Deutsch-norwegisches Pilotprojekt zum Aufbau eines Wasserstoffnetzes in Europa

Berlin, 8. Oktober 2019. Norwegen und Deutschland wollen in einem Pilotprojekt eine vollständige Wertschöpfungskette für Wasserstoff aufbauen. Mit dem Vorhaben “H2morrow”, an dem der norwegische Energiekonzern Equinor und der Betreiber des größten Fernleitungsnetzes in Deutschland, Open Grid Europe GmbH (OGE), beteiligt sind, sollen die Industrie und andere Kunden mit CO2-freiem Wasserstoff beliefert werden, der in einem 1-Gigawatt-Reformer aus Gas hergestellt wird. Das abgespaltene Kohlendioxid soll nach Norwegen transportiert und in unterirdische Lager unter dem Norwegischen Schelf verpresst werden. Bis 2030 soll die gesamte Lieferkette in Nordrhein-Westfalen einsatzbereit sein. 

In einer Pressekonferenz stellten Jörg Bergmann, CEO von OGE, Stephen Bull, Senior Vice President für neue Energielösungen, und Steinar Eikass, Vice President Low Carbon Solutions, Equinor ASA, die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vor, die die Potenziale von Wasserstoff für eine dekarbonisierte Industrie aufzeigt. 

Gemeinsame Pressekonferenz von Equinor und OGE in Berlin@BPN

Das gemeinsame Projekt “H2morrow” könne wesentlich zur erfolgreichen Dekarbonisierung der deutschen Industrie beitragen, heißt es in der Studie. Dabei verfolge Equinor die klare Strategie, Erdgas zur Dekarbonisierung zu nutzen, erklärte Stephan Bull. 

Zwar könne Wasserstoff auch aus erneuerbaren Energien hergestellt werden, so Bergmann. Und langfristig sei dies auch der richtige Weg. Um jedoch schnelle Lösungen für die Dekarbonisierung zu finden, sei die Umwandlung von Gas in Wasserstoff der beste Weg. Das Projekt soll ein Nukleus für den Aufbau eines Wasserstoffnetz in Deutschland und ganz Europa bilden. 

Mittel- bis langfristig schätzen Experten den deutschen Wasserstoff-Bedarf im mittleren dreistelligen Terrawatt-Bereich. Um diesen zu decken, müsse sich Deutschland einer ganzen Reihe von Quellen bedienen. Dazu zählten Wasserstoff aus erneuerbarem Strom, vor allem aus Norddeutschland, Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas sowie Direktimporte. 

Mit dem Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen sollen mit jährlich 8,6 Terrawattstunden Wasserstoff aus dekarbonisiertem Erdgas hergestellt werden. Dies entspricht der Energieversorgung (Strom und Gas) von 450.000 durchschnittlichen 4-Personen-Haushalten pro Jahr.

Beim Transport des Wasserstoffs könne die vorhandene Infrastruktur genutzt werden, mit der gegenwärtig Gas transportiert wird, erklärte Jörg Bergmann. Eine Umstellung der Pipelines sei zu einem Zehntel der Kosten im Vergleich zum Neubau von Pipelines möglich. 

Bei der Wahl des Standortes für die Umsetzung des Pilotprojektes “H2morrow” habe man sich für NRW wegen der großen Industriedichte, der Bevölkerungszahl, dem gut ausgebauten Tavernennetz und den guten Möglichkeiten für den Transport von CO2 über den Rhein entschieden. Die Behörden in NRW würden das Vorhaben befürworten, so Bergmann. 

Norwegen realisiert gegenwärtig ein Pilotprojekt “Northern Lights” zur Abspaltung, zum Transport und zur Speicherung von CO2. Norwegens Regierung hat das Ziel, eine kostengünstige Lösung für die vollständige Erfassung, den Transport und die Speicherung von CO₂ in Norwegen zu realisieren, da dies die Technologieentwicklung in einer internationalen Perspektive ermöglicht. Im kommenden Jahr wird das norwegische Parlament über die Fortsetzung der bisherigen Aktivitäten entscheiden und entsprechende Investitionsentscheidung treffen. 

Bei der Finanzierung des Aufbaus eines Wasserstoffnetzes gehe man davon aus, dass sich durch die hohe Nachfrage nach Wasserstoff das Projekt selbst tragen werde, erklärte Stephen Bull. Wichtig sei der Preis für CO2. Wenn das Projekt günstige Preise für die Co2-Reduzierung biete, würden Industriekunden mitziehen. Auch für die Wärmeversorgung von Gebäuden würden Wasserstofflösungen dann zunehmend infrage kommen. 

Partner des Projektes auf Industrieseite ist das Unternehmen thyssenkrupp Steel Europe, das die Versorgung des größten deutschen Stahlwerks in Duisburg mit diesem Wasserstoff prüft. Das Unternehmen verfolgt derzeit zwei technologische Ansätze: Zum einen die Vermeidung von Kohlendioxidemissionen durch Einblasen von Wasserstoff anstelle von Kohlestaub in seine Hochöfen und die Verwendung von Wasserstoff zur Herstellung von Eisenschwamm. Zum anderen Carbon2Chem: Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur Abscheidung und Weiterverarbeitung von Kuppelgasen zu nachhaltigen Chemikalien. 

In der nächsten Projektphase der Kooperation, die nunmehr startet, sollen die technische Planung vertieft, weitere Partner gewonnen und ein Standort für die Dampfreformierung gefunden werden. Hier kommt sowohl Deutschland als auch ein Standort in einem anderen europäischen Land infrage.

Lesen Sie hier mehr zum CCS-Projekt in Norwegen.

Finden Sie hier die Machbarkeitsstudie „Potenziale von Wasserstoff für eine dekarbonisierte Industrie“.

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