Auf den Spuren von Völkerschlacht, GreenTech, Edvard Grieg und Start-ups

Auf dem Weg zur Besichtigung des Biomasseforschungszentrums: Teilnehmer der diesjährigen Herbsttagung der AHK Norwegen in Leipzig. Erste Reihe, 3.v.L.AHK-Präsidentin Anne Marit Pengestolen, 1.v.l.: AHK-Geschäftsführer Norbert Pestka@BPN
Auf dem Weg zur Besichtigung des Biomasseforschungszentrums: Teilnehmer der diesjährigen Herbsttagung der AHK Norwegen in Leipzig. Erste Reihe, 3.v.r.AHK-Präsidentin Anne Marit Penengstuen, 1.v.l.: AHK-Geschäftsführer Norbert Pestka@BPN

Leipzig, 13./14 September 2018. Obwohl die alte Handelsmetropole Leipzig wenig Verbindung zu Öl und Gas und maritimer Wirtschaft hat, bestehen zwischen der größten Stadt im Freistaat Sachsen und Norwegen doch enge Beziehungen – historisch, wirtschaftlich und kulturell. Zur ihrer diesjährigen Herbsttagung hatte die AHK Norwegen ihre Mitglieder und Gäste nach Leipzig eingeladen, um das Potenzial der Zusammenarbeit zu erkunden. Insbesondere bei Green Technologies ergeben sich interessante Ansatzpunkte.

Zur Begrüßung im Ratskeller in Leipzig zählte Petter Ølberg, norwegischer Botschafter in Deutschland, einige Ereignisse und Fakten auf, die Leipzig mit Norwegen verbinden. Allen voran stünde die Völkerschlacht 1813 von Leipzig, die die Landkarte Skandinaviens von Grund auf veränderte. Norwegen wurde als Ergebnis der kriegerischen Auseinandersetzung schwedisch. “Damit war die Zukunft Norwegens entschieden”, so der Botschafter.

Auch wirtschaftliche gebe es interessante Beziehungen. Sowohl Stavanger als auch Leipzig seien von der EU gekürte Smart Cities. Im EU-Projekt Triangulum arbeiten beide Städte eng zusammen, um Lösungen und Rahmenbedingungen für die künftigen Smart Cities in Europa zu erarbeiten. Stavanger dient als eine von drei Leuchtturm-Städten als Testumgebung für innovative Projekte, die sich auf nachhaltige Mobilität, Energie, IKT und die Schaffung neuer Geschäftsmöglichkeiten konzentrieren. Leipzig kann als eine von drei Nachfolge-Städten von den Erfahrungen aus Stavanger profitieren.

Der in Leipzig produzierte BMW i3 sei im vergangenen Jahr das am meisten verkaufte Elektroauto Norwegens gewesen, erklärte der Botschafter. Und ein sportlicher Höhepunkt der deutsch-norwegischen Beziehungen sei am 13. Dezember zu erwarten. Dann treffen die Fußballklubs Rosenborg Trondheim und RB Leipzig in Trondheim aufeinandertreffen.

Anne Marit Panengstuen, Präsidentin der AHK Norwegen und CEO von Siemens Norge, ergänzte: Der berühmte norwegische Komponist Edvard Grieg hat von 1858 bis 1862 am Konversatorium in Leipzig studiert und für seine Abschlussprüfung im Gewandhaus geübt. Panengstuen schilderte außerdem, wie die Norweger Leipzig während der friedlichen Revolution in der DDR wahrgenommen haben. Leipzig umgebe ein Mythos, sagte Panengstuen. Die Montagsdemonstrationen in Leipzig hätten die Norweger voller Spannung verfolgt.

Leipzig – Boomstown und Armutshauptstadt

Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH, gab einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Leipzig und der Metropolregion Mitteldeutschland. Während sich Leipzig in den vergangenen Jahren zu einer Boomtown entwickelt habe, sei die Region um die Stadt abgehängt. Leipzig sei inzwischen ein starker Automobil- und Logistikstandort: Zwei Drittel der Porsche-Produktion sei im Leipziger Werk angesiedelt. Darüber hinaus entstünden hier der BMW i3 und der BMW i8 sowie der VW Passat. DHL habe seinen weltweit größten Hub in Leipzig und Amazon sei mit einem seiner großen Zentren in der Stadt vertreten. In Zschopau bei Leipzig stehe die fünftgrößte Raffinerie Deutschlands, Total und Dow Central Germany seien mit Chemiewerken in der Region vertreten. Trotz dieser starken Industrie sei Leipzig aber auch die Armutshauptstadt Deutschlands. Die Armutsquote liege deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Zum Abschluss seiner Übersicht fügte Tobaben den Aufzählungen der Begrüßungsredner noch einen weiteren Baustein der deutsch-norwegischen Gemeinsamkeiten hinzu: die Erforschung der Verwendung von Wasserstoff als grüner Energieträger. In Leipzig sei die Initiative Hypos East Germany angesiedelt, eines von zehn Innovationsprojekten der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufenen Förderinitiative „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“.  Die HYPOS-Initiative soll die Energiewende entscheidend beflügeln.

Innerhalb der HYPOS-Roadmap-Studie „Wasserstoffkaverne“ habe das Energieunternehmen VNG, Leipzig, die Umnutzung von Erdgas-Speicherkavernen technologisch wie genehmigungsrechtlich untersucht und die grundsätzliche Machbarkeit nachgewiesen. Nun folge die gemeinsame Begleitforschung zum Speichern von Wasserstoff in Salzkavernen. Am Erdgas-Speicherstandort Bad Lauchstädt habe das Unternehmen bereits Speichervolumen für Wasserstoff geschaffen.

In Norwegen sei die Erforschung von Wasserstoff schon weit fortgeschritten.

Einblicke in die Forschungslandschaft für Grüne Technologien

Tobias, Wirtschaftsrat der norwegischen Botschaft, erläuterte die Klimaziele Norwegens@BPN
Tobias Svenningsen, Wirtschaftsrat der Norwegischen Botschaft, erläuterte, wie Norwegen die Klimaziele erreichen will@BPN

Im Deutschen Biomasseforschungszentrum diskutierten Carl Berninghausen, sunfire GmbH, Daniel Mayer, Deutsches Biomasseforschungszentrum, Tobias Svenningsen, Norwegische Botschaft, Franziska Müller-Lange, Bereichsleiterin Bioraffinerien beim Deutschen Biomasseforschungszentrum, sowie Eric Weber, SpinLab, über Norwegens Rolle als Vorreiter bei der Elektrifizierung der Mobilität, das CCS-Projekt in Norwegen, Exportchancen grüner Technologien, Möglichkeiten der Forcierung der Energiewende, die Rolle von Start-ups bei der Digitalisierung von Prozessen im Bereich GreenTech und die Zukunft der Verflüssigung von Strom zur Erzeugung von Kraftstoffen. In einer Versuchsanlage wurde den Teilnehmer der Herbsttagung erläutert, wie feste Brennstoffe auf ihre Eignung als Brennmaterial in verschiedenen Heizgeräten getestet werden.

Vom Ortungsgerät bis zum Drohneneinsatz

Beim Besuch im SpinLab – The HHL Accelerator in der alten Leipziger Baumwollspinnerei erläuterte CEO Eric Weber die Arbeitsweise des Gründer-Zentrums. In Zusammenarbeit mit der HHL Leipzig Graduate School of Management und mehreren Unternehmen unterstützt die Initiative junge Firmengründer. Sie erhalten eine Anschubfinanzierung sowie die Möglichkeit, sechs Monate in der Fabriketage kostenlos zu arbeiten. Darüber hinaus steht ihnen ein internationales Netzwerk von Gründern, etablierten Unternehmen und führenden Investoren zur Verfügung.

Über 50 Start-ups sind gegenwärtig im SpinLab in Leipzig beheimatet@BPN
Der Leipziger Standort von SpinLab konzentriert sich auf die Themen Energie, Smart Cities und Gesundheit@BPN

Einige Gründer präsentierten sich den Besuchern: Das Start-up be on track entwickelt ein neues Ortungsgerät mit einer zehnjährigen Batterielaufzeit und starken Signalen, die auch in Gebäuden exakt empfangen werden können. deeptune sieht sich als Pionier auf dem Gebiet der Kohärenztechnologie. Das Unternehmen erforscht Möglichkeiten zur Erhöhung des Energiedurchflusses in Pipelines und anderen Röhren. Rhebo beschäftigt sich mit der Überwachung und Vernetzung von Kommunikation in Industrieanlagen. Ziel ist es, einen störungsfreien Betrieb zu gewährleisten. Flynex entwickelt Software zur Inspektion von Brücken, Windanlagen oder Strommasten mittels Drohnen.

Neue Gaswelt braucht Querdenker

Zu den Unterstützern von SpinLab gehört seit 2017 auch das in Leipzig ansässige Energieunternehmen VNG AG, das sowohl im Gashandel als auch in der Exploration in Norwegen engagiert ist. Vorstandsmitglied Hans-Joachim Polk, Mitglied des Vorstandes der Deutsch-Norwegischen Handelskammer, erläuterte die Strategie des Konzern zur Zusammenarbeit mit der Gründerszene. VNG wolle mit ihrer im vergangenen Jahr verabschiedeten Strategie „VNG 2030+“ ihr Geschäftsportfolio in den nächsten Jahren umfassend umbauen, so Polk. Im Juni dieses Jahres hat das Unternehmen sämtliche Anteile ihrer Tochtergesellschaft VNG Norge AS (VNG Norge) an Neptune Energy Norge AS verkauft. VNG wolle in der Wertschöpfungskette Gas Gestalter einer grünen, digitalen und gasbasierten Zukunft sein. In diesem Prozess seien neue Technologien zum Einsatz von Erdgas, die Emissionen reduzieren und neue Geschäftsmöglichkeiten definieren, von großem Interesse, sagte Polk. VNG konzentriere sich auf die neue Gaswelt mit Biogas, Digitalisierung, Infrastruktur und neuen Quartierlösungen. Querdenker wie im SpinLab würden einem Konzern den Spiegel vorhalten, so dass neue Wachstumsmöglickeiten identifiziert werden können.

AHK Geschäftsführer Norbert Pestka bedankte sich abschließend bei Hans-Joachim Polk, der als Mitglied des Vorstandes der Deutsch-Norwegischen Handelskammer die Organisation der Herbsttagung umfassend unterstützte. Pestka sprach auch dem Wirtschaftsrat seinen Dank aus, der vor der Herbstversammlung in Leipzig tagte. Einen Bericht zur Tagung des Wirtschaftsrates werden wir in den nächsten Tagen veröffentlichen.

 

Vor Beginn der Herbsttagung fand in der IHK Leipzig ein Seminar zum Thema “Anleitung für Ihr Projekt in Norwegen – projektbegleitendes Arbeitsrecht” statt.

 

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