Energiebranche vor großen Herausforderungen

Diskussionsrunde mit Vertretern deutscher und norwegischer Energie- und Industriekonzerne© Innovation Norway 2016
Diskussionsrunde mit Vertretern deutscher und norwegischer Energie- und Industriekonzerne©
Innovation Norway 2016

Berlin, 27. Oktober 2016. Die Energiebranche steht vor gewaltigen Herausforderungen – darin waren sich alle Unternehmensvertreter einig, die beim 20. Deutsch-Norwegischen Energieforum in Berlin Risiken und Möglichkeiten für den Energiesektor nach Abschluss des Pariser Abkommens zum Klimaschutz diskutierten. Allerdings – auch hier gab es einen Konsens: Wenn die Märkte funktionieren, wird die Energie fließen. Die Referenten informierten darüber, wie ihre Unternehmen die Transformation im Energiebereich mitgestalten, wie sie die weitere Entwicklung einschätzen und welche Anforderungen sie an die Politik zur Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Energiewende haben.

Elnar Remi Holmen, Political Advisor im norwegischen Ministerium für Petroleum und Energie, lobte in seiner Eröffnungsansprache die langjährige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen im Energiesektor und zeigte Möglichkeiten auf, wie diese im Zuge des Ausbaus erneuerbarer Energien weiter intensiviert werden kann. Norwegen sei heute in der guten Position, fast 100 Prozent seiner Energie aus Wasser zu erzeugen. Dies ermögliche eine hohe Flexibilität für die Zukunft, um Netto-Exporteur bei Strom zu werden, so Holmen. Die entsprechende Infrastruktur werde gegenwärtig mit dem Bau eines Stromkabels nach Deutschland und eines Stromkabels Großbritannien geschaffen. „Wir brauchen einen Balance, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“, sagte Holmen. Die Vernetzung im Strombereich über nationale Grenzen hinweg werde auch zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten bringen. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, sollte auch Gas verstärkt eingesetzt werden, insbesondere zur Ablösung von Kohle, so Holmen.

Unternehmensvertreter mit der norwegischen Botschafterin Elisabeth Walaas© Innovation Norway 2016
Unternehmensvertreter mit der norwegischen Botschafterin Elisabeth Walaas©
Innovation Norway 2016

In einem Panel zu den Herausforderungen der Klimaziele für den Energie- und Industriesektor diskutierten Karsten Wildberger, Vorstandsmitglied der E.ON SE, Volker Backs, Senior Vice President Sourcing, Rolled Products, Norsk Hydro, Auke Lont, Präsident und CEO des norwegischen Unternehmens Statnett, Jan Karl Karlsen, Leiter des Berliner Büors der Statoil, und Auguste Willems, Vorstandsmitglied der Wacker Chemie AG. Statnett-Chef Auke Lont unterstrich die Notwendigkeit funktionierender Märkte, um die Vorgaben von Paris in Sachen Klimaschutz zu erreichen. Gebraucht würden außerdem der Zusammenschluss der Netze und der Ausbau der Digitalisierung.

Der bedeutendste Beitrag des Aluminiumherstellers Norsk Hydro zum Klimaschutz bestehe in der Weiterentwicklung des Materials, d.h. in der kontinuierlichen Reduzierung des Gewichts, und im Einsatz von Receycling. „Wir können endlos wiederverarbeiten“, sagte Volker Backs.

Für den Statoil-Vertreter Karlsen hängt die Erreichung der Klimaziele vom Fortschritt der Technologien, politischen Entscheidungen und Kundenpräferenzen ab. Statoil habe den Emissionsausstoß in den vergangenen Jahren erheblich reduziert. „Das aber reicht nicht“, sagte Karlsen. „Wir sind auch sehr aktiv im Bereich erneuerbare Energien.“ Wichtig sei es, dass für den Handel mit Emissionen globale Preise gelten.

Karsten Wildberger sieht den Schlüssel zum Erfolg beim Umbau der Energiemärkte in mehr Innovation und mehr Digitalisierung. Die Politik müsse für die entsprechenden Rahmenbedingungen zum Ausbau der Erneuerbaren sorgen.

Das Unternehmen Wacker Chemie verbraucht heute etwa 0,7 Prozent der deutschen Elektrizität und ist damit einer der größten Stromkonsumenten des Landes. Damit sei Energie ein großer Kostenfaktor, erklärte Willems. Das Unternehmen investiere verstärkt in die Forschung für mehr Energieeffizienz. Im globalen Wettbewerb, insbesondere im Wettbewerb mit China, sei es notwendig, faire Wettbewerbsbedingungen herzustellen. Die Preise für den Ausstoß von CO2 seien nicht global, das sei ein Nachteil für Unternehmen, die mit Investitionen in mehr Energieeffizienz zur Erreichung der Klimaziele von Paris beitragen.

Dr. Andreas Schröter, Executive Vice President & Regional Manager Central Europe & Mediterranean des Unternehmens DNV GL, sprach über die weitere Entwicklung der konventionellen und erneuerbaren Energie in Deutschland. Neben Innovation und Digitalisierung sollten die Energiekonzerne auch das emotionale Verhalten der Konsumenten verstärkt in Betracht ziehen.

Tom Lindberg, Managing Director des norwegischen Consulting-Unternehmens ECOHZ, erläuterte, wie sich Unternehmen weltweit um den Einsatz von erneuerbaren Energien bemühen und diesen dokumentieren. Das Interesse am Bezug von Strom aus Erneuerbaren sei groß., um den CO2-Ausstoß zu verringern, das Rating für Nachhaltigkeit zu verbessern und neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen. So seien in der Initiative RE 100 81 der einflussreichsten Firmen weltweit vertreten, unter anderem VW, Coca Cola, H&M, die sauberen Strom beziehen wollen. Allerdings müsse dieser auch entsprechend verfügbar und zertifiziert sein.

Botschafterin Elisabeth Walaas©BPN
Botschafterin Elisabeth Walaas©BPN

Das Deutsch-Norwegische Energieforum fand in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Auch nach 20 Jahren sei das Thema noch immer aktuell, sagte die Botschafterin Norwegens, Elisabeth Walaas, in ihrer Abschlussrede. In einer Zeit, in der sich die Energiemärkte so rasant entwickeln, sei es wertvoll zusammenzukommen und über verschiedene Aspekte zu reden. Auch die diesjährige Konferenz habe einen wertvollen Beitrag geleistet um herauszufinden, wo wir stehen und wohin wir uns entwickeln, sagte die Botschafterin.

Die Konferenz wurde von der Königlich-Norwegischen Botschaft und Innovation Norway ausgerichtet. Erstmals Bestandteil der Konferenz war ein Roundtable, an dem deutsche und norwegische Unternehmen teilnahmen. Dr. Werner Brinker informierte die über einhundert Teilnehmer der Deutsch-Norwegischen Energiekonferenz über die Ergebnisse dieser Zusammenkunft.

 

 

 

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