Schwedische Staatsbahnen gewinnen Verkehrspaket 2 in Norwegen

Die Ausschreibung des Verkehrspaketes 1 gewann im vergangenen Jahr die britische Gesellschaft Go Ahead Norge AS, Verkehrspaket 2 wird ab Juni 2020 von den Schweden betrieben.©Jernbanedirektorat

Stockholm/Oslo, 19. Juni 2019. Die staatlichen schwedische Eisenbahnen Svenska Järnvägar haben in Norwegen das Verkehrspaket 2, Trafikpakke 2, gewonnen. Die norwegische Staatsbahnen Vy, ehemals NSB, haben damit auch die zweite Ausschreibung verloren. Die teure Umfirmierung blieb wirkungslos. Gemäss Kirsti Slotsvik, der Präsidentin des Jernbanedirektorates, haben die beiden Gesellschaften ebenbürtige Angebote vorgelegt. Den Ausschlag habe der um 28 Prozent günstigere Preis der Schweden gegeben.

Allerdings wird mit dieser eindimensionalen Fokussierung der Mitte-Rechts-Regierung die landeseigene Bahngesellschaft nach 140 Jahren in Richtung Untergang gedrängt. Damit macht sich Norwegen von ausländischen Anbietern abhängig. Das Trafikpakke 2 ist wesentlich umfangreicher als das erste Verkehrspaket, das die englische Go Ahead im vergangenen Jahr gewonnen hat.

Beginnend im Juni 2020 umfasst die Laufzeit für das Verkehrspaket 2 acht Jahre mit der Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Der Vertrag beinhaltet folgende Strecken:

  • Nordlandsbanen (Trondheim–Bodø)
  • Dovrebanen (Oslo–Trondheim)
  • Rørosbanen (Hamar–Støren)
  • Trønderbanen (Trondheim– Steinkjer)
  • Meråkerbanen (Trondheim–Storlien)
  • Raumabanen (Dombås–Åndalsnes)
  • Saltenpendelen (Bodø–Rognan)

“Wir gratulieren SJ zum Sieg. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass wir sehr enttäuscht sind. Dies bedeutet, dass wir ab dem nächsten Sommer sieben wichtige Abschnitte mit langer Tradition und Stolz verlieren werden, angetrieben von großartigen Mitarbeitern mit großem Engagement für die Kunden und die Strecken, auf denen sie fahren”, erklärte Vy-Vizepräsident Arne Fosen. Für Vy verbleiben noch die Bergensbanen, Gjøvikbanen, Vestfoldbanen und Østfoldbanen sowie der Nahverkehr in der Region Oslo. Die prestigeträchtige Bergensbanen soll im Herbst dieses Jahres ausgeschrieben werden. Nicht ausgeschrieben wird die Flåmsbana.

“Dies ist ein trauriger Tag für die gesamte Vy Group”, sagt CEO Geir Isaksen. “Aber die Enttäuschung, das Paket Nord verloren zu haben, entmutigt uns nicht. Bei uns verbleiben weiterhin 87 Prozent aller Zugfahrten, die derzeit von Vy durchgeführt werden. Darüber hinaus sind wir Norwegens größtes Busunternehmen. Wir werden mit voller Kraft an den bevorstehenden Wettbewerben sowohl im Bus- als auch im Zugverkehr teilnehmen.”

Noch in diesem Jahr wird das Verkehrspaket 3 West ausgeschrieben.

Die Sieger der Ausschreibungen mieten für den Betrieb der Strecken die  bisherigen und neu gestalteten Fahrzeuge. Diese werden Vy entzogen und von der staatlichen Norske tog verwaltet.

Die schwedische Eisenbahngesellschaft bedient schon heute die Strecken Stockholm-Narvik und Stockholm-Oslo. Im Bild ein Zug der SJ auf dem Bahnhof Göteborg.©Kasper Dudzik, SJ

SJ Norge ist eine norwegische Tochter des größten schwedischen Personenverkehrsunternehmens SJ. SJ ist zu 100 Prozent im Besitz des schwedischen Staates. Das Unternehmen betreibt in Norwegen bereits den Zugverkehr zwischen Stockholm und Narvik sowie zwischen Stockholm und Oslo.

Die ehemaligen NSB wurden in nicht weniger als sechs Direktorate aufgeteilt. Es ist höchst fraglich, ob die neoliberale Eisenbahnreform unter dem Strich kostengünstiger ausfallen wird.

Jürg Streuli, Fachjournalist Transport und Logistik
juerg.streuli@swissonline.ch

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