GTAI veröffentlicht Branchencheck zu Norwegen

Stockholm, 17. Juni 2019 (von Michal Wozniak, GTAI). German Trade & Invest hat eine Einschätzung zur Entwicklung verschiedener Branchen in Norwegen veröffentlicht:

Maschinenbauindustrie: Starke In- und Auslandsnachfrage

Der norwegische Maschinenbau profitiert vom erwarteten Investitionswachstum der heimischen Wirtschaft. Von der Öl- und Gasindustrie wird für 2019 eine hohe Nachfrage nach Anlagen erwartet, die 2020 wieder abnehmen wird. Positive Impulse kommen auch aus dem Ausland: Die Maschinenexporte legten im 1. Quartal 2019 um 37 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zu. Mehr als verdoppelt hat sich von Januar bis März 2019 die Nachfrage nach norwegischen Flugzeugmotoren, Wälzlagern, Metallverarbeitungsmaschinen sowie Luft- und Gaspumpen.

Chemieindustrie: Batterie-Großfabrik geplant

Ein „Gigaprojekt“ zeichnet sich im zentralnorwegischen Mo i Rana ab. Der Vizepräsident des Internationalen Wasserkraftverbandes (IHA), Torstein Dale Sjotveit, will dort mit seinem neuen Unternehmen Freyr AS eine Batteriefabrik für über 3,5 Milliarden Euro bauen. Bis die jährliche Produktion von Stromspeichern mit einer Kapazität von 32 Gigawattstunden überhaupt realistisch erscheint, benötigt das Projekt Kapitalgeber. Um die Energieversorgung zu sichern, muss auch ein Windpark in Sjonfjellet erweitert werden. Die zuständigen Selbstverwaltungen von Rana und Nesna lehnen die Erteilung einer entsprechenden Erlaubnis bisher aber ab.

Energiewirtschaft: Windenergie auf dem Vormarsch

Mangels Niederschlag hat sich der Preis für den hauptsächlich aus Wasserkraft gewonnenen Strom zwischen 2017 und 2018 nahezu verdoppelt. Im Sommer 2018 wurde Norwegen sogar zum Nettostromimporteur. Der Windenergieausbau soll Abhilfe schaffen. Zwischen 2018 und 2021 soll die Produktion auf 15 Terrawattstunden (TWh) vervierfacht werden. Langfristig könnten 45 TWh erreicht werden. Neben dem Ausbau des nationalen Stromnetzes werden auch die Untersee-Stromtrassen ins Vereinigte Königreich sowie nach Deutschland ausgebaut. Die Branche wird 2019 voraussichtlich rund 4,3 Milliarden Euro investieren, 2020 wird es mit erwarteten 3,5 Milliarden Euro deutlich weniger sein.

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Bauwirtschaft: Infrastruktur wird ausgebaut

Der Wohnungsbau scheint sich nach dem Krisenjahr 2018, in dem die Zahl neu gebauter Wohnungen um 11 Prozent sank, langsam zu erholen. Zwischen Januar und April 2019 wurden Vorhaben mit einem Umfang von knapp 11.000 Wohnungen begonnen, nahezu ein Zehntel mehr als im Vorjahreszeitraum. Gute Geschäftschancen eröffnen sich im Infrastrukturbau. Die für den Straßenbau zuständige Behörde Nye Veier stellt für 2019 Ausschreibungen im Wert von 2,3 Milliarden Euro in Aussicht. Sehen Sie hier laufende und geplante Projekte ein.

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Gesundheitswirtschaft: Neue Krankenhäuser geplant

Die norwegische Gesundheitswirtschaft erzielte 2018 einen Umsatz von knapp 15 Milliarden Euro. Davon entfielen jeweils etwa ein Fünftel auf Medizintechnik und Pharma. Bereits seit 2014 setzt die Regierung auf ihre Strategie HelseOmsorg21, die sich auf Forschung und Entwicklung, digitale Gesundheitsleistungen, aber auch auf die Modernisierung traditioneller Anlaufstellen für Patienten konzentriert. Mehrere Krankenhäuseraus- und -neubauten befinden sich in der Planungsphase, unter anderem in Oslo, Aker, Gaustad, Hjelset und Narvik. Die Kosten der Vorhaben liegen bei jeweils mehreren hundert Millionen Euro.

Fischerei: Kampf gegen Algenblühen

Für norwegische Lachszüchter wird das Jahr 2019 zum Alptraum: Grund ist das starke Algenblühen. Nach Angaben der Fischereibehörde verendeten bis Mitte Mai 2019 rund 10.000 Tonnen der Exportspezialität. Anfang 2019 wurden neben der Freigabe als Futtermittel in der Fischzucht auch erstmals Fanglizenzen für 254.000 Tonnen der Planktonart Calanus finmarchicus vergeben. Im Sommer wird eine neue Meeresstrategie der Regierung vorgestellt, die Barrieren in der Fischerei abbauen soll. MariCulture AS investiert 155 Millionen Euro in acht neue Lachsfarmen.

Öl/Gas: Warten auf neue Lizenzen

Bis zum 27. August 2019 können sich Firmen um 90 neue Förderlizenzen bei der norwegischen Mineralölbehörde (NPD; http://www.npd.no) bewerben. Anfang 2020 soll bekanntgegeben werden, wer die Zuschläge erhält. Laut einer Umfrage des norwegischen Statistikamtes SSB könnten sich die Investitionen der Öl- und Gasindustrie 2019 auf 19 Milliarden Euro und 2020 auf 18 Milliarden Euro belaufen. In den Folgejahren werden die Investitionen voraussichtlich weiter leicht zurückgehen. NPD führt dies auf sinkende Erschließungskosten und kleinere Förderstellen zurück. Im Fokus stehen statt neuer Plattformen zusätzliche Bohrungen.

Kfz-Markt: Spitzenreiter in Europa

Der norwegische Pkw-Markt startete erfolgreich in das Jahr 2019. Im 1. Quartal 2019 stiegen die Neuzulassungen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 38.500 Einheiten. Im europäischen Vergleich aber bleibt der norwegische Markt winzig, die Neuwagenverkäufe machen noch nicht einmal 1 Prozent der Neuwagenverkäufe in der Europäischen Union aus. Zeitgleich wurden in keinem anderen europäischen Markt mehr batterieelektrische Autos (BEV) zugelassen als im hohen Norden. Trotz Einschränkung der Fördermittel und Verkehrsvorteile verdoppelten sich die BEV-Verkäufe nahezu. Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybride können da nicht mithalten. Volkswagen bleibt die beliebteste Marke.

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