Mit dem Luxuszug “Zarengold” nach Nord-Norwegen

Der elegante Speisewagen von “Zarengold”©Lernidee Erlebnisreisen GmbH

Zu den schönsten Eisenbahnlinien Europas zählt die 1.450-Kilometer-lange- Murmanbahn von Sankt Petersburg nach Murmansk, der eisfreien Hafenstadt im hohen Norden von Russland, die bis 1991 militärisches Sperrgebiet war. Die Strecke dient hauptsächlich dem Güterverkehr und wird nur von wenigen Reisenden aus dem Westen befahren. Auf Initiative der Lernidee Erlebnisreisen GmbH in Berlin soll sich das ändern. Die Reise wird zudem von weiteren Reisebüros angeboten. 

Im Juni fuhr der erste Extrazug bestehend aus zehn Wagen des Typs “Zarengold” mit 91 Reisenden aus sieben Ländern und zahlreichem russischen Personal von Sankt Petersburg nach Murmansk. Die komfortablen Fahrzeuge dienten einst der sowjetischen Regierung. Die Köche der beiden Speisewagen wurden in der Schweiz ausgebildet. Unterwegs lernen die Touristen nicht nur die Schönheiten der Natur kennen. Mit Vorträgen wird über die Bewohner und die Entwicklung der Arktis informiert. Nicht unerwähnt bleiben die vielen Gulags, die unter Stalin im Norden erbaut werden mussten. Auf seiner Fahrt legt der “Zarengold” mehrere Halte ein. So in Petrosawodsk, wo die Reisenden die Insel Kischi im Onegasee besuchen, wie auch in Kem am Weissen Meer. Von dort können die Klöster und Kirchen der Solowezki-Inseln besucht werden. Dort wurde das erste sowjetische Gulag-Gefangenenlager eingerichtet.

Die Weiterfahrt von Murmansk, der Endstation des Extrazuges, erfolgt mit Bussen nach Kirkenes in Nord-Norwegen. Dort haben die Reisenden die Möglichkeit, mit einem Schiff von Hurtigruten nach Bergen zu fahren, an einer Kreuzfahrt nach Spitzbergen teilzunehmen oder nach Oslo zu fliegen. Die Reise gehört zur oberen Preisklasse und bleibt westlichen Fahrgästen vorbehalten. Die höchste Schlafwagenkategorie “Bolschoi” bietet Abteile mit eigener Toilette, Waschbecken und Dusche. Wegen des hohen Platzbedarfs befinden sich in diesen Luxuswagen gerade einmal sechs Abteile. 

Anfang der 90-er Jahre fuhr ein Extrazug bis zur russischen Industriestadt Nikel direkt an der norwegischen Grenze.©Jürg Streuli

Die Vorbereitungen für den Einsatz von “Zarengold” nach Murmansk haben  eineinhalb Jahre gedauert. Das Angebot für die erste Fahrt war innerhalb weniger Tage verkauft. Nächstes Jahr sollen zwei Züge fahren, bis 2021 dann vier. Kurzlebige Versuche, den norwegischen und russischen Norden für touristische Angebote gemeinsam zu vermarkten, gab es schon früher. Zu Beginn der 1990er Jahre fuhr in der Sommersaison ein norwegischer Katamaran nach Murmansk. Damals, nach dem Ende der Sowjetunion, gelang es einer englischen Gesellschaft, einen Extrazug bis nach Nikel direkt an der norwegischen Grenze zu organisieren. Immer wieder diskutiert wird die Verlängerung von Hurtigruten nach Murmansk. Ebenso der Anschluss von Kirkenes an das russische Eisenbahnnetz. Letzteres ein wohl aus militärischen Gründen unrealistischer Wunsch.

Jürg Streuli, Fachjournalist
juerg.streuli@swissonline.ch

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