen Norwegen und Deutschland eine vollständige Wertschöpfungskette für Wasserstoff aufbauen und die Industrie und andere Kunden mit CO2-freiem Wasserstoff beliefern, der in einem 1-Gigawatt-Reformer aus Gas hergestellt wird. Das abgespaltene Kohlendioxid soll nach Norwegen transportiert und in unterirdische Lager unter dem Norwegischen Schelf verpresst werden. Bis 2030 soll die gesamte Lieferkette in Nordrhein-Westfalen einsatzbereit sein. Das gemeinsame Projekt könne wesentlich zur erfolgreichen Dekarbonisierung der deutschen Industrie beitragen, erklärte Bjarne Lauritz Bull-Berg, Leiter der Equinor-Repräsentanz in Deutschland. 

Im vergangenen Jahr stellte Equinor eines der weltweit größten Projekt zur Dekarbonisierung des Wärmesektors vor:  “H21 North of England”. Die Projektpartner planen, das Erdgasnetz von zehn englischen Städten bis 2035 vollständig auf Wasserstoff umzustellen. Damit könnten 12,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

Mit einem sogenannten Speed-Dating hatten die Teilnehmer des Kongresses Gelegenheit, alle zehn Projekte kennenzulernen. Vertreter der Unternehmen erläuterten die Vorhaben und beantworteten Fragen. Insgesamt gab die Zukunftswerkstatt ERDGAS auch in diesem Jahr wieder einen guten Einblick in den Stand der Forschung und Entwicklung für klimafreundliche Lösungen unter Beteiligung der Erdgasbranche. 

Finden Sie hier die auf der Zukunftswerkstatt ERDGAS präsentierten Projekte:

Die auf der Zukunftswerkstatt präsentierten Projekte: 

Uniper, VNG Gasspeicher GmbH (VGS): Energiepark Bad Lauchstädt

Uniper sowie die Konsortialpartner VNG Gasspeicher GmbH (VGS) und ONTRAS wollen in ihrem Projekt erneuerbaren Strom aus einem nahgelegenen Windpark bei Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umwandeln. In einer dafür ausgestatteten Salzkaverne wird der grüne Wasserstoff untertage zwischengespeichert.

Equinor, Open Grid Europe (OGE): H2morrow

Mit dem Projekt „H2morrow“ wollen Equinor und Open Grid Europe eine geschlossene Wertschöpfungskette in Nordrhein-Westfalen aufsetzen, welche die Nutzung von Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas ermöglichen soll. Im Vergleich zur Herstellung aus erneuerbaren Energien ist der Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas deutlich kostengünstiger und seine Herstellung effizienter.

SOLIDpower: BlueGEN

Das Unternehmen SOLIDpower bietet mit BlueGEN ein stromoptimiertes Mikro-KWK-System an (Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis einer Brennstoffzelle), das sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Das Gerät verfügt über einen sehr hohen elektrischen Wirkungsgrad und erreicht einen Gesamtwirkungsgrad von knapp 90 Prozent. Das vollintegrierte Brennstoffzellenmodul bildet das Herzstück des Blue-GEN.

Wintershall Dea: Digital Twin

Das Projekt „Digital Twin“ ist eine wichtige Neuerung aus dem Bereich Digitalisierung und Technologie. Hierbei werden enorme geologische und technische Datenmengen aus der Produktion von Kohlenwasserstoffen miteinander verknüpft und analysiert. So entsteht ein digitales Abbild einer realen Produktionsstätte – ein digitaler Zwilling.

Open Grid Europe (OGE), Amprion: hybridge

Der Gasinfrastrukturbetreiber Open Grid Europe und der Stromnetzbetreiber Amprion planen in ihrem gemeinsamen Projekt „hybridge“ die erste großtechnische Anlage Deutschlands, die Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff umwandeln soll. Der Elektrolyseur soll im Raum Lingen errichtet werden und 2023 in Betrieb gehen. Parallel soll eine Wasserstoffinfrastruktur aufgebaut werden.

Stadtwerk Haßfurt GmbH: H2-Blockheizkraftwerk

In Haßfurt haben die städtischen Betriebe die bestehende Power-to-Gas-Anlage um ein hochinnovatives Wasserstoff-Blockheizkraftwerk (H2-BHKW) erweitert. Das BHKW wird über eine eigene Leitung aus der Power-to-Gas-Anlage mit Wasserstoff versorgt und produziert daraus Strom und Wärme. Gegenüber dem bisher umgesetzten Stand der Technik erlaubt dies eine echte Rückverstromung des regenerativ gewonnenen Wasserstoffs ohne fossile Brennstoffanteile.

ZEAG Energie AG, DLR: H2ORIZON

Die ZEAG Energie AG und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickeln im Rahmen der Forschungsplattform „H2ORIZON“ ein Energiesystem, welches das Ziel verfolgt, die Stromproduktion aus dem angrenzenden Windpark für die Wasserstoffproduktion zu nutzen. Der dadurch erzeugte Wasserstoff soll später in verschiedenen Sektoren, wie Mobilität oder Wärme, zur Verfügung gestellt werden.

Iveco: LNG-Lkw „Stralis“

Der Fahrzeughersteller Iveco schickt Lkws mit Flüssigerdgasantrieb (LNG) in den Einsatz, da elektrische Mobilität aufgrund enormer Fahrleistungen in der Fernlogistik an ihre Grenzen stößt. Hier bietet sich umwelt- und klimaschonendes Flüssigerdgas, der aufgrund seiner hohen Energiedichte hohe Reichweiten erzielt, als alternativer Kraftstoff an.

Gelsenwasser AG: Power-to-Metal

Der Wasser- und Energieversorger Gelsenwasser verfolgt mit dem Projekt „Power2metal“ das Ziel, die Chancen für komplementäre Energiesysteme auf Wasserstoffbasis für die energieintensive Metallveredlung auszuloten und in Gelsenkirchen zu erschließen, da es weitaus effizienter ist, den Wasserstoff als direkten Ersatz für Erdgas in bestehenden Wärmeprozessen einzusetzen.

YourCar: Carsharing mit Erdgasautos

Das Carsharing Start-Up „YourCar” ist der neue Mobilitätspartner der Stadtwerke Rostock AG. Das junge Unternehmen ist das erste in Deutschland, das seinen Nutzern klimaneutrales Carsharing mit Erdgasautos zur Verfügung stellt. Nach dem erfolgreichen Start in Göttingen im Jahr 2015 sind die Fahrzeuge seit 2017 auch in Rostock verfügbar. Der Roll-out in weiteren Städten ist bereits geplant.

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