Beschwerde abgelehnt: Norwegisches Umweltministerium gibt grünes Licht für Toutatis-Bohrung von Wintershall DEA

Die Explorationsbohrung findet in der Nähe gefährdeter Gebiete statt. Umweltschützer wollen die Bohrung mit zivilem Ungehorsam verhindern.©Wintershall Dea

Oslo, 28. Oktober 2019. DEA Norge AS darf in dem Gebiet nahe des Trænarevet (Træna-Riff) in der norwegischen See Explorationsbohrungen durchführen. Das norwegische Ministerium für Klima und Umwelt hat eine Beschwerde des norwegischen Umweltschutzverbandes Bellona, der Organisation Natur og Ungdom (Natur und Jugend) sowie des norwegischen Küstenfischereiverbandes zurückgewiesen. Die Organisationen hatten gegen eine Entscheidung des  norwegischen Umweltamtes vom 16. Juli dieses Jahres Beschwerde eingelegt, die es dem Konzern nach dem Gesetz zur Kontrolle der Umweltverschmutzung erlaubt, eine erste Bohrung in der Region zu starten.

“Dieses Gebiet wurde bereits 2011 von der rot-grünen Regierung für Erdölaktivitäten geöffnet. Bei dieser Beschwerde geht es daher nicht darum, ob in dem Gebiet Erdölaktivitäten eröffnet werden sollen oder nicht. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens war eine Umweltprüfung nach dem Verschmutzungsschutzgesetz der jeweiligen Bohrgenehmigung. Die Direktion Umwelt hat bereits früher festgestellt, dass die Bohrungen im Rahmen der geltenden Vorschriften durchgeführt werden sollen. Nach eingehender Fallbearbeitung und fachlicher Prüfung stellt das Ministerium fest, dass es keine Grundlage gibt, um diese Entscheidung rückgängig zu machen”, sagt Ola Elvestuen, Minister für Klima und Umwelt.

Die Explorationsbohrung befindet sich in einem Gebiet, das für Erdölaktivitäten in Nordland V in der Norwegischen See geöffnet ist. Der Block wurde 2011 in das vordefinierte Flächenzuweisungsschema (APA) aufgenommen Die Bohrgenehmigung wurde erstmals im Jahr 2012 und später im Jahr 2016 vergeben. 

Der Brunnen liegt ca. 7,5 Kilometer nördlich des Trenarevet. Der Block grenzt an die erdölfreien Gebiete Røstbank und Lofoten. Wie das Umweltministerium mitteilt, werden die Bohrungen nicht in einem Gebiet durchgeführt, das im Rahmen des aktuellen Managementplans als besonders wertvolles und gefährdetes Gebiet (SVO) ausgewiesen ist. Die Genehmigung unterliege strengen Auflagen. Sie sei zeitlich begrenzt, daher müsse zu einem Zeitpunkt gebohrt werden, der für Seevögel, Korallen und Fischbestände am günstigsten ist. Auch gebe es strenge Anforderungen an bei Notfallsituationen. 

“Die Entscheidung fiel wie erwartet und zeigt, dass wir die Planung der Bohrung wie gewohnt gründlich vorbereitet haben”, sagt Kjetil Hjertvik, Kommunikationsmanager bei Wintershall DEA Norge gegenüber enerWE.

Gaute Eiterjord, Chef der norwegischen Umweltorganisation Natur og Ungdom, an Bord des Kallinika-Bootes, das ausgelaufen ist, um die Exploartionsbohrungen zu verhindern.©Jørgen Næs Karlsen, Natur og Ungdom

Die Umweltorganisation Natur og Ungdom will sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden und kündigt zivilen Ungehorsam an. “Wir lehnen es ab zu akzeptieren, dass die Ölindustrie in einigen unserer anfälligsten Gebiete Bohrungen durchführen kann, und sind bereit, die Bohraktivitäten mit allen Mitteln zu stoppen. Hier versagt die Venstre (Partei Die Linke, die den Umweltminister stellt) insgesamt. Kommt es hier zu einer Ölverschmutzung, kann diese weit in die Lofoten driften. Es wird für Laichgründe, Seevögel und Korallenriffe katastrophal sein”, sagt Gaute Eiterjord, Chef des Umweltverbandes Natur und Jugend. Gegenüber der norwegischen Nachrichtenagentur NTB kündigte auch Bellona-Chef  Frederic Hauge Maßnahmen an, um die Bohrungen zu verhindern. 

Die Produktionslizenz 896 wurde im Februar 2017 im APA-Verfahren 2016 erteilt. Dea Norge AS ist mit einem Anteil von 40 Prozent Betriebsführer der Operation, Partner sind Petoro AS, Lundin Norway AS und Equinor Energy AS mit einem Anteil von jeweils 20 Prozent.

Im Mai dieses Jahres fusioniert Dea mit Wintershall. Die Lizenz 896 erhielt Dea Norge AS vor der Fusion mit Wintershall. Winterhall Dea hält über einhundert Lizenzen auf dem Norwegischen Kontinentalschelf und ist damit einer der größten Lizenznehmer des Landes.

Norwegens Regierung will im Frühjahr nächsten Jahres einen aktualisierter Bewirtschaftungsplan für die norwegische See vorlegen. Die Abgrenzung der besonders schützenswerten Gebiete in diesem Meeresgebiet sei dann ein zu berücksichtigendes Thema, teilt das Umweltministerium mit.

Lesen Sie hier eine Antwort von Kjetil Hjertvik auf Behauptungen der Umweltorganisation Natur und Umwelt in der Fachpublikation enerwe.no.

Die vollständige Entscheidung zu den Beschwerden finden Sie hier.

Wintershall Dea und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Ende Oktober eine Forschungskooperation zur klimafreundlichen Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas vereinbart. Durch die sogenannte Methanpyrolyse lässt sich das im Erdgas enthaltene Methan in gasförmigen Wasserstoff und festen Kohlenstoff trennen. Dies könne ein wichtiger Baustein für eine künftig klimaneutrale Energieversorgung sein, teilte Wintershall Dea am 29. Oktober mit. Denn der Wasserstoff könne als sauberer, CO2-freier Energieträger verwendet werden und der in fester Form abgeschiedene Kohlenstoff stelle einen wertvollen Grundstoff für verschiedene Industriezweige dar und könne darüber hinaus sicher gelagert werden. „Die Perspektiven, die wir in unserer Kooperation mit dem KIT etablieren, zeigen: Erdgas kann Zukunft“, sagt Hugo Dijkgraaf, Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer von Wintershall Dea. „Schon heute ist Erdgas der sauberste konventionelle Energieträger“, erklärt Dijkgraaf. „Aber Erdgas kann künftig noch klimafreundlicher werden: indem wir aus Erdgas Wasserstoff und den enthaltenen Kohlenstoff abtrennen.“ Neben der Methanpyrolyse könnte sauberer Wasserstoff aus Erdgas auch durch Dampfreformierung in Verbindung mit CCS (Carbon Capture and Storage) hergestellt werden, heißt es weiter in der Mitteilung des Unternehmens. Wasserstoff gelte in der Energiedebatte zunehmend als Schlüssel für das Gelingen der Energiewende. So könnte schon eine Beimischung von 20 Prozent Wasserstoff im europäischen Gasnetz die CO2-Emissionen um 60 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren. Das ist so viel, wie Dänemark in einem ganzen Jahr emittiert. Das von Wintershall Dea und KIT auf zunächst drei Jahre angelegte Projekt soll nun Grundlagen für einen künftigen industriellen Einsatz der Methanpyrolyse legen.

Das KIT hat bereits grundlegende Forschungsarbeiten zur Herstellung von Wasserstoff durch direkte Pyrolyse von Methan auf Basis von Flüssigmetalltechnologie geleistet. Diese gemeinsamen Forschungen mit dem Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. in Potsdam wurden 2018 mit dem Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft ausgezeichnet und haben den Publikumspreis bei der Zukunftswerkstatt ERDGAS 2018 gewonnen, die die Brancheninitiative Zukunft ERDGAS ausgerichtet hat.

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