Über 2.000 Zugausfälle in 15 Tagen – Chaos bei der norwegischen Bahn

Die Geduld der norwegischen Bahnreisenden wird seit Jahren auf eine unendliche Probe gestellt. Daran wird die radikale Eisenbahnreform nichts verändern.©Pressedienste

Oslo, 23. August 2019. Auf der Strecke zwischen Loenga und Bekkelaget in Oslo stehen bei der Østfoldbanen wegen eines Signalfehlers, dessen Ursache lange nicht gefunden wurde, die Signale auf “Rot”. Nichts ging mehr. Darüber hinaus kam es bei der Drammenbanen auf der Strecke nach Drammen mit ihren Fortsetzungen nach Göteborg, Skien, Stavanger und Bergen zu massiven Störungen. Hauptsächlich wegen Signalproblemen sind in den Wochen 32 und 33 über 2.000 Züge ausgefallen. Die Reisezüge des Fernverkehrs und die Güterzüge konnten teilweise umgeleitet werden. Hinzu kommen Hunderte von verspäteten Zügen. Auch ergaben sich Schwierigkeiten, die erforderlichen Ersatzbusse zu organisieren. 

Zwar ist der Fehler inzwischen gefunden, dessen Behebung allerdings braucht Zeit. Zusätzlich zu den Herausforderungen auf der Østfold-Bahn habe es in den letzten zwei Wochen eine Reihe von Einzelfällen auf der Bahn gegeben, die sich auf die Pünktlichkeit auswirkten, teilte Bane Nor, die heutige Vy, mit. Dazu hätten Personen auf der Strecke, Stromausfälle und Blitzeinschläge gehört. Dies habe zu mehr Zugstreichungen und Verspätungen als normal geführt.

Hinweis zum Schienenersatzverkehr auf vielen Bahnhöfen©Pressedienste

Wie in Schweden wurde auch in Norwegen die Bahninfrastruktur über Jahrzehnte vernachlässigt. Die Bevölkerung des Großraums von Oslo ist daran gewöhnt, dass im Sommer über sechs Wochen der Bahnbetrieb wegen Sanierungsarbeiten auf mehreren Linien eingestellt wird und sie mit Schienenersatzverkehr per Bus leben müssen. Nicht gewöhnen wollen sich die Reisenden aber an die massiven Störungen an der gerade erst „verbesserten“ Infrastruktur nach der Wiederaufnahme des Betriebes. Noch nie traten so massive Störungen auf wie diesmal. Die Situation gleicht einer Bankrotterklärung des Infrastrukturbetreibers Bane Nor und zeigt, wo die wirklichen Probleme liegen. Nämlich nicht im Versagen der bisherigen Norges Statsbaner, sondern beim Ausbau der Infrastruktur.

Insbesondere die Signalsysteme sind veraltet. Die Arbeiten an einem neuen digitale Signalsystem ERTMS, das europäische Technologiekonzerne in Norwegen aufbauen werden, sind zwar im Gange, aber sie brauchen Zeit. 

Auch die künftigen Reisezüge der englischen Go Ahead und der Svenska Järnvägar, die als Folge der norwegischen Eisenbahnreform schon bald zum Einsatz kommen, werden liegen bleiben, wenn wie häufig die Infrastruktur versagt. 

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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