Über 150 Unternehmensvertreter zum 23. Deutsch-Norwegischen Energieforum

Diskussionsrunde zum Ausbau der Übertragungsnetze©BPN

Düsseldorf, 11. Oktober 2019. Mehr als 150 Vertreter deutscher und norwegischer Unternehmen informierten sich am 11. Oktober auf dem 23. Deutsch-Norwegischen Energieforum über die Entwicklung neuer Technologien für eine nachhaltige und erfolgreiche Energiewende. Petter Ølberg, Norwegens Botschafter in Deutschland, zeigte sich in seiner Eröffnungsrede erfreut, dass die Veranstaltung erstmals in Düsseldorf stattfindet. Norwegen habe vielfältige wirtschaftliche Beziehungen zu Nordrhein-Westfalen und die Zusammenarbeit im Bereich Klimaschutz sei bereits weit fortgeschritten.

Kjell-Børge Freiberg, Norwegens Minister für Petroleum und Energie, hob in seinem Grußwort die enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen im Energiesektor hervor. Mit Blick auf das von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket unterstrich Freiberg, wie wichtig die Bepreisung von CO2 für das Gelingen der grünen Transformation sei. Norwegen habe gute Erfahrungen mit einer CO2-Steuer gemacht. Bei  allen notwendigen Regulierungen und Stimulierungen sollte man auch bei der gründen Wende den Markt arbeiten lassen. 

Norwegens Energieminister Kjell-Børge Freiberg©BPN

Der Minister sieht in der intensiveren Nutzung von Erdgas als Brückentechnologie zu den Erneuerbaren Energien, im Bereich Erneuerbare Energien sowie bei der Abspaltung und Speicherung von Kohlendioxid Möglichkeiten zum Ausbau der deutsch-norwegischen Energiekooperation.

Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, informierte die Teilnehmer über die Bedeutung der Energiewende für NRW. Ein Viertel der Energie Deutschlands werde in NRW produziert. 215.000 Menschen seien in energieintensiven Branchen beschäftigt. Kohle spiele für die Stromproduktion noch eine große Rolle. Damit stehe das Bundesland vor großen Herausforderungen. Pinkwart sieht Norwegen nicht nur als Zulieferer von Rohmaterial, sondern zunehmend als Partner für die Entwicklung grüner Technologien.

Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, erläuterte den Teilnehmern die Eckpunkte des in dieser Woche von der Regierung verabschiedeten Entwurf des Klimagesetztes. Er betonte, dass Gas eine wichtige Rolle in der Strategie der Energiewende spielen werde – letztlich auch, weil Deutschland mit Norwegen über einen verlässlicher Zulieferer verfüge.

In der ersten Gesprächsrunde diskutierten Andreas Feicht, Christian Rynning-Tønnesen, CEO, Statkraft, Gunnar Løvås, EVP, Statnett, Gordon Gassmann, CEO, Mercedes-Benz Energy, Daimler AG, und Johannes Teyssen, CEO, EON SE, neue Wege der Integration der Erneuerbaren Energien in die Übertragungsnetze. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Akzeptanz des Baus neuer Netze in Deutschland erhöht werden kann und wie es Norwegen gelingt, selbst in touristisch viel genutzten Regionen mit unberührter Natur Leitungen zu bauen, ohne von Bürgerinitiativen attackiert zu werden. Wie Rynning-Tønnesen erklärte, sei eine frühzeitige Einbeziehung der Bevölkerung wichtig. E.ON-Chef Teyssen forderte, ehrlicher zur Bevölkerung bezüglich der Konsequenzen der Energiewende zu sein. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien sei ohne den Ausbau der Netze nicht möglich. Dies würde zunehmend mehr Fläche in Anspruch nehmen. Auch warnte er davor, zu früh in teure Technologien zu investieren, deren sinnvoller Einsatz nicht gewährleistet sei.

Norwegens Statkraft-Chef Rynning-Tønnesen wünschte sich eine noch engere physische Verbindung zwischen Deutschland und Norwegen. „Wir haben die Ressourcen im Norden, und die Konsumenten sitzen im Süden“, erklärte Rynning-Tønnesen. Statkraft könne die Stomversorgung mit dem Vorhandensein weiterer Leitungen weiter ausbauen.

Bezüglich des Ausbaus der Windenergie und der Übertragungsmöglichkeiten zwischen den Produktions- und den Konsumtionsstandorten forderte Staatssekretär Feicht einen europäischen Zugang. Die EU brauche eine strategische Windplanung. Es sollte problemlos möglich sein, Offshore-Parks miteinander zu verbinden und den produzierten Strom in den verschiedenen Ländern zu vermarkten.

In die zweite Diskussionsrunde zur Nutzung von Wasserstoff und zur Abspaltung und Lagerung von Kohlendioxid führte Stephen Bull, Vizepräsident, Equinor Low Carbon Solutions, mit der Präsentation des Pilotprojektes “H2morrow” ein. Teilnehmer des Panels waren Irene Rummelhoff, EVP, Equinor, Premal Desal, CEO, Thyssenkrupp Steel Europe AG, Rob Van der Meer, Director EU Public Affairs and Investors Relations, HeidelbergCement Group, und Christoph Riechmann, Director, Frontier Economics. Hier stand die Frage im Mittelpunkt, was die Unternehmen von der Politik erwarten und welchen Beitrag die Industrie zur Reduzierung von CO2 spielen kann und will.

Van der Meer forderte vor allem eine verlässliche Gesetzgebung. Man müsse die Rahmenbedingungen kennen, dann könnten sich Unternehmen auf hohe oder niedrige CO2-Preise einstellen. Es sei wenig hilfreich, wenn – kaum das eine Entscheidung getroffen ist – diese schon wieder in Frage gestellt wird. Außerdem müsse die Industrie Aussicht auf Profit haben. Wenn für ein Unternehmen auf die Produkte, die jetzt hergestellt werden, einfach nur weitere Kosten draufkommen, werde es früher oder später aussteigen müssen. Auch sollte der CO2-Preis in Europa im richtigen Verhältnis zu den Preisen in China oder den USA stehen, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen komme.

Irene Rummelhoff lobte die enge Zusammenarbeit der Industrie mit der norwegischen Regierung. In Norwegen gebe es ein gemeinsames Interesse an Klimaschutzmaßnahmen. Dass die Reduzierung von Kohlendioxid Geld kostet und dies bezahlt werden müsse, sei klar. Die Regierung schultere die Lasten aber nicht allein der Wirtschaft oder der Bevölkerung auf, sondern beteilige sich angemessen an den Kosten.

Manuel Kliese, Director, Innovation Norway, stelle im Anschluss an die Diskussionsrunden das Portal „The Explorer“ vor, ein digitaler Marktplatz für grüne Technologien aus Norwegen. Hier werden Entwicklungen aus verschiedenen Branchen präsentiert. Deutsche Unternehmen seien eingeladen, mit den Unternehmen, deren Technologien auf der Plattform erläutert werden, in Kontakt zu treten.

Im Anschluss an das Deutsch-Norwegische Energieforum waren die Teilnehmer zur Eröffnung der Ausstellung „Edvard Munch seen by Karl Ove Knausgård“ in Anwesenheit von Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit in die K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eingeladen.


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