Bane NOR setzt Bauarbeiten bei Follobanen nach Condotte-Insolvenz fort

Die Arbeit an Follobanen in Oslo S wurde wieder aufgenommen, nachdem Bane NOR die Verträge mit den Subunternehmern der bankrotten Condotte übernommen hatte.©Bane NOR
Die Arbeit an Follobanen in Oslo S wurde wieder aufgenommen, nachdem Bane NOR die Verträge mit den Subunternehmern der bankrotten italienischen Baufirma Condotte übernommen hatte.©Bane NOR

Oslo, 30. Januar 2018. Bane NOR, Norwegens Verwalter der Bahninfrastruktur, hat die Verträge mit Condotte, Generalunternehmer des Follobanen-Projektes, aufgehoben, nachdem das italienische Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und das Projekt zu stocken drohte. Wie  Bane NOR mitteilt, werde das Unternehmen selbst die Aufgaben von Condotte übernehmen.

Mit der Auflösung der Verträge will Bane NOR die Kontrolle über die Wirtschaftschaftlichkeit des Projektes, die Qualität und den Baufortschritt unter Kontrolle behalten. Bane NOR glaubt, dass es ein größeres Risiko gegeben hätte, wenn man sich dazu entschlossen hätte, weiter mit Condotte zusammenzuarbeiten. Zentrales Interesse sei es, das Projekt Follobanen innerhalb des gegebenen Finanzrahmens und mit der entsprechenden Qualität gegen Ende des Jahres 2021 fertigzustellen.

Condotte habe in den vergangenen Monaten Rechnungen der Subunternehmer nicht bezahlt, so dass die Bauarbeiten eingestellt wurden, sagte Projektleiter Per David Borenstein. Bane NOR habe das Bauunternehmen in den letzten sechs Monaten eng begleitet und Maßnahmen zur Lösung der Probleme mit dem Management in Norwegen und Rom gefordert. Am 8. Januar dieses Jahres beantragte Condotte Insolvenzschutz beim italienischen Gericht, den es auch erhielt. Bane NOR hatte verlangt, dass die Umstrukturierung des Unternehmens den Bau der Follo Line nicht beeinträchtigt dürfe, aber Condotte stellte die Arbeiten ein.

Bane NOR übernimmt die beiden Verträge, die mit Condotte 2014 geschlossen wurden. Das beinhaltet auch die Übernahme der Verpflichtungen gegenüber den Subunternehmen. Gegebenenfalls sollen neue Verträge geschlossen werden.

„Wenn wir Verträge übernehmen, können die Arbeiten in Zusammenarbeit mit Subunternehmern innerhalb kurzer Zeit neu gestartet werden. Bane NOR bedauert, dass ausländische und norwegische Subunternehmer, die gute Arbeit geleistet haben, bei Condotte eine unsichere Zahlungssituation erlebt haben”, so Borenstein weiter.

Die italienische Firma Condotte, die in einer Reihe von Ländern tätig ist, hatte bei der Ausschreibung zum Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Oslo und Ski zwei von fünf Generalaufträgen im Wert von etwa 3,5 Milliarden NOK (etwa 365 Mio. Euro) gewonnen. Etwa 100 Subunternehmer und Dienstleister hatten mit Condotte Verträge über die Zusammenarbeit abgeschlossen.

In norwegischen Medien wird die Entscheidung der Auftragsvergabe an Condetta kritisiert. Finanzprofessor Thore Johnsen von der Norwegischen Wirtschaftsschule erklärt in der Zeitnng Dagens Næringsliv, dass es ein „Skandal ist, dass dieser schwache Unternehmer ausgewählt wurde“. Der Beschaffungsmanager des Follobanen-Projekts, Jan Vormeland, weist die Kritik zurück, dass die Italiener nicht richtig überprüft wurden. Die Wettbewerbskriterien, die sich auf die Liquidität und das Angebot bezogen, seien erfüllt worden.

Das Follobanen-Projekt sieht den Bau einer zweigleisigen Hochgeschwindigkeitsstrecke mit einer Länge von 22,5 Kilometern vor, davon 19 Kilometer im Tunnel. Damit wird die heutige Reisezeit halbiert. 25 Milliarden NOK sind für den Bau vorgesehen. Damit ist das Vorhaben das bisher größte Verkehrsprojekt Norwegens. Am Bau von Follobanen sind mehrere deutsche Unternehmen beteiligt. 

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