Equinor -CEO Sætre fordert energischeres Handeln für mehr Vertrauen

Equinor-CEO Eldar Sætre während seiner Rede auf der CERA-WEEK©Equinor

Houston, 12. März 2019. In einer Welt, die zunehmend von Populismus und dem Scheitern bei der Bewältigung der großen Probleme dominiert wird, fordert Equinor-CEO Eldar Sætre die Öl- und Gasindustrie auf, energisch zu handeln, um Transparenz zu schaffen, Vertrauen zu gewinnen und gegen den Klimawandel vorzugehen. Auf der CERA Week in Houston, dem wichtigsten internationalen Branchentreffen der Öl- und Gasindustrie, sprach Sætre über die Vertrauenskrise, in der die Öl- und Gasindustrie steckt, Transparenz, Populismus und den Klimawandel.

“Verschiedene Signale und Berichte zeigen uns, dass die Öl- und Gasindustrie in einer Vertrauenskrise steckt. Und eine Lücke an Vertrauen wird unsere Fähigkeit verringern, Einfluss auf unsere eigene Zukunft zu nehmen”, betonte Sætre. Persönlich betrachte er diese Erscheinung als eine echte Bedrohung für die Geschäftstätigkeit, sofern die Branche nicht proaktiv und kollektiv handle.

Früher hieß es in der Politik: Um erfolgreich zu sein, müsse man die großen Fragen der Zeit verstehen und beantworten. Genau das, ganzheitliches Denken und langfristige Lösungen, werde von der Politik erwartet. “Was wir aber sehen, ist leider eher das Gegenteil”, stellt Sætre fest.

Die Politik werde immer kurzfristiger. Sie werde zunehmend vom Populismus dominiert, und die großen Fragen blieben unbeantwortet.

Für langfristig handelnde Unternehmen seien Populismus und kurzfristige Lösungen keine Option. Daher müssten sie lernen, politische Zyklen ebenso zu managen wie Rohstoffzyklen.

Zwei der wichtigsten Herausforderungen spiegelten sich in den UN- Zielen für nachhaltige Entwicklung wider: in der Bereitstellung erschwinglicher und sauberer Energie für alle und in Klimaschutzmaßnahmen. Und da die Klima- und Kohlenstoffherausforderungen sowohl in der politischen als auch in der öffentlichen Debatte zunehmend dominieren, stiegen die Erwartungen an die Energieunternehmen. Das liege zum eine daran, dass die Politiker keine adäquaten Antworten finden. Zum anderen das Problem nicht vollständig erkannt und nicht angemessen darauf reagiert wird.

Und es gehe nicht nur um den Klimawandel. Es gehe um eine breitere Nachhaltigkeitsagenda gegenüber, darunter Themen wie Umwelt, soziales Engagement und Transparenz. Dies bedeutt, dass diese Themen auch auf der Agenda der Öl- und Gasunternehmen einen breiteren Platz einnehmen müssten.

Der erhöhte Druck, die höheren Erwartungen kämen nicht nur von politischen Gruppierungen und Aktivisten – wie früher –, sondern zunehmend auch von breiteren politischen Kreisen, von immer mehr Investoren und nicht zuletzt von jungen Menschen.

Handeln sei gefragt. Nicht Handeln sei für den Planeten, für die Menschen und für die Wirtschaft unhaltbar. Dies würde ein erhöhtes Geschäftsrisiko darstelle und instabile finanzielle Rahmenbedingungen schaffen.

Für die Öl- und Gasindustrie sei es viel besser, selbst zu handeln und zu vermeiden, dass andere über die Branche bestimmen, wandte sich Sætre an seine Industriefreunde. “Auf der positiven Seite sehe ich einige gute Initiativen, was wirklich inspirierend ist.” Und der Kongress OGCI  sei eine davom. Aber insgesamt tue die Branche nicht genug.

“Stellen wir uns also vor, was es bedeuten könnte, wenn wir die gesamte Branche, große und kleine, hinter klaren Ambitionen und Aktionen zusammenbringen und gleichzeitig kraftvoll an wichtigen, fortlaufenden politischen Prozessen wie denen der UN beteiligt sind.

Ich werde nicht vorgeben, alle Antworten zu haben. Lassen Sie mich jedoch drei Dimensionen hervorheben, von denen ich überzeugt bin, dass sie für unsere zukünftige Glaubwürdigkeit immer wichtiger werden: mehr Transparenz, Klimaschutz und Engagement für die Gesellschaft.”

Was wäre, wenn wir uns auf eine erhöhte Transparenz, die Währung des Vertrauens, einigen würden, die im  Rahmen einer Task Force für die Offenlegung klimabezogener Finanzinstrumente basiert?

Was wäre, wenn wir uns alle ehrgeizige Ziele für die Reduzierung von CO2 – und Methanemissionen setzen und dann die Klimabilanzierung mit der Vergütung verknüpfen?

Und was wäre, wenn wir uns alle in einem wahren Dialog mit unseren Kritikern und insbesondere mit der jüngeren Generation engagieren würden, aufmerksam zuhören, miteinander sprechen, nicht übereinander?”

Das Energiesystem der Welt müsse tiefgreifend verändert werden, um die Dekarbonisierung voranzutreiben. Durch einen respektvollen Dialog, der von echten Maßnahmen unterstützt wird, könnte die Branche zeigen, dass sie sich verpflichtet fühlt, den Übergang zu beschleunigen, nicht zu verlangsamen. “Ich bin überzeugt, dass dies die notwendigen Elemente sind, in einem Fahrplan zur Wiederherstellung des Vertrauens und zur Sicherung der Legitimität.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir – die Öl- und Gasproduzenten – erheblichen Einfluss haben können, indem wir in den Kampf gegen Treibhausgasemissionen investieren. Nur so können wir als Partner bei der Gestaltung von Lösungen und nicht nur als Problemquelle akzeptiert werden. ”

Es sei wichtig, aufrichtiger zu kommunizieren. Noch wichtiger sei jedoch das Handeln, um auf die neue Realität zu reagieren. Jedes Unternehmen müsse definieren, was für ihn das Richtige ist. Aber nichts zu tun sei keine sinnvolle Option.

“Durch kraftvolles Handeln glaube ich, dass wir das Vertrauen stärken und die langfristigen Rahmenbedingungen für unsere Branche beeinflussen können.”

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