Über zehn Brücken und durch sieben Tunnel

Drei Tunnelportale nebeneinander©Anne Mette Storvik, Jernbaneverket
Infrastruktur à la Norwegen: Tunnel über Tunnel©Anne Mette Storvik, Jernbaneverket

Larvik, 8. Dezember 2016. Norwegen hat ein ambitioniertes Investitionsprogramm im Bereich Transport und Logistik. Neben dem Bau der Follo Line, eine Eisenbahnverbindung im Südosten des Landes, und dem Ausbau der Atlantikstraße im Westen gehört der Bau der zweigleisigen Schienenstrecke zwischen Larvik und Porsgrunn zu den großen laufenden norwegischen Infrastrukturprojekten. Über ihre norwegische Tochter ist die Bilfinger SE, Mannheim, daran beteiligt.

Die Bahnstrecke Larvik-Porsgrunn wurde im Jahre 1882 gebaut. Inzwischen entspricht sie nicht mehr den aktuellen Anforderungen – die Zahl der Passagiere ist gewachsen, die Qualität der Strecke hat sich verschlechtert.

Ursprünglich plante die norwegische Regierung die Rekonstruktion des eingleisigen Schienenweges mit zwei je 900 Meter langen Ausweichabschnitten. Im Zuge der Erarbeitung des Nationalen Transportplans 2010-2019 wurde die Eisenbahnadministration dann aber beauftragt zu prüfen, ob der Bau eines zweiten Gleises nicht die bessere Lösung wäre, um dem wachsenden Verkehrsaufkommen sowohl an Passagieren als auch an Gütern Rechnung zu tragen.

Die Prüfer empfahlen, die Kapazität auf der 22,5 Kilometer langen Strecke Larvik/Farriseidet-Porsgrunn zu verdoppeln und die Strecke für eine Geschwindigkeit von 250 km/h auszubauen. Damit verkürzt sich die Fahrzeit von jetzt 34 Minuten auf zwölf Minuten. Die Regierung stimmte den Empfehlungen zu und bewilligte über 750 Millionen Euro. Auftraggeber ist das Eisenbahninfrastrukturamt Jernbaneverket. 2018 sollen die Züge rollen.

©Jernbaneverket
©Jernbaneverket

Das Bauvorhaben ist in sieben Großaufträge unterteilt. Die neue Bahnstrecke verläuft über zehn Brücken und durch sieben Tunnel. Die Tunnel haben eine Gesamtlänge von 15 Kilometern, also zwei Drittel der Strecke verlaufen im Berg.

16.000 Bohrungen für den Handlauf

Zu den Sicherheitsvorgaben gehört der Bau der Fluchtwege in den Tunneln. An der Tunnelwand wird ein Handlauf installiert, der die Passagiere zum nächstgelegenen Fluchttunnel führt. Den Auftrag zum Bau des Handlaufes hat die norwegische Bilfinger-Tochter, Bilfinger Industrial Services Norge AS, erhalten. 16.000 Löcher müssen im Abstand von 2,4 Metern gebohrt werden, um darin die Montagehalterungen für die Reling zu installieren. Teams mit je drei Mitarbeitern erledigen diesen Job. „An guten Tagen bohren wir etwa 200 Löcher und befestigen darin die Halterungen. Aber es gibt natürlich auch schwierige Bohrungen“, erklärt der Bilfinger-Mitarbeiter Atle Kristoffersen.

Bohrung für den Handlauf©Bilfinger
Bohrung für den Handlauf©Bilfinger

Die Arbeiten begannen im März dieses Jahres und werden bis Ostern nächsten Jahres dauern. Darüber hinaus wurde Bilfinger von der norwegischen Tochter des Ingenieur- und Bauunternehmens Caverion Oy, Helsinki, die die Ausschreibungen zur Elektroinstallation gewann, mit Aufträgen betraut. Die Anforderungen sind hoch. Zum einen soll die Lebensdauer der Strecke einhundert Jahren betragen, davon die ersten 30 Jahre ohne Wartung. Zum anderen sind für den Bau von einem Kilometer Gleis inklusive dazugehöriger Technikgebäude 14 Tage angesetzt.

Die Unternehmen sind Nachbarn im nahegelegenen Herøya Industrial Park. „Es war kein Zufall, dass Bilfinger diesen Job bekam“, sagt Stian Svendby, Projektleiter von Caverion. „Unsere Abteilung ist im Gebäude 145 im Industriepark untergebracht – nicht weit weg von Bilfinger Contracting. Wir haben schon viele Projekte gemeinsam mit Bilfinger realisiert. So war es nur natürlich die Nachbarn zu fragen, ob sie diese Aufgabe lösen können. Bilfinger bietet einen hohen Standard, wir bekamen einen guten Preis und die Bauabteilung kam mit einer genialen Idee.“

Neuer Abschnitt: Installation der Bahntechnik

Nach vier Jahren Bauzeit sind die sieben Tunnel und zehn Brücken gebaut und die Erdarbeiten auf der Strecke Farriseidet-Porsgrunn abgeschlossen, informiert Jernbaneverket. In den nächsten beiden Jahren geht es um die Installation der Bahntechnik. Neben Caverion haben Infranord Norge, eine Tochter der schwedischen Infranord AB, und Relacom AB, ebenfalls ein schwedisches Unternehmen, die entsprechenden Tender gewonnen.

Gegenwärtig werden die Elektro- und Telekommunikationsanlagen im erste Tunnel installiert. Wenn diese Pilotstrecke vom Auftraggeber abgenommen wurden, sollen die anderen Streckenabschnitte folgen.

Am 19. September begann die Verteilung von 122.000 Kubikmeter Schotter als Untergrund für die Schienenstränge. Lars André Tangerås, Projektleiter bei Jernbaneverket, ist mit dem Fortgang der Arbeiten sehr zufrieden. Sowohl in finanzieller Hinsicht als auch hinsichtlich der Zeitplanung sei das Projekt auf dem richtigen Weg. „Vor allem sind wir froh, dass wir die umfangreichen Erdarbeiten ohne schwere Unfälle abgeschlossen haben“, so Tangerås. Die hohen Sicherheitsstandards müssten nun auch in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden.

Im Zuge der Bahnreform wird die bisherige staatliche Eisenbahn Jernbaneverket ab 1. Januar durch ein neues staatliches Unternehmen, Bane NOR SF, ersetzt. Das Unternehmen wurde im Februar 2016 gegründet und gehört zum Verkehrsministerium. NOR SF wird verantwortlich sein für die Verwaltung, Planung, Entwicklung, den Betrieb und die Wartung des nationalen Eisenbahnnetzes. Den Nachbarn, die in unmittelbarer Nähe der Strecke wohnen, teilt Jernbaneverket in ihrem jüngsten Newsletter mit: „Wir sind immer noch die selben Jungs, wir sind nur anders organisiert.“

 

 

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