Bettenbörse für Nachtzüge in Norwegen

Auch in Norwegen ist die Nachfrage nach Schlafwagen markant gestiegen. Um jedes Bett nutzen zu können, wurde die Facebook-Gruppe „Dele kupé på NSB“ gegründet, die inzwischen 5.000 Mitgliedern hat. ©Vy

Oslo, 21. Oktober 2019. Schlafwagen erfreuen sich in Norwegen großer Beliebtheit. Die Auslastung der Schlafwagen liegt heute nach Informationen der Norwegischen Eisenbahn Vy (ehemals NSB) zwischen 90 und  einhundert Prozent. Die Plätze sind nicht zuletzt knapp, weil im Gegensatz zur Praxis in den meisten Ländern Europas (außer Russland) in Norwegen nicht einzelne Betten, sondern ausschließlich das gesamte Abteil gebucht werden kann. In diesem sind immer zwei Betten eingerichtet. Auch der Einzelreisende bekommt somit ein eigenes Abteil mit zwei Betten. In der Folge bleibt das zweite Bett unbenutzt. Facebook schafft Abhilfe. 

Um dem Mangel an Bettplätzen abzuhelfen, wurde auf Facebook die Gruppe „Dele kupé på NSB“ (Teile dein Abteil) gebildet, die seit 2018 auf über 5.000 Mitglieder angewachsen ist. Die Facebook-Seite fungiert als Betten-Börse: Ein User fragt etwa nach einem freien Bett von Oslo nach Bergen, während ein anderer ein solches von Trondheim nach Bodø anbietet. Das lastet die Abteile aus. Allerdings gelangen auf diese Weise auch sich fremde Reisende beiderlei Geschlechts in dasselbe Schlafwagenabteil. In Europa (außer Russland) gilt für Einzelreisende in Mehrbettabteilen die Geschlechtertrennung. 

Bei der Preisfrage teilen sich die Beteiligten den Zuschlag für das Abteil oder treffen eine andere Vereinbarung. 

In Norwegen sind 20 Schlafwagen auf vier Strecken eingesetzt. Die Züge stammen aus den 1980-er Jahren und bieten keine Abteile mit eigener Nasszelle. Die Abteile sind zudem klein, wenn auch praktisch eingerichtet. Mit einer Kundenbefragung wird versucht, die Anforderungen an eine neue Generation von Schlafwagen zu eruieren. Von der Abschaffung der Schlafwagen, früher diskutiert, spricht heute niemand mehr. 

Touristisch gesehen ist der Nachtzug der Nordlandsbanen von Trondheim nach Bodø das absolute Highlight. Wegen der späten Ankunft um 9 Uhr in Bodø erlebt man schon wieder bei Tage die Überquerung des Polarkreises auf dem kargen Salffjell, gefolgt von der langen Fahrt entlang zweier lieblichen Fjorde.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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