Erste PET-Flasche aus vollständig receyceltem Kunststoff in Norwegen im Handel

Bis 2025 will die norwegische Brauerei Ringens 50 Prozent ihrer Getränke in PET-Flaschen aus receyceltem Kunststoff anbieten.©Ringens

Oslo, 29.Oktober 2019. Imsdal, Norwegens meistverkauftes Trinkwasser, wird jetzt in einer Flasche angeboten, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff besteht. Mit der Umstellung reduziert die Ringnes AS, Norwegens größte Brauerei, den Einsatz neuer Kunststoffe auf Ölbasis in der Produktion um bis zu 470 Tonnen jährlich, teilt das Unternehmen mit. Ziel sei es, 50 Prozent der PET-Flaschen bis 2025 durch recycelten Kunststoff zu ersetzen.

“Es war ein komplizierter Prozess, der über zwei Jahre gedauert hat, um diese neue, zu einhundert Prozent recycelte Imsdal-Flasche zu entwickeln. Sie hat genau die gleichen guten Eigenschaften wie eine neue Plastikflasche”, , sagt Geschäftsführer Anders Røed. Wie das Unternehmen mitteilt, werden zur Herstellung von einem Kilogramm neuem Kunststoff zwei Kilogramm Erdöl benötigt. Laut Infinitum, dem größten norwegischen Betreiber des Pfandsystems, spart Ringnes jährlich 1.500 Tonnen CO2, wenn allen Imsdal-Flaschen aus vollständig recycelten Kunststoff hergestellt werden. Dies entspricht dem CO2-Ausstoß von 1.300 Autos pro Jahr.

In Norwegen werden neun von zehn verkauften Plastikflaschen gesammelt. Damit hat das Land eines der weltweit besten Pfandsysteme für Plastikflaschen. Allerdings beträgt der Anteil an recyceltem Kunststoff bei der Herstellung von PET-Flaschen gegenwärtig nicht mehr als als zehn Prozent. Der Hauptgrund dafür, dass die Hersteller überwiegend neuen Kunststoff für die Flaschenproduktion verwenden, liege darin, dass der Preis für den am wenigsten umweltfreundlichen neuen Kunststoff viel geringer ist als der für recycelten Kunststoff, so der Brauereichef Røed. “Das bedeutet, dass die Herstellung der Imsdal-Flasche heute teurer ist als früher. Wir bieten den Kunden aber immer noch den gleichen Preis.”

Insgesamt werden in Norwegen jährlich etwa 600 Millionen Plastikflaschen über das Pfandsystem von Infinitum gesammelt. Alle werden dem Recycling zugeführt, der Kunststoff ist für die Herstellung neuer Flaschen geeignet. Da die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff in Norwegen jedoch gering ist, wird der größte Teil des Kunststoffs exportiert, vorrangig nach Deutschland. 

Getränkehersteller und -einzelhändler in Norwegen wollen einen Anreiz für die Verwendung von recyceltem Kunststoff in Flaschen und setzen sich seit mehreren Jahren dafür ein, die derzeit geltende pauschale Grundsteuer auf eine Gebühr umzustellen, die um so geringer ausfällt, um so höher der Anteil von recyceltem Kunststoff in einer Flasche ist.  Das norwegische Parlament Storting habe die Regierung dreimal gebeten, den Vorschlag für eine Umstrukturierung zu prüfen, jedoch wurde kein entsprechender Vorschlag vorgelegt, erklärt Kjell Olav Maldum, Geschäftsführer von Infinitum. Inzwischen habe die EU neue und ehrgeizige Vorschriften für die Sammlung und das Recycling von Verpackungen erlassen. Infinitum gehe davon aus, dass Norwegen mit der heutigen Politik mit Ausnahme eines Bereiches nicht in der Lage sein werde, diese Anforderungen zu erfüllen. 

“Wir sammeln bereits fast 90 Prozent aller Getränkeverpackungen, während die EU für das Jahr 2025 die Erfassung von 77 Prozent fordert. Wenn die Regierung die Grundsteuer in eine Gebühr umwandelt, die die Verwendung von recyceltem Material honoriert, könnten wir auch die EU-Anforderung erfüllen, dass PET-Flaschen 2025 25 Prozent recycelten Kunststoff enthalten müssen. Norwegen liegt derzeit bei zehn Prozent. Deshalb muss der Storting die Regierung erneut auffordern, den Vorschlag zu beachten”, erklärt Maldum.

Infinitum will auch Kunststoffe, die als Verpackung von den Haushalten gesammelt werden, besser recyceln. “Es bleibt jedoch noch viel zu tun, bevor aus diesen Kunststoff neue Produkte entstehen können. Einige Kunststoffverpackungen eignen sich nicht zum Recycling. Außerdem gibt es in Europa einen Überschuss an gemischten Kunststoffabfällen.”

Laut Jahresbericht hat Infinitum 2018 Kunststoff und Aluminium für 182 Millionen NOK verkauft hat. 20.568 Tonnen Kunststoff wurden recycelt. Der größte Teil des Kunststoffs wurde nach Deutschland verkauft. Infinitum baut jetzt in Heia bei Fetsund eine Recyclinganlage, damit ab 2021 alle Pfandflaschen in Norwegen recycelt werden können.


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