Konsortium plant Energieverteilerkreuze in der Nordsee

Karte möglicher Energie-Verteilerkreuze in der Nordsee©NSWPH

Hamburg, 19. Juli 2019. Das internationale Konsortium North Sea Wind Power Hub (NSWPH) will in der Nordsee künstliche Inseln für Energieverteilerkreuze schaffen. In Hamburg haben die Partner  die Ergebnisse der Bewertungsphase des Projekts vorgestellt. Ziel des Konsortiums ist der Ausbau und die Integration von Offshore-Windenergie in küstenfernen Nordseegebieten im großen Maßstab zu geringstmöglichen Kosten für die Gesellschaft und fortgesetzt hoher Versorgungssicherheit.

Partner des Konsortiums sind der Hafen von Rotterdam, der niederländisch-deutscher Stromnetzbetreiber TenneT, das niederländische Staatsunternehmen Gasunie und der dänische Übertragungsnetzbetreibers Energienet. 

In den vergangenen Monaten hat das Konsortium die Möglichkeiten und Bedingungen für den Bau eines oder mehrerer Windenergie-Verteilkreuze in der Nordsee analysiert. Das Konsortium führte eine Vielzahl von Studien durch, untersuchte verschiedene Szenarien und führte intensive Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern, führenden Offshore-Windparkentwicklern und Nichtregierungsorganisationen (NRO).

Die Untersuchungen des Konsortiums sollen dazu dienen dazu, die Klimaziele des Pariser Abkommens rechtzeitig zu erreichen und auf aktuelle Energie- und Klimavereinbarungen z.B. in den Niederlanden und Dänemark sowie auf den deutschen Ausstieg aus Kernenergie und Kohle zu reagieren.

Das Konsortium veröffentlichte folgende Untersuchungsergebnisse:

  • Das Windenergie-Verteilkreuzkonzept ist technisch umsetzbar.
  • Ein schrittweiser Ausbau von Verteilkreuzen von 10 bis 15 Gigawatt ist der nächste logische Schritt in Richtung eines großen Ausbaus der Offshore-Windenergie.
  • Das erste Windenergie-Verteilkreuzprojekt wird voraussichtlich rein elektrisch mit dem landseitigen Netz verbunden und zusätzlich landseitig um eine Strom-in-Gas-Umwandlung (Power-to-Gas) ergänzt werden, um die Flexibilität des Energiesystems zu gewährleisten. Das Projekt könnte in den 2030er Jahre in Betrieb gehen.
  • Es erscheint möglich, ein erstes Windenergie-Verteilkreuzprojekt innerhalb des aktuellen rechtlichen Rahmens und Marktdesigns, d. h. der aktuellen Gesetzgebung auf nationaler Ebene und EU-Ebene aufzubauen. Jedoch sind erhebliche Anpassungen der nationalen Verfahrensweisen, Ansätze, Planungs- und anderer Richtlinien erforderlich, um international integrierte Infrastrukturprojekte zu ermöglichen wie das modulare Verteilkreuz-Konzept als Teil einer langfristigen Energiewende für Europa.
  • Allen internationalen Studien und Szenarien zufolge reicht die aktuelle Ausbaurate in Europa von Offshore-Wind nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Ein beschleunigter und großangelegter Ausbau ist notwendig.
  • Da die Nordsee ein großes Potenzial für Offshore-Windenergie birgt, kann die Umsetzung von 180 Gigawatt Offshore-Wind bis 2045 durch den Ansatz des Konsortiums erreicht werden.
  • Ein international koordinierter Ansatz könnte Anschluss und Integration groß angelegter Offshore-Windenergie effektiver und mit erheblich geringeren Kosten umsetzen als bei einer fortgesetzt individuellen nationalen Planung.
  • Eine langfristige Marktsicherheit für alle Interessensträger (Stakeholder) ist notwendig, um in die erforderlichen Lieferketten zu investieren und diese aufzubauen.
  • Dringende Vereinbarungen zur Entwicklung nachhaltiger Energie aus Offshore-Windenergie für den Zeitraum nach 2030 sind nötig.
  • Das Konsortium hat Gespräche und Diskussionen mit Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NRO), politischen Entscheidungsträgern und der Industrie aufgenommen: Enge Zusammenarbeit und Unterstützung sind ebenso erforderlich, wie Konsultationsprozesse und internationale Vereinbarungen.
  • Appell an politische Entscheidungsträger, Raum- und Entwicklungsplaner zur Findung ausgewogener Entscheidungen, bei denen Umweltbeeinträchtigungen des Offshore-Windenergieausbaus gegen dessen technisch-ökonomische Auswirkungen und die Dringlichkeit der Erreichung der langfristigen Klimaziele abgewogen werden.
  • Die Nutzung der Strom-in-Gas-Umwandlung und -Übertragung in Kombination mit der Kopplung mit anderen Sektoren wird vorteilhaft für das Gesamtenergiesystem sein.

Aufgrund einer Vielzahl an gewonnenen Erkenntnissen und detaillierterer Analysen habe sich das ursprüngliche Konzept eines einzelnen, sehr großen Verteilkreuzes in der Mitte der Nordsee zu einem schrittweisen Aufbau kleinerer Verteilkreuze entwickelt, teilt das Konsortium mit. Diese könnten jeweils am besten auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnitten und Umwelteinflüsse reduziert werden. Die optimale Kapazitätsgröße eines Windenergie-Verteilkreuzes wurde mit 10 bis 15 Gigawatt ermittelt, um gleichzeitig auch substanzielle Interkonnektorverbindungen zu ermöglichen. Eine größere Kapazitäts-Auslegung würde ein anderes Anschlusskonzept für Offshore-Windparks mit längeren Bauphasen, erhöhten Kosten sowie erhöhtem Planungs- und Finanzierungs-Risiko bedeuten.

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