EY-Studie: Tempo der grünen Transformation in Norwegens Wirtschaft zu gering

Oslo, 12. November 2019. Das Tempo der grünen Umstrukturierung der norwegischen Wirtschaft reicht nicht aus, um die Klimaziele von Paris zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das internationale Consultingunternehmen EY im Auftrag des norwegischen Ministeriums für Klima und Umwelt jetzt erstellt hat. Vor allem hätten die Unternehmen mögliche Emissionsreduzierungen bei Zulieferern und Kunden im Blick.

Die jetzige Bewertung basiert auf Roadmaps, die 2015 für jede Branche im “Expertenausschusses der Regierung für grüne Wettbewerbsfähigkeit” gemeinsam mit Unternehmen aus 17 Branchen erarbeitet und im Abschlussbericht “Strategi for grønn konkurransekraft” veröffentlicht wurden. Alle Roadmaps zeigen spezifische Maßnahmen für die Branche auf, wie die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null gesenkt werden können. Darüber hinaus enthalten sie Vorschläge zur Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und zwischen Unternehmen und Behörden. 

In der jetzt vorliegenden Zwischenbilanz wird festgestellt, dass es zwar vieler aufregende Initiativen in vielen Branchen gebe, diese aber häufig klein sein und sich noch im Pilotstadium befänden. Den größten Anteil an bisher umgesetzten Maßnahmen verzeichnen die größten Unternehmen, heißt es in der Studie. Die breite Masse befinde sich noch in den Startlöchern. Branchen, in denen wenig passierte, würden sich zu wenig auf die wichtigsten Emissionsquellen konzentrieren. Unternehmen hätten zu stark direkte Emissionsquellen und den eigenen Energieverbrauch im Blick, auch wenn dies nicht die Hauptemissionsquellen sind. Beispielsweise hätten nur wenige Firmen spezifische klimabezogene Anforderungen in der Wertschöpfungskette aufgestellt. Dies begrenze den Markt für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen.

Am weitesten fortgeschritten sind die Binnenschifffahrt und die Finanzbranche. Die Binnenschifffahrt sei in Bezug auf emissionsfreie Lösungen sehr aktiv und habe bereits neue Technologien eingeführt. Diese Veränderungen beruhten auf einer strengeren Gesetzgebung im Umweltbereich, hohe Anforderungen an Umweltstandards im öffentlichen Auftragswesen und staatlicher Unterstützung. 

Für die meisten Branchen besteht laut Studie eine Korrelation zwischen der Art und Weise, wie die Behörden auf die Wunschlisten der Branche in der Roadmap reagiert haben und dem eigenen Grad an Aktivitäten. In der Studie sind die jeweiligen Wünsche der Branche an die Behörden sowie die Reaktion darauf aufgelistet. Es gebe einen Zusammenhang zwischen den von den Behörden geschaffenen Rahmenbedingungen und das Aktivitätsniveau in der Branche. Eine interessante Ausnahme sei die Finanzwirtschaft, wo Rahmenbedingungen nicht der treibende Faktor sind.

Nur 47 Prozent der Befragten haben eine Klimastrategie aufgestellt oder Emissionsziele festgelegt, die im Management verankert sind. Nur 33 Prozent verfügen über ein Klimakonto. Nur drei norwegische Unternehmen können nachweisen, dass sie Klimaziele haben, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen zur Beschränkung der Erderwärmung auf 1,5-Grad stehen.

Die norwegische Geschäftswelt fordert von den Behörden strengere Vorgaben für eine umweltfreundliche Umstrukturierung. Beispielsweise will die Handelsbranche ein Verbot bezüglich der Lebensmittelverschwendung sowie die Einführung eines Produktdesign, das über die Klimaauswirkungen des Produktes Auskunft gibt. Die Immobilienbranche verlangt Dokumentationen, die Finanzindustrie Klimaberichtspflichten. Andere Unternehmen wollen Abgaben auf die Verwendung von Kunststoff. Die Umsetzung einiger dieser Forderungen würde auch bei den Unternehmen selbst Kosten verursachen.

“Eine offensive Klimapolitik ist die Voraussetzung für eine moderne und wettbewerbsfähige Wirtschaft. Es gebe keinen Widerspruch zwischen einer ehrgeizigen Klimapolitik und Beschäftigung und Wachstum”, erklärt Ola Elvestuen, Norwegens Minister für Klima und Umwelt, zum gestern vorgelegten Bericht.

Die Studie von EY zeige, dass das Tempo des grünen Übergangs in der norwegischen Wirtschaft zu langsam sei. Die norwegische Industrie konzentriere sich zu wenig auf die Klimaanforderungen an Lieferanten, die Rohstoffproduktion und die Verwendung des Produkts. Das Hauptaugenmerk liegt auf direkten Emissionen aus dem eigenen Betrieb und Energiesparmaßnahmen. Dies verlangsame den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft. Der Schwerpunkt sollte auf der Reduzierung der Emissionen in allen Phasen des Produktlebenszyklus liegen.

“In Norwegen ist der grüne Übergang im Gange, aber das Tempo muss deutlich höher sein, um unsere Klimaziele zu erreichen. Unternehmen müssen über ihre eigenen Aktivitäten hinausdenken und Schritte unternehmen, um die Emissionen in der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren”, so Elvestuen. 

In der Studie wurden 109 Unternehmen aus den Branchen Öl und Gas, Abfall und Recycling, Forst- und Holzwirtschaft, Gewerbeimmobilien, Landwirtschaft, Lebensmittel und Getränke, Finanzen, gewerblicher Transport, Handel, Tourismus, verarbeitende Industrie und Schifffahrt untersucht.

Den vollständigen Bericht können Sie hier lesen .

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Der Ozean bleibt Norwegens wichtigste Einnahmequelle