Norwegischer Unternehmerverband NHO will Kreuzfahrttourismus begrenzen

Schwedische Touristen, die mit dem Auto nach Norwegen anreisen, verursachen den geringsten CO2-Ausstoß pro Aufenthalt. Australische Kreuzfahrttouristen dagegen sind die größten Umweltsünder.©NHO Reiseliv

Oslo, 11. September 2019. NHO Reiseliv, die Tourismusabteilung des norwegischen Unternehmerverbandes NHO (Næringslivets Hovedorganisasjon), will die Reiseströme nach Norwegen künftig unter dem Gesichtspunkt des Ausstoßes der Treibhausgase besser lenken. Hintergrund ist eine Analyse zu Treibhausgasemissionen verschiedener ausländischer Tourismusgruppen, die die Stakeholder Agency im Auftrag von NHO Reiseliv erstellt hat. Hier schnitten Kreuzfahrtschiffe aus den USA und aus Australien besonders schlecht ab. 

“Wir müssen etwas gegen die inakzeptablen Emissionen von Kreuzfahrten unternehmen. Wenn Norwegen als nachhaltiges Reiseziel wachsen soll, müssen wir wissen, welche Touristengruppen wir in Zukunft anstreben sollten. Ziel muss sein, mehr Touristen mit geringer Auswirkung anzuziehen, die lange Zeit hier bleiben und zur lokalen Wertschöpfung und Beschäftigung beitragen”, sagt Kristin Krohn Devold, CEO von NHO Reiseliv.

Kreuzfahrttouristen lassen nach dem aktuellen Bericht das geringste Geld an Land und verursachen von allen Tourismusgruppen, die nach Norwegen kommen, das meiste CO2. Sie geben durchschnittlich 650 NOK pro Tag aus und sind 4,1 Tage im Land. Auf jeder Kreuzfahrt-Passagier entfallen damit 659 Kilogramm CO2. Für jeden in Norwegen ausgegebenen Cent verursachen Kreuzfahrttouristen 247 Gramm CO2.

“Dies sind dramatische Zahlen, die zeigen, dass wir den Kreuzfahrtverkehr begrenzen müssen. In Norwegen wird es weiterhin Kreuzfahrttourismus geben, aber das Wachstum muss unter klimatischen Gesichtspunkten erfolgen. Emissionen auf See sind im EU-Emissionshandel nicht geregelt. Der Luftverkehr hat seine Emissionen pro Passagierkilometer seit 2001 halbiert. Der CO2-Ausstoß von Kreuzfahrtschiffen ist dagegen von 2012 bis 2018 um 46 Prozent gestiegen. Die Regierung muss strenge nationale Emissionsanforderungen für Kreuzfahrtschiffe festlegen, und die Kommunen müssen die Anzahl der Kreuzfahrtankünfte so regeln, dass das Wachstum die Toleranzgrenze der Bevölkerung nicht überschreitet”, sagt Krohn Devold.

Schweden und Dänen verursachen während ihrer Ferien in Norwegen am wenigsten  CO2. Am effektivsten jedoch sind Schweizer Touristen, gefolgt von Österreichern und Deutschen, da sie wenig Emissionen verursachen und während ihres Aufenthalts das meiste Geld ausgeben. Die Schweizer verprassen täglich 1.820 NOK, sie sind im Durchschnitt 16,8 Tage im Land und verursachen 253 Kilo CO2 pro Aufenthalt. Jedem von einem Schweizer Tourist in Norwegen ausgegebenen Cent stehen acht Gramm CO2 gegenüber, bei einem Österreicher sind es neun Gramm und bei einem Deutschen zehn Gramm Zur Erinnerung: Bei den Kreuzfahrtpassagieren sind es 247 Gramm. 

Allerdings würden nicht nur  europäische Touristen bezüglich der  Klimaschäden in Bezug auf Wertschöpfung gut dastehen, teilt NHO mit. Sowohl chinesische als auch amerikanische Touristen haben einen hohen Konsum. Chinesische Touristen liegen beim CO2-Ausstoß pro ausgegebenen Cent bei  18 Gramm CO2. Werden Direktflüge zwischen Peking und Oslo genutzt, so bring es jeder Tourist pro Aufenthalt auf 345 Kilogramm CO2. Zum Vergleich: In allen Ländern Europas fallen pro Aufenthalt 177 bis 267 Kilogramm CO2 an.

“Mit anderen Worten, es macht keinen Unterschied für den Klimawandel, ob die Touristen aus China oder Spanien kommen.  Die Chinesen bleiben im Durchschnitt 7,4 Tage in Norwegen. Wir bemühen uns jetzt, sie noch länger zu halten. Der asiatische Markt ist der wichtigste Wachstumsmarkt. Mit diesem Bericht können wir die richtigen Entscheidungen treffen, wenn es darum geht, welche Touristen wir in Zukunft in Norwegen haben wollen”, Krohn Devold weiter.

Touristen, die mit einem Kreuzfahrtschiff aus den USA, Kanada und Australien anreisen, sind die größten Umweltsünder. Sie verursachen einen Gesamtausstoß von 145.000 Tonnen CO2 – das ist mehr als der CO2-Ausstoß aller norwegischen Tourismusunternehmen zusammen.

Lesen Sie hier den Klimabericht der NHO Reiseliv. 

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