Modell des ersten autonomen Containerschiffs im Test

Das endgültige Design für das Schiff wurde kürzlich Medienvertretern im SINTEF Ocean Laboratory vorgestellt.©Ole Martin Wold/Sintef
Das endgültige Design für das Schiff wurde kürzlich Medienvertretern im SINTEF Ocean Laboratory vorgestellt.©Ole Martin Wold/Sintef

Trondheim, 20. Dezember 2017. Im 80 Meter langen Ship Model Tank des norwegischen Forschungsinstituts SINTEF Ocean in Trondheim laufen gegenwärtig Modellversuche für das weltweit erste batteriebetriebene, autonome Containerschiffs “Yara Birkeland”. Das Schiff wird in achtzehn Monaten startbereit sein.

“Dies ist ein äußerst wichtiges Projekt”, sagte Terje Søviknes, Norwegens Minister für Erdöl und Energie. “Wir sehen, dass eine innovative Branche und unser bereits weltweit führender maritimer Sektor ein neues Kapitel in der norwegischen Seefahrtsgeschichte aufschlagen. Im globalen Kontext könnte dies der Beginn von etwas wirklich Großem sein.”

Den Entwurf des sechs Meter langen und 2,4 Tonnen schweren Schiffsmodells lieferte die Firma Marin Teknikk in Sunnmøre.

“Die Ergebnisse zeigen, dass das Schiff einen sehr geringen Rumpfwiderstand hat”, sagt Hans Jørgen Rambech, Senior Researcher und Projektmanager bei SINTEF Ocean. Es werde sowohl effizient fahren als auch umweltfreundlich sein. Es werde spannend zu sehen, ob die Ergebnisse unter Wellenbedingungen genauso gut sind wie nach den Tests in ruhigen Gewässern.

Der Konzern Yara, einer der größten Düngemittelhersteller der Welt, wird rund 400 Millionen NOK in die Entwicklung und den Bau des Schiffes investieren. Neben der Unterstützung durch die Forscher von SINTEF arbeitet Yara eng mit dem Technologiekonzern Kongsberg Maritime zusammen.

2018 soll das Schiff “Birkeland”, benannt nach dem Gründer des Unternehmens Kristian Birkeland, in Betrieb gehen. Anfänglich wird es noch bemannt unterwegs sein– das verlangen die Vorschriften. Vollautomatisch soll das Schiff ab 2020 fahren, um Produkte vom Yara-Werk in Porsgrunn zu den Häfen nach Brevik and Larvik bringen. Bisher wurden die Produkte per Lkw transportiert. Mit dem Einsatz des Null-Emissions-Elektroschiffes können 40.000 Lkw-Fahrten pro Jahr eingespart werden. Die Strecke von der Fabrik bis zu den etwa 30 beziehungsweise 70 Kilometer entfernten Containerhäfen Brevik und Larvik wird das Schiff mit sechs Seemeilen pro Stunde zurücklegen – etwa 10 Kilometer pro Stunde. Das Schiff kann 120 TEU transportieren, die Be- und Entladung wird ebenfalls automatisch erfolgen. Die Batterien ersetzen die Tanks als Ballast.

Die Herausforderung bestehe vor allem darin, die Sensorik einzusetzen, die in der Handelsschifffahrt bisher nicht unbedingt angewendet wurde, und alles nahtlos zusammenzuführen, erklärt Geir Håøy, CEO von Kongsberg. Problematisch sei auch, dass noch keine  rechtlichen Rahmenbedingungen für autonome Schiffe vorliegen. “Das könnte uns vor einige spannende Herausforderungen stellen”, so Håøy.

Der Staat unterstützt das Projekt über die Agentur Enova mit 133 Millionen NOK.

Das Schiffsmodel des ersten autonomen Conainerschiffes ist sechs Meter lang und 2,4 Tonnen schwer.©Das endgültige Design für das Schiff wurde kürzlich Medienvertretern im SINTEF Ocean Laboratory vorgestellt.©Ole Martin Wold/Sintef
Das Schiffsmodel des ersten autonomen Conainerschiffes ist sechs Meter lang und 2,4 Tonnen schwer.©Ole Martin Wold/Sintef

Die Inspiration für den Bau der “Yara Birkeland” erhielt Yara von einer Konzeptstudie zur Machbarkeit des autonomen und elektrischen Fahrens im Schiffsverkehr, die die deutsch-norwegische Klassifizierungsgesellschaft DNV GL 2013 veröffentlicht hatte. ReVolt heißt dieses innovative Schiffskonzept für den Küstenverkehr, an dem sich die Schiffsbauer nun orientieren.

“Yara Birkeland” hat den Startschuss zum Bau von autonomen Schiffen gegeben, weitere Projekte folgten. Im Januar 2017 hat Kongsberg Maritime mit dem britischen Unternehmen Automated Ships Ltd einen Vertrag zum Bau des Prototyps des weltweit ersten autonomen, vollautomatisierten und kosteneffizienten Schiffs für Offshore-Operationen unterzeichnet. Für die Tests von “Hrönn” im Trondheimfjord haben das Zertifizierungsunternehmen DNV GL und die Norwegian Maritime Authority (NMA) die Schirmherrschaft übernommen.

Lesen Sie auch

Yara und Kongsberg bauen erstes autonomes E-Containerschiff

Drittes Testgebiet für autonome Schiffe bei Horten in Betrieb

 

 

 

 

About businessportalnorwegen

View all posts by businessportalnorwegen →

× Featured

Corona-Krise löst in Norwegen Digitalisierungsboom im Gesundheitswesen aus