Wintershall will Norwegen-Erfahrungen für globale Standards nutzen

Gjøa
Der Wintershall-Vorstandsvorsitzende Mario Mehren auf der Jahrespressekonferenz in Kassel©Wintershall/Bernd Schoelzchen

Kassel, 7. März 2018. Deutschland größtes Öl- und Gasunternehmen Wintershall ist auf Wachstumskurs und wird es weiter bleiben. Das stellte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Mario Mehren, bei der Vorstellung der Jahresergebnisse 2017 auf der Jahrespressekonferenz klar. “Wir haben gegenüber 2016  bei allen wirtschaftlichen Kennzahlen signifikant zugelegt und unsere Ertragskraft verbessert”, sagte Mehren. In Norwegen habe das Unternehmen sein Engagement weiter ausgebaut und die selbst gesteckten Ziele übertroffen.

Insbesondere das Projekt Maria, das Wintershall Ende Dezember –  ein Jahr früher als geplant und mit 20 Prozent weniger Kosten – in Betrieb genommen hatte, belege die hohe Effizienz und das Know how von Wintershall, so Mehren.

Maria ist das bisher größte eigenoperierte Offshore-Investment. Bei seinem Ziel, künftig mehr eigenoperierte Projekte zu realisieren, seien die Chancen in Norwegen besonders gut. Nach Maria sei Nova das nächste Projekt, das Wintershall eigenoperiert vorantreiben werde. Der Entwicklungsplan für Nova soll noch in der ersten Jahreshälfte 2018 an das Energieministerium übergeben werden. Genutzt werden soll bei dieser Erschließung die Infrastruktur der Plattform Gjoa. 

Gegenwärtig würden die Bohrungen zur Entwicklung der Felder Ivar Aasen und Edvard Grieg fortgesetzt, teilte das Unternehmen mit Mit Aasta Hansteen und Nova (vormals Skarfjell) sei die zukünftige Projektpipeline des Unternehmens gut gefüllt. Darüber hinaus habe das Unternehmen im Januar dieses Jahres  sechs neue Explorationslizenzen erhalten, bei drei Lizenzen fungiere Wintershall als Betriebsführer.

Auch in der Barentssee will sich Wintershall weiter engagieren. Hier hatten die bisherigen Bohrungen die beteiligten Unternehmen eher enttäuscht. Die Exploration in der Region befinde sich noch in einer frühen Phase, sagte Martin Bachmann, zuständiges Vorstandsmitglied für Exploration & Produktion Europa und Middle East. Bisher seien lediglich 140 Bohrungen erfolgt – in der Nordsee dagegen gebe es weit über 1.000 Bohrungen. Für Sommer dieses Jahres habe Wintershall eine erste Explorationsbohrung in der Barentssee geplant. “Wir glauben an die Barentssee”, so Bachmann. Erwartet würden vor allem Ölfunde.

Bezüglich des Beitrages des Unternehmens zur Erreichung der Klimaziele in Norwegen sagte das Vorstandsmitglied: “Norwegen geht in vielen Gebieten, wenn es um Umweltschutz und Arbeitssicherheit geht, voran. Das ist genau der Grund, warum wir uns dort so wohl fühlen, denn das trifft unsere Philosophie.”

Als Öl- und Gasunternehmen müsse Wintershall einen Beitrag leisten, den CO2-Ausstoß so niedrig wie möglich zu halten. Beispielsweise würden in Norwegen Plattformen über Unterseekabel an die Stromerzeugung der Wasserkraftwerke angeschlossen.  “Ich glaube, dass wir als Wintershall diese Erfahrung aus Norwegen auch in die Welt hinaustragen wollen”, erklärte Bachmann. Wintershall setze aus dem, was das Unternehmen in Norwegen lerne, globale Standards. Umwelt- oder Arbeitsschutz würden nicht als Kostenpunkt, sondern als zukunftsweisender Weg nach vorn betrachtet.

Nach der geplanten Fusion mit Dea noch in diesem Jahr wird das neue Unternehmen Wintershall Dea das viertgrößte E&P-Unternehmen auf dem Norwegischen Kontinentalschelf sein.

Eine mögliche Entscheidung des Government Pension Fund Global, sich als Investor aus der Öl- und Gasindustrie zurückzuziehen, habe keine dramatischen Auswirkungen auf die Branche, sagte Mario Mehren. Dies sei eine ideologiefreie Portfoliomaßnahme.

Regionaler Schwerpunkt der Tätigkeit der Wintershall ist Russland. Von den seit längerer Zeit geltenden EU- und US-Sanktionen im Bereich Öl- und Gasindustrie sei das Unternehmen nicht betroffen, da sich diese lediglich auf Aktivitäten in der Arktis beziehen, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Die jetzt von den USA veröffentlichte Liste der Personen aus Russland, die mit Sanktionen belegt wurden, zeuge davon, dass man überhaupt nicht mehr möchte, dass man mit Russland Geschäfte macht, so Mehren. „Wir werden dem nicht folgen, sondern werden unsere Partnerschaft mit Gazprom fortsetzen.“

Wintershall ist neben Norwegen und Russland in Argentinien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libyen sowie in Deutschland im Bereich Erkundung und Förderung von Erdöl und Erdgas aktiv. In diesem Jahr will sich das Unternehmen darüber hinaus an Bieterrunden um Explorationslizenzen in Brasilien beteiligen.

Wintershall hat im vergangenen Jahr sein  Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) vor Sondereinflüssen um 53 Prozent (276 Millionen Euro) auf 793 Millionen Euro gesteigert. Das sei vor allem auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise sowie den höheren Ergebnisbeitrag auf der Beteiligung am Erdgasfeld Juschno Russkoje zurückzuführen. Darüber hinaus hätten umfangreiche Maßnahmen zur Optimierung der Explorations- und Technologieprojekte sowei die erfolgreiche Umsetzung von operativen Maßnahmen zur Kostensenkung beigetragen.

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