Ehrgeiz und Innovation zur Nor-Shipping 2019 in Lillestrøm

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Oslo, 6. Juni 2019. Es waren diesmal nicht die Norweger, die auf der internationalen Schiffbaumesse Nor-Shipping in Lillestrøm alle Preise für Innovationen abräumten. Der “Next Generation Ship Award” ging an Russland, konkret an das Schiff Gagarin Prospekts. Es ist der erste Shuttle-Tanker weltweit, der ausschließlich mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben wird. Das Schiff der russischen Reederei Sovcomflot ließ damit sogar das vollelektrische, autonome Containerschiff Yara Birkeland, der Star der norwegischen Schifffahrt, das sich ebenfalls um den Preis bemüht hatte, hinter sich.

Norwegens Industrieminister Torbjørn Røe Isaksen überreichte den begehrten Preis in Anwesenheit des norwegischen Königs Harald V. an Sergey Frank, Präsident und CEO der russischen Reederei Sovcomflot.

Sergej Frank, CEO von Sovcomflot, bei seiner Dankesrede für die Auszeichnung der des Tankers Gagarin als Schiff der nächsten Generation.©Sovcomflot

Nicht so sehr die technische Ausstattung beeindruckte die Jury, sondern vielmehr die Tatsache, dass Gagarin Prospekts in einer Zeit bestellt wurde, da noch nicht abzusehen war, wie sich die  Infrastruktur für LNG-Schiffe weiter entwickeln würde. “Das Schiff wurde bestellt, ohne dass eine langfristige Planung möglich war. Das machte die  Entscheidung zu einer Pionierleistung, die nach Ansicht vieler Jurymitglieder die Ethik der ‚Next Generation Award‘-Kriterien voll und ganz erfüllen”, erklärte Malcolm Latarche, Vorsitzender der Jury.

Gagarin-Prospekts wurde im Juli 2018 von Hyundai Samho Heavy Industries in Südkorea geliefert und ist seit Oktober 2018 für Shell in Betrieb. Gegenwärtig hat Sovcomflot sechs solcher Aframax-Tanker in Betrieb und weitere fünf LNG-Tanker im Bau.

„Es war eine atemberaubende Vorauswahl für dieses erste Jahr unserer kombinierten Auszeichnung, die den Grad an Ehrgeiz und Innovation unter Beweis stellt, der den modernen Schiffbau auszeichnet. Ich glaube, wir haben in Gagarin Prospect einen würdigen Gewinner. Aber alle diese Schiffe werden zweifellos auf dem breiteren Markt Gewinner sein – was neue Standards für effiziente, produktive und umweltorientierte Schifffahrtsanlagen schafft”, sagte Nor-Shipping-Direktor Per Martin Tanggaard.

Deutsche Unternehmen stehen bei bei der Vergabe von Preisen für innovative Schiffe gewöhnlich nicht auf der Kandidatenliste. Dabei steckt in vielen dieser Projekte, die wegen besonders umweltfreundlicher Lösungen im Rampenlicht stehen, deutsches Know-how. Für die erste elektrische Fähre Color Hybrid, die auf der Nor-Shipping zum „Schiff des Jahres“ 2019 gekürt wurde, hat Siemens zum Beispiel die Batterielösung zugeliefert, entwickelt in der neuen Batteriefabrik in Trondheim. Siemens war bei der Entwicklung des ersten Fischereikutters Karoline ebenso beteiligt wie an der ersten elektrischen Fähre Ampere.

Der Siemens-Stand auf der Nor-Shipping stand unter dem Motto „Blue is the New Green“©BPN

Auf dem deutschen Pavillon in Halle C hatte das Technologieunternehmen dementsprechend den größten Stand. Batterielösungen für die elektrische Schifffahrt standen im Mittelpunkt der Ausstellung.

26 deutsche und ein norwegisches Unternehmen stellten in diesem Jahr unter dem Dach der AHK Norwegen ihre Produkte und Dienstleistungen vor – so viele wie noch nie. Die meisten von ihnen waren traditionelle Zulieferer der internationalen Schifffahrt, unter ihnen zahlreiche Mitglieder des Maritimen Clusters Norddeutschland, aber auch einige Neulinge.

Vegard Isaksen, Business Developer des norwegischen Unternehmens Documaster, entschied sich für eine Ausstellung am deutschen Gemeinschaftsstand, weil er in der Zusammenarbeit mit Deutschland ein großes Potenzial sieht. Das Tech-Start-up bietet technische Dokumentationen für die maritime Wirtschaft. Nachdem der Einstieg vor fünf Jahren auf dem norwegischen Markt gelungen ist, will Isaksen nun global agieren.

Die Drahtseilwerk GmbH, ein Unternehmen der Vom Hofe Group, Bremerhaven, bemüht sich um den Einstieg in den norwegischen Markt. Zwar würden die Drahtseile bereits in Norwegen verwendet, erklärt Tobias von Glahn, Junior Key Account Manager. Allerdings würden sie über Händler vertrieben. Nun möchte das Unternehmen direkt in Norwegen vertreten sein. In Dänemark, Finnland und Schweden hat das Drahtseilwerk bereits einen guten Kundenstamm. Von Glahn hofft, dass dieser auch in Norwegen aufgebaut werden kann.

Auch Claudia Arauner, zuständig für Business Development der EPAK Automatic Satellite Tracking Systems, ist ein Neuling auf der Messe. Das Unternehmen liefert Satellitenantennen weltweit für Yachten, Werften, Reedereien und verschiedene andere Firmen. Nun soll mehr auf dem norwegischen Markt passieren. Die Nor-Shipping sei dafür ein guter Ansatzpunkt, so Arauner.

Silvia G. Belina, Director VM Marineparts, Region Central Europe, der DB Schenker Logistics, ist beeindruckt von der Größe der Messe. DB Schenker kenne jeder, so Belina. Aber die Angebote des Bereichs Marineparts müssten noch bekannter gemacht werden, auch in Norwegen. Das Unternehmen liefert IT-Lösungen speziell für die maritime Industrie.

Hauke Viktor Schlegel, Managing Director der German Marine Equipment and Systems des VDMA, hofft auf eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen im maritimen Bereich. “Wir brauchen die norwegischen Erfahrungen, auch, um der asiatischen Konkurrenz zu begegnen”, sagte er auf einer Pressekonferenz.

Gegenwärtig seien die etablierten Märkte nicht die Treiber für die Auftragsvergabe. Zulieferer müssten neue Kunden in Asien und im Nahen und Mittleren Osten mit Angeboten überzeugen, die genau deren Anforderungen entsprechen. Dies erfordere die weitere Digitalisierung der Branche ebenso wie den weiteren Ausbau der Angebote für grüne Lösungen. Die deutsche Industrie unterstütze vor allem die weitere Einführung von LNG in der Schifffahrt mit dem Projekt der Produktion von synthetischem Kraftstoff. auf der Basis von Power-to-X.

Der neue Geschäftsführer der AHK Norwegen, Michael Kern, nutzte die Nor-Shipping zum Gespräch mit Ausstellern und Besuchern.©BPN

Norwegen ist nach China und Südkorea der wichtigste Markt für deutsche Hersteller im Bereich maritime Ausrüstungen. Deutsche Werften gehören zu den größten Abnehmer norwegischer Waren im maritimen Bereich. Man könne davon ausgehen, so Schlegel, dass in jedem Schiff, das auf einer norwegischen Werft gebaut wird, etwa 30 Prozent an deutschen Komponenten steckt.

Und hinter den Komponenten stecken Ehrgeiz und Innovation. JF

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