Norwegischer Handel besorgt: Grenzhandel auf Rekordniveau

Norwegische Einkaufszentren lassen Einkäufer auf ihren Shopping-Touren nach Schweden links liegen. Zu teuer.©BPN

Oslo, 28. August 2019. Immer mehr Norweger reisen zum Einkauf über die Grenze. Nach Angaben des norwegischen Statistikamtes SSB wuchs der Grenzhandel vom dritten Quartal 2018 bis zweite Quartal  2019 um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Norweger brachten Waren für 16,6 Milliarden NOK nach einem Kurztrip ins Ausland, vor allem nach Schweden, nach Hause, 1,5 Milliarden NOK mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Handel und Wirtschaft sind besorgt: Dem Land entgehen damit Umsatz, Arbeitsplätze und Steuern sowie die Möglichkeit, Einfluss auf den Einkauf gesunder Produkte zu haben.  

Die Zahl der Reisen stieg vom dritten Quartals 2018 bis einschließlich des zweiten Quartals 2019 um 14 Prozent auf  9,2 Millionen Tagestouren. Durchschnittlich brachten die norwegischen Einkäufer von einem Trip Waren im Wert von 1.796 NOK mit, etwa 70 NOK weniger als im Vorjahreszeitraum.

Entwicklung der jährlichen Umsätze im Grenzhandel@SSB

Bei der Grenzhandelserhebung handelt es sich um eine Stichprobenerhebung, was bedeutet, dass mit den veröffentlichten Zahlen Unsicherheiten verbunden sind, teilt SBB mit.

“Der schwedische Handel kann nur begrüßen, dass wir im Grenzhandel ein fast zweistelliges Wachstum verzeichnen. Die norwegische Steuerpolitik bringt Arbeitsplätze und Wertschöpfung über die Grenze. Die Norweger fahren über 9,2 Millionen Mal über die Grenze, um einzukaufen. Die norwegische Gebührenhöhe ist ein Sponsoring für den schwedischen Handel”, sagt Harald Jachwitz Andersen, Direktor der Handelsvereinigung Virke. Zu den Wareneinkäufen kämen der digitale Grenzhandel und Übernachtungen dazu, die in den Zahlen von Statistics Norway nicht enthalten sind, heißt es weiter in einer Pressemitteilung des Handelsverbandes. Der Einkauf über der Grenze führe häufig zu großen Einkäufen von ungesunden Waren, was der norwegischen öffentlichen Gesundheit nicht dienlich sei. Die Regierung müsse sich dringend mit der Höhe der Gebühren befassen, um die Kontrolle über die Gesundheitspolitik zu erlangen. Es gehe um Einnahmeverluste für den norwegischen Staat und nicht zuletzt um den Verluste norwegischer Arbeitsplätze.

Die hohe norwegische Steuerbelastung verteuere die Herstellung und den Verkauf von Nahrungsmitteln und Getränken in Norwegen verglichen mit Schweden. Dies führe zu einem anhaltenden Wettbewerbsnachteil für die norwegischen Lebensmittel- und Getränkehersteller. Die Erhöhung der Sondersteuern auf Schokoladen- und Zuckerprodukte im vergangenen Jahr habe den Wettbewerbsnachteil für einen großen Teil der norwegischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie bereits dramatisch verschärft.

“Die starke Zunahme des Grenzhandels in den letzten 12 Monaten sollte daher ein klares Signal an die Regierung sein, die Steuererhöhungen für Schokolade und Süßwaren im Staatshaushalt für 2020 zurückzunehmen. Die höhere Mehrwertsteuer für Lebensmittel und Getränke in Norwegen wird direkt vom ohnehin schon himmelhohen Grenzhandel getrieben”, erklärte  Petter Haas Brubakk, Vorsitzender der Abteilung Nahrungsmittel des Unternehmerverbandes NHO.

“Das Ausmaß der Handelsverluste nach Schweden ist mittlerweile so groß, dass sich dies strukturell und langfristig negativ auf die Lebensmittel- und Getränkeindustrie in Norwegen auswirkt, und es sind umgehende Maßnahmen der norwegischen Behörden erforderlich”, so Brubakk weiter.

Sowohl die Produktsteuern als auch die Lebensmittelumsatzsteuer müssen an die internationale Wettbewerbssituation der Lebensmittel- und Getränkeindustrie angepasst werden. NHO Food and Beverage gehe davon aus, dass die Regierung dies im Staatshaushalt für 2020 regeln wird.

Im Storting-Bericht über die norwegische Handelsindustrie vom November 2018 hatte  die Regierung die Einführung eines Grenzhandelsbarometers angekündigt. Ziel des Grenzhandelsbarometers ist es, nicht nur zu erfahren, wie viel Norweger einkaufen, sondern auch, was sie kaufen. Der Handelsverband Virke fordert die zügige Einführung eines solchen Barometers.

Die beliebteste Einkaufsdestination der Norweger war 2018 Strömstad, die erste schwedische Stadt an der E 6 von Oslo nach Göteborg.

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