Schienengüterverkehr in Norwegen vor dem Kollaps

Die Weiterführung des Schienengüterverkehrs in Norwegen steht auf der Kippe. Das würde für Strecken wie die Nordlandsbahn nach Bodø das Ende bedeuten.©Øyvind Svärd

Oslo, 9. Mai 2019. Dem Güterverkehr auf der Schiene droht in Norwegen noch in diesem Jahr das Ende. Cargonet als hundertprozentige Tochter von VY, ehemals NSB, weist die Verkehrspolitiker seit Jahren auf die unhaltbare Situation wegen der ständigen Defizite hin. Schon im Dezember hat die Güterbahn 30 Prozent der Züge gestrichen. Seither ist allein Post Nord als größter Kunde gezwungen, 6.000 Transporte im Jahr auf der Straße statt auf der Schiene abzuwickeln.

Ebenfalls nicht rentabel wirtschaftet die 2016 gegründete Green Cargo Norge, die hauptsächlich Verkehre der gescheiterten Cargolink übernommen hat. Diese wiederum war aus der konkursiten Ofotbanen entstanden. Cargonet und Green Cargo Norge zusammen haben 2018 den Verlust von 100 Millionen NOK eingefahren. Wie Erik Røhne, Direktor von Cargonet, erklärt, ist der Weiterbetrieb mit solchen Resultaten nicht mehr möglich. Der Hauptgrund bestehe im immer stärkeren Wettbewerb durch den Straßentransport. Dieser profitiere vom ständigen Ausbau der Straßen in ganz Norwegen und könne deshalb mit immer längeren Lkw fahren. Damit werde Norwegen auch für ausländische Transporteure zunehmend lukrativer. Vom Staat werde das Kabotageverbot nicht durchgesetzt.

Ebenso pessimistisch äußert sich Bengt Fors, Geschäftsführer von Green Cargo Norge. Er verweist auf die ungenügende Stromversorgung im norwegischen Netz, welche Doppeltraktionen von Lokomotiven ausschließe und somit lediglich 1000-Tonnen-schwere-Güterzüge ermögliche. Im Gegensatz etwa zu Schweden und der Schweiz erhält der Schienengüterverkehr in Norwegen keine staatlichen Stützungsbeiträge.

Während das Schienennetz im Großraum Oslo durch Milliardeninvestitionen modernisiert wird, hat sich auf dem ausgedehnten Landesnetz nichts gebessert. Nichts geworden ist aus den Plänen, die Solørbanen und Rørosbanen als parallel verlaufende Ergänzung zur Dovrebanen zwischen Oslo und Trondheim zu modernisieren und elektrifizieren. Dies würde die Zuverlässigkeit auf der Nord-Süd-Achse enorm verbessern. In diese Liste gehört auch die ausgesetzte Elektrifizierung der Meråkerbanen und Trønderbanen. Betrug die Pünktlichkeit der Güterzüge 2017 noch 80 Prozent, sank dieser Wert 2018 auf 75 Prozent. Bei den in Oslo Alnabru abfahrenden Güterzügen sank die Pünktlichkeit von 86 auf 75 Prozent.

Sollten die beiden Güterbahnen aufgeben, wird dies in Norwegen jährlich 365.000 zusätzliche LKW-Fahrten bedeuten, 500 Angestellte verlieren ihre Jobs. Die CO₂-Emissionen erhöhen sich um 175.000 Tonnen pro Jahr. Dagegen richtet die staatliche Förderung von Elektroautos wenig aus. Bisher ist die Mitte-Rechts-Regierung nicht zu Sofortmassnahmen bereit.

Jürg Streuli, Fachjournalist Transport und Logistik

juerg.streuli@swissonline.ch

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