Pisa-Studie Norwegen: Mädchen in allen Fächern besser als Jungen

©OECD

Oslo, 3. Dezember 2019. Norwegische Schüler verzeichnen stabile Lernergebnisse, im Bereich Lesen und Wissenschaft schneiden sie nach der jüngsten Pisa-Studie aber schlechter ab als 2015. In Lesen und Mathematik liegen sie über dem OECD-Durchschnitt, bei den Naturwissenschaften entsprechen sie dem OECD-Durchschnitt. In der Mathematik gibt es keine Veränderung gegenüber 2015, allerdings schnitten sie besser ab als im Jahr 2012, in dem zuletzt die Mathematik den Schwerpunkt bildete.

Das International Student Assessment Program (PISA) ist eine internationale Studie zu den Leistungen von 15-Jährigen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. PISA wird alle drei Jahre durchgeführt. Der Test aus dem Jahr 2018, dessen Auswertung jetzt vorliegt, hatte den Schwerpunkt auf das Lesen gelegt.

„Ich würde gerne sehen, dass die PISA-Ergebnisse positiver sind, und ich bin besonders besorgt über die Schüler, die auf den niedrigsten Niveaus abschneiden. Die Regierung hat verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um frühzeitig Anstrengungen zu unternehmen und alle Schüler zu fördern“, sagt der Minister für Wissen und Integration, Jan Tore Sanner (H).

Mehr Schüler als 2015 landeten in dem jüngsten PISA-Test im Bereich Lesen und Naturwissenschaften seit 2015 unter dem Durchschnitt. Insgesamt befindet sich etwa jeder fünfte norwegische Student laut der PISA-Studie 2018 in der Kategorie „niedrigstes Niveau“.

Deutlich zeigt sich in der PISA-Umfrage, dass der Unterschied zwischen den Ergebnissen der Jungen und der Mädchen zunimmt. Norwegische Mädchen übertrafen zum ersten Mal die Jungen in allen drei Bereichen.

„Wir erkennen die geschlechtsspezifischen Unterschiede zu früheren Ausgaben von PISA und anderen Studien an. Was wir sehen, könnte darauf hindeuten, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Lesen während des gesamten Bildungszyklus zunehmen. Es ist ernst. Wir müssen sicherstellen, dass die Lesefähigkeiten aller Schüler in der gesamten Schule ausreichend berücksichtigt werden. Dies erleichtert das neue Curriculum“, sagt Bildungsdirektor Hege Nilssen.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind beim Lesen am größten und in den Naturwissenschaften und in der Mathematik am geringsten. 26 Prozent der Jungen und zwölf Prozent der Mädchen landen beim Lesen in der unteren Kategorie. Im Vergleich dazu befanden sich 2015 21 Prozent der Jungen und neun Prozent der Mädchen auf diesen Niveaus. Schüler, die beim Lesen das niedrigste Niveau erreichen, können einfache Texte lesen und verstehen. Sie haben jedoch Probleme mit Texten, deren Inhalt noch nicht bekannt ist, oder mit Texten, die länger und komplexer sind.

„Es ist ernst, dass jeder vierte Junge so schwer mit dem Lesen zu kämpfen hat, dass er unter dem liegt, was die OECD als kritische Grenze für die Teilnahme an Weiterbildung und Arbeit nennt“, sagt Sanner.

In PISA 2018 beantworteten die Schüler auch Fragen zu Lesegewohnheiten. Mehr als die Hälfte der Schüler (51 Prozent) gibt an, in ihrer Freizeit nicht zu lesen. Zum Vergleich: 40 Prozent antworteten 2009 darauf. Gleichzeitig nimmt die Zeit zu, die Schüler am Bildschirm lesen. Die Veränderungen in den Lesegewohnheiten der norwegischen Schüler entsprechen den Entwicklungen in anderen Ländern, aber mehr norwegische Schüler als der OECD-Durchschnitt antworten, dass sie nur lesen, wenn sie es brauchen.

„Wir müssen mehr darüber erfahren, wie sich die zunehmende Digitalisierung auf die Lesefähigkeit und Ausdauer der Schüler auswirkt“, sagt Sanner. Hierzu wurden bereits einige Forschungsprojekte initiiert. Das Lesezentrum der Universität Stavanger führt beispielsweise eine Studie durch, in der das Leseverständnis von Schülern der 5. Klasse auf Bildschirm und Papier untersucht wird. „Ich möchte jetzt die Initiative ergreifen, um mehr Forschung zu Technologie und Leseerziehung zu betreiben, und dass das Bildungsministerium mehr Wissen sammelt, um zu sehen, wie sich die Digitalisierung auf Alphabetisierung, Lesen und Leseverständnis auswirkt.

Die Regierung hat bereits eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die dazu beitragen sollen, die Fähigkeiten und Kenntnisse der Schüler zu verbessern. Ab 2020 werden in Norwegen neue Lehrpläne eingeführt, die den Schülern mehr Zeit geben sollen, die wichtigsten Dinge in den Fächern zu lernen.

In den neuen Lehrplänen wird deutlich hervorgehoben, dass die Schüler gute Lesefähigkeiten sowohl auf Papier als auch auf dem Bildschirm entwickeln sollen. Die Schüler sollen beim Lesen Ausdauer üben und lernen, verschiedene Lesestrategien im Web und auf Papier anzuwenden.

Die Regierung hat kürzlich einen parlamentarischen Bericht über frühzeitiges Handeln vorgelegt – mit über 60 Maßnahmen. Unter anderem soll die sonderpädagogische Kompetenz näher an die Kinder herangeführt werden, damit mehr Menschen eingeholt und betreut werden. Darüber hinaus mussten die Schulen bereits sicherstellen, dass Schüler der Klassen 1 bis 4, die mit Lesen, Schreiben oder Rechnen zu kämpfen haben, eine intensive Unterstützung erhalten.

Finden Sie hier die Ergebnisse der PISA-Studie zu Norwegen.
Finden Sie hier die PISA-Studie der OECD.

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