Norwegen als Wirtschaftsstandort, Handelspartner und Investor

Der Bjørvika Barcode – die neue Skyline von Oslo mit modernen Bürogebäuden©Rolf Thoresen/VisitOSLO
Der Bjørvika Barcode – die neue Skyline von Oslo mit modernen Bürogebäuden©Rolf Thoresen/VisitOSLO

Norwegen zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt mit einer stabilen Wirtschaft, einem großen staatlichen Sektor und einer leistungsfähigen und dynamischen Privatwirtschaft.

1994 haben die Norweger über ein Referendum entschieden, nicht Mitglied der Europäischen Union zu werden. Jedoch ist das Land über den Gemeinsamen Europä­ischen Wirtschaftsraum (European Econo­mic Area/EEA) eng mit der EU verbunden.

Durch das EEA-Agreement, dem neben Norwegen auch Island und Liechtenstein angehören, sind diese Länder gleichberechtigte Partner im EU-Binnenmarkt. Das heißt, sie haben Zugang zum Binnenmarkt und genießen die Freiheit des Verkehrs von Waren, Dienstleistungen, Arbeitskräften und Kapital.  Norwegen unterstützt 150 Programme in der Europäischen Union, allein für die Erreichung der Klimaschutzziele unterstützt Norwegen EU-Länder mit 700 Millionen Euro jährlich. 

Das Land ist reich an Bodenschätzen, allen voran Öl und Gas. Die Regierung reglementiert den Energiesektor stark – leistet er doch einen beträchtlichen Anteil an den Einnahmen des Landes. Die Petroleumindustrie stellt heute etwa neun Prozent der Arbeitsplätze, erwirtschaftet 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und realisiert 39 Prozent der norwegischen Exporte.

Die Einnahmen der Öl- und Gasexporte werden in einem Pensionsfonds verwaltet, dem Norges Bank Investment Management. Mitte September verfügte der Fonds über 785,8 Milliarden Euro. Das Geld wird weltweit investiert, insgesamt ist Norges Bank Investment Management an etwa 9.000 Unternehmen in 78 Ländern beteiligt. Das Land zählt somit zu den größten Investoren weltweit.

Bei den Investitionskriterien werden strenge Maßstäbe angesetzt. In jüngster Zeit zog sich der Fonds aus Unternehmen zurück, die als große Klimaverschmutzer gelten.

Der Fond führt jährlich bis zu vier Prozent seiner Einnahmen in das Staatsbudget ab. Das heißt, dass lediglich die Gewinne aus den Anlagen der Öl- und Gaseinnahmen für den norwegischen Haushalt zur Verfügung stehen.

Das norwegische Bruttoinlandsprodukt betrug 2015 350,9 Mrd. Euro. Damit belegt das Land Platz 49 in der Welt. Pro Einwohner erwirtschaftete Norwegen damit ein BIP von67.620 Euro. Das ist weltweit Platz 11. 2015 wuchs die norwegische Wirtschaft um 1,6 Prozent.

Das norwegische Bruttoinlandsprodukte wurde 2015 zu 25,7 Prozent im Bergbau und in der Industrie erwirtschaftet, zu 20 Prozent in der öffentlichen Verwaltung und zu 13,7 Prozent im Bereich Handel, Verkehr, Gaststätten und Hotels. Der Immobiliensektor trug mit 6,5 Prozent zum BIP bei, die Bauindustrie zu 5,5 Prozent und die Land- und Fischereiwirtschaft zu 1,6 Prozent.

Etwa 79 Prozent der Norweger waren 2015 im Dienstleistungssektor beschäftigt,18,3 Prozent in der Industrie und 2,7 Prozent in der Landwirtschaft.

Mit dem Rückgang der Erdöl- und Erdgaspreise und damit sinkenden Einkommen für das Land bemüht sich die Regierung um eine Stärkung der Wirtschaftssektoren außerhalb der Öl- und Gasindustrie. Die sogenannteDie „Festlandsindustrie“ beschäftig 98 Prozent der Arbeitnehmer, trug 2015 jedoch nur zu 80 Prozent zur Wirtschaftsleistung und zu 47 Prozent der Exporte bei.

Während die Produktion im Bergbau im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent schrumpfte und in der Industrie um 3,2 Prozent, konnte die Land- und Forstwirtschaft um 3,7 Prozent zulegen. Die Finanz- und Versicherungswirtschaft wuchs um 3,7 Prozent gegenüber 2014 und die Bauwirtschaft um 3,1 Prozent.

Der Außenhandel wird dominiert von der Öl- und Gasindustrie. Im vergangenen Jahr hatte Erdöl einen Anteil von 29,1 Prozent an den gesamten Exporten, die Gasindustrie einen Anteil von 28 Prozent. 9,3 Prozent der Exporte waren Nahrungsmittel, gefolgt von Maschinen mit 6,5 Prozent und chemischen Erzeugnissen mit 6,2 Prozent.

Wichtigstes Importprodukt sind Maschinen mit einem Anteil von 11,7 Prozent an den Gesamteinfuhren vor Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen mit 10,2 Prozent und chemischen Erzeugnissen mit 9,7 Prozent.

Schweden, Deutschland und China sind die wichtigsten Lieferländer, Großbritannien, Deutschland und die Niederlande die wichtigsten Exportmärkte. Fast 80 Prozent der Exporte gehen in die EU, aus der EU bezieht Norwegen etwa 60 Prozent seiner Lieferungen.

Quellen: Statistikamt Norwegen SSB, Government Pension Fund Global, destatis, gtai, CIA Factbook

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