Konjunktureller Frühsommer, Inflation wieder im Zielbereich

Frankfurt/Main, 13. Juni 2017. Rechtzeitig zum in Skandinavien wichtigen Mittsommerfest (in Norwegen Sankt Hans, am 23. Juni) kommen aus Norwegen erfreuliche Konjunkturdaten, so die Analysten der Helaba in ihrem jüngsten Bericht „Konjunktur kompakt“. So habe das BIP-Wachstum im ersten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr den höchsten Wert seit sechs Quartalen ausgewiesen, getragen vom Konsum und den Investitionen der Festland-Wirtschaft. Dagegen habe der Außenhandel aufgrund lebhafter Importtätigkeit gebremst und auch die Offshore-Aktivitäten hätten das Wachstum belastet. Hier hätten sich die noch immer niedrigen Ölpreisnotierungen bemerkbar gemacht. Die Ölinvestitionen dürften 2017 zwar abermals unter dem Vorjahreswert liegen, allerdings würden die Planungen langsam nach oben korrigiert.
Insgesamt sollte das BIP-Wachstum 2017 mit 1,7 Prozent merklich über den 1,1 Prozent vom vergangenen Jahr liegen. Der Anstieg im Verbrauchervertrauen sei ungebremst. Die rückläufige Arbeitslosenquote und moderatere Inflationszahlen würden für Optimismus sorgen, sodass der fortgesetzte Rückgang der Sparquote offenbar tolerierbar sei. Darüber hinaus würden die Hausbesitzer – mit einem Anteil von über 80 Prozent (Deutschland gut 50 Prozent) im Vergleich zu den Mietern deutlich in der Überzahl – vom Aufwärtstrend am Wohnungsmarkt profitieren, der die eigene Finanzlage in ein tendenziell freundliches Licht rücke.
Wegen der schwachen Konjunktur, die vom niedrigen Ölpreis beeinträchtigt worden sei, habe die Norges Bank die zeitweilige Überschreitung ihres Inflationsziels in Kauf genommen. Seit Februar sei das Ziel von 2,5 Prozent wieder erreicht, zuletzt seien 2,2 Prozent gemessen worden. Die Kerninflation liege aktuell bei 1,7 Prozent, sodass Zinsanhebungen nicht vor 2019 kommen dürften, zumal sich auch die EZB hier Zeit lasse. Aber auch weitere Senkungen des Leitzinses – aktuell mit 0,5 Prozent einer der höchsten in Europa – seien angesichts besserer Konjunkturdaten nicht zu erwarten. Im Jahresdurchschnitt dürfte die Inflation bei gut 2 Prozent landen. Ein waches Auge erfordere weiterhin die Entwicklung am Immobilienmarkt: Die Hauspreise in Norwegen seien in den letzten Jahren kräftig gestiegen, zeitweise sogar stärker als in Schweden. Dem damit einhergehenden Risiko einer überbordenden privaten Verschuldung würden die Banken durch verschärfte Kreditstandards begegnen.
Bei den nächsten Parlamentswahlen, die für den 11. September angesetzt seien, sehe es derzeit nach einem knappen Wahlausgang aus. Zentralisierungsvorhaben der Regierung bzw. Debatten um eine Bevorzugung der Großstädte und der Wohlhabenden sowie Ängste im Zusammenhang mit Zuwanderung hätten die oppositionelle europakritische Zentrumspartei (SP) in den Meinungsumfragen spürbar gestärkt. In der Kritik stehe die aktuelle Minderheitsregierung aus Konservativen und rechtsgerichteter Fortschrittspartei auch, weil 2016 erstmals mehr Geld aus dem Pensionsfonds abgezogen worden sei, als mit Öleinkünften generiert worden sei.
Auf die neue Regierung warte die Aufgabe, weiterhin die wirtschaftliche Stabilität und Entwicklung zu sichern. Die zum Teil schon auf den Weg gebrachten sogenannten makroprudenziellen Maßnahmen und Unternehmenssteuersenkungen würden hierzu nicht ausreichen. Entscheidend werde sein, durch die Verbreiterung der Wirtschaftsbasis („Omstilling“) langfristig unabhängiger von der Ölwirtschaft zu werden.
Kontakt:
Marion Dezenter
Tel.: +4969/91 32-28 41

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