Klima-Proteste vor Yara-Düngemittelwerk in Brunsbüttel

Ausgerechnet vor den Toren von Yara, einem der ehrgeizigsten Unternehmen in Sachen Umweltschutz, gibt es Proteste gegen den CO2-Ausstoß©Pay Numrich

Brunsbüttel, 23. September 2019. Seit heute vormittag blockieren Demonstranten die Zufahrt zur Yara Brunsbüttel GmbH, einem Tochterunternehmen des norwegischen Düngemittelherstellers Yara International ASA. Organisator des Protestes ist die Gruppe “Free the Soil”, die mit der Kampagne nach eigenen Angaben “die verheerenden Praktiken und Auswirkungen industrieller Landwirtschaft aufzuzeigen und darüber informieren (will), welche Rolle die Agrarindustrie in der sich ständig verschärfenden Klimakrise einnimmt”. Unweit der Fabrik hat die Organisation ein “Agrar- und Klimagerechtigkeitscamp” eingerichtet, in dem die Demonstranten mehrere Tage kampieren wollen. Die Protestbewegung will mit der Blockade auf die hohen CO2-Emissionen des Konzerns aufmerksam machen.

Yara ist eine der größten Stickstoff-Kunstdüngemittelfabriken in Europa. Neben Brunsbüttel betreibt der norwegische Hersteller auch eine Produktion in Rostock. Hauptsitz des Unternehmens ist Oslo. Das Stammwerk steht im norwegischen Porsgrunn. Dieses Düngemittelwerk hat durch den Einbau von Katalysatoren die CO2-Emissionen nach eigenen Angaben stark reduziert. Diese Technologie, die das Unternehmen weltweit anbietet, könne dazu beitragen, die globalen Emissionen von CO2 erheblich zu senken. Außerdem entwickelt Yara das erste automatische und voll elektrische Containerschiff der Welt, das die verschiedenen Produkte des Chemiewerkes künftig per Schiff von Porsgrunn zu den Häfen nach Brevik and Larvik bringen soll. Bisher wurden die Produkte per Lkw transportiert. Mit dem Einsatz des Null-Emissions-Elektroschiffes können 40.000 Lkw-Fahrten pro Jahr eingespart werden

Das Werk in Brunsbüttel produziert Harnstoff, der unter anderem für die Düngemittelproduktion gebraucht wird, sowie den Kraftstoffzusatz AdBlue, der in Dieselmotoren Stickstoff reduziert. Im vergangenen Jahr übernahm Yara International ASA das indische Chemiewerk Tata Chemicals sowie den Vale Cubatão Fertilizantes Complex in Brasilien. Damit vergrößerte sich auch die Gesamtmenge der vom Konzern ausgestoßenen CO2-Emissionen. 

Im Juli dieses Jahres unterzeichnete Yara eine revolvierende Kreditfazilität mit einer Laufzeit von fünf Jahren in Höhe von 1,1 Milliarde US-Dollar. Diese Summe soll verwendet werden, um die Ziele zur Einsparung von Kohlendioxid zu erreichen. „Indem wir die Finanzierung mit der CO2-Bilanz verknüpfen, bestätigen wir einen klaren Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Rentabilität“, erklärte Lars Roeseag, Chief Financial Officer von Yara.

Die Herstellung von Ammoniakdünger erfordert die Verwendung großer Mengen an Kohlenwasserstoff-Ausgangsstoffen, einschließlich Erdgas. Bis 2025 will das Unternehmen die Treibhausgases pro Tonne Düngemittel um zehn Prozent reduzieren.

Im August dieses Jahres hatten Yara und der norwegische Hydrogenspezialist Nel ASA eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung von sauberem Wasserstoff unterzeichnet, der es Yara ermöglichen soll, Düngemittel mit geringem CO2-Ausstoß zu produzieren.
Das Projekt basiert einer neuen von Nel ASA entwickelten Wasserelektrolyseur-Technologie, die im bestehenden Werk von Yara in Porsgrunn getestet wird. Ziel ist es, Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, der in die bestehende Ammoniakanlage eingespeist wird, die entweder zur Düngemittelherstellung oder als grünes Ammoniak verwendet wird. Das Projekt wird vom norwegischen Forschungsrat, Innovation Norway und Enova im Rahmen des PILOT-E-Programms unterstützt, einem Förderprogramm, das die Entwicklung und Implementierung grüner Energietechnologien beschleunigen soll. Yara will Marktführer für die Produktion von grünem Ammoniak und kohlenstoffarmen Düngemitteln werden.

Der norwegische Staat hielt im Mai 2019 einen Anteil von 36, 21 Prozent an Yara International ASA. 

Finden Sie hier mehr Informationen zu Yara International ASA.

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